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Uniper:Chefaufseher geht

Stühlerücken bei Uniper: Nach der Übernahme des Energiekonzerns durch den Konkurrenten Fortum gibt Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg seinen Posten vorzeitig ab. "Alle fünf unabhängigen Aufsichtsratsmitglieder der Uniper SE, darunter der Vorsitzende Bernhard Reutersberg, haben heute in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mitgeteilt, dass sie ihr Amt mit sofortiger Wirkung niederlegen und aus dem Aufsichtsrat ausscheiden", teilte der Konzern am Freitagabend mit. Grund hierfür sei eine entsprechende Aufforderung durch Fortum. Die neuen Mitglieder sollten gerichtlich bestellt und dann auf der Hauptversammlung am 20. Mai in das Kontrollgremium Aufsichtsrat gewählt werden.

Uniper hatte sich insbesondere unter dem früheren Chef Klaus Schäfer gegen eine Übernahme durch die Finnen gestemmt. Die frühere Eon-Kraftwerkstochter hat sich seit der Abspaltung 2016 vom Ruf einer Resterampe befreit und zum Börsenliebling gemausert. Dadurch war sie ins Visier der Finnen geraten. Der langjährige Eon-Manager Reutersberg hatte eigentlich in dem Streit der Konzerne vermitteln sollen, war aber auch schon bald mit Fortum-Chef Pekka Lundmark aneinandergeraten. Erst mit dem Antritt von Andreas Schierenbeck als Uniper-Chef verbesserte sich das Klima. Als möglicher Nachfolger Reutersbergs wird der ehemalige Eon-Manager Klaus-Dieter Maubach gehandelt, der bei Fortum im Aufsichtsrat sitzt.

Reutersberg habe die Voraussetzungen für den Erfolg Unipers als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen geschaffen, betonte Uniper. In der Spitze habe sich die Marktkapitalisierung von Uniper während seiner Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender verdreifacht. "Vor drei Jahren beschloss Eon, seine Beteiligung an Uniper an das finnische Staatsunternehmen Fortum zu verkaufen", erlärte Reutersberg. "Fortum hat seinen Anteil an Uniper nunmehr als Mehrheitseigentümer auf fast 70 Prozent erhöht. Für mich ist nun die Zeit des Abschieds gekommen."

© SZ vom 04.04.2020 / Reuters
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