Unternehmen - Bretnig-Hauswalde:Unternehemensnachfolge: Dulig sieht große Herausforderung

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Bautzen
Martin Dulig (SPD), Wirtschaftsminister von Sachsen, spricht. Foto: Robert Michael/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Dresden (dpa/sn) - Der sächsische Mittelstand sucht dringend Nachfolger zur Übernahme von Unternehmen. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn steht bei rund 1000 Firmen jährlich eine Übergabe an, bis 2026 sind es mehr als 7600, meist aus Altersgründen. Nach Angaben von Sachsens Wirtschaftsministerium wird es immer schwieriger, passende Nachfolger zu finden. Viele kleine und mittelständische Firmen drohten zu verschwinden.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bezeichnete die Fortführung von Unternehmen in Ostdeutschland als zentrale Herausforderung. Zahlreiche Geschäftsleute, die in der Wendezeit ihre Firmen gegründet hätten, erreichten kurz- und mittelfristig das Ruhestandsalter, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch von Firmen, bei denen die Nachfolge in der Chefetage gelang. So sei jeder dritte Inhaber eines Handwerksbetriebes älter als 60. Man müsse die Inhaber motivieren, sich früh mit der Übergabe auseinanderzusetzen.

"Grundsätzlich fehlt es an gründungswilligem Nachwuchs in Sachsen", teilte das Ministerium mit. Gründe dafür seien die jahrelange Abwanderung jüngerer qualifizierter Fachkräfte, der allgemeine bundesweite Trend zu weniger Existenzgründungen, eine strukturelle Verschiebung von stationären zu digitalen Geschäftsmodellen und veränderte Lebensplanentwürfe hin zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.

"Auch die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg beeinflussen die Unternehmensnachfolge erheblich. Auftragsrückgänge, Materialknappheit, steigende Preise, sinkende Konjunkturprognosen und ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit führen dazu, dass Unternehmen ihre Übergaben aufschieben oder aufgeben", betonte Dulig. Um die Nachfolge rechtzeitig zu gestalten, unterstütze der Freistaat Unternehmer.

Laut IfM planen etwa 14 Prozent der Firmeninhaber, ihr Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre zu übergeben. Knapp drei Viertel der Betriebe in Südwestsachsen hätten bisher keine konkrete Regelung dafür getroffen. Ungeklärte Nachfolge ist aus Ministeriumssicht oft eine Investitionsbremse, das mache die Firmen unattraktiv für potenzielle Übernahmen.

Die IHK Leipzig spricht von mehr als 20.000 Firmen landesweit in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Die Hauptgründe seien, dass passende Nachfolger fehlen, das Eigenkapital zu gering ist für Förderung und Finanzierung oder der Kaufpreis zu hoch, sowie die Erbschaftssteuerbelastung und Bürokratieaufwand.

Die Corona-Pandemie habe die Buchwerte von Betrieben und Firmen vermindert, so dass Eigentümer abwarteten mit einem Verkauf, berichtete eine Sprecherin der IHK Chemnitz. "Das zieht gerade wieder etwas an." Oft seien auch keine Regelungen getroffen für den plötzlichen Tod des Chefs und mögliche Probleme bei mehreren Nachkommen. "Es gibt 100 Interessierte, die ein Unternehmen kaufen wollen." Die Finanzierung sei kein Problem.

Der Sächsische Handwerkstag erwartet, dass in den nächsten fünf Jahren in etwa 5000 inhabergeführten Betrieben die Nachfolge ansteht. "Das Thema bleibt brisant, zumal die Gründungsdynamik zurückgeht", sagt ein Sprecher. Im Unterschied zu vor 15 oder 20 Jahren gelinge die Übergabe innerhalb der Familie nicht, weil die jungen Meister die Verantwortung scheuen, sich lieber in anderen Betrieben anstellen lassen statt selbstständig zu machen. "Das sehen wir vor allem bei Bäckern oder Fleischern."

© dpa-infocom, dpa:220623-99-767177/3

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