FinanzwesenUnicredit-Aktionäre schaffen Voraussetzung für Commerzbank-Übernahme

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Die Unicredit versucht seit Monaten, die Commerzba
Die Unicredit versucht seit Monaten, die Commerzba MARCO BERTORELLO; DANIEL ROLAND/AFP

Damit geht der Kampf um den Dax-Konzern weiter. Schon an diesem Dienstag könnte ein offizielles Angebot für die Commerzbank vorliegen. Deren Spitze wehrt sich weiter gegen die Pläne aus Mailand.

Schluckt die Unicredit Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank? Seit mehr als eineinhalb Jahren versucht die Commerzbank, ihre Eigenständigkeit gegen zunehmenden Druck der italienischen Großbank aus Mailand zu verteidigen. Und die Unicredit treibt ihre Pläne zur Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns trotz vehementer Widerstände aus Deutschland voran.

Nun stimmten die Unicredit-Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung der notwendigen Kapitalerhöhung zu, wie die Bank in Mailand mitteilte. Die Anteilseigner genehmigten die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien im Nominalwert von bis zu 6,7 Milliarden Euro bis zum 31. Dezember 2027.

Die Papiere will die Unicredit im Tausch für Commerzbank-Aktien anbieten. Auf dieser Basis kann die italienische Großbank ihr Mitte März angekündigtes Angebot zur Übernahme sämtlicher Commerzbank-Anteile offiziell machen. Schon an diesem Dienstag soll das nach Worten von Unicredit-Chef Andrea Orcel geschehen. Am kommenden Freitag will dann die Commerzbank neue Finanzziele vorlegen, die ihre Aktionäre von einem eigenständigen Kurs überzeugen sollen – möglicherweise inklusive eines weiteren Stellenabbaus.

Mitte März hatte die Unicredit bereits angekündigt, sie wolle je Commerzbank-Papier 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent auf den chlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertete die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Allerdings notierten Commerzbank-Aktien zuletzt deutlich höher, um die 35 Euro. Orcel hat sich offen gehalten, die Offerte nachzubessern.

Mit dem freiwilligen Tauschangebot will Orcel sich weitere Commerzbank-Anteile sichern und die Schwelle von 30 Prozent überschreiten, ohne ein – wahrscheinlich teureres – Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Der Manager zeigte sich zuletzt siegessicher: „Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten“, sagte Orcel jüngst der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Eine unglückliche Rolle bei der geplanten Übernahme spielt der deutsche Staat. Alles begann im September 2024: Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte und seither an ihr beteiligt ist, beschloss, 4,49 Prozent seiner Commerzbank-Aktien zu verkaufen. Der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) begründete den Schritt wenig später damit, die Commerzbank sei „ein starkes Institut“. Weil sie sich so gut entwickelt habe, sei eine Staatsbeteiligung „auf Dauer nicht nötig“. Offenbar hatte die Ampelregierung aber unterschätzt, wie konsequent Investmentbanker Orcel seine Pläne verfolgen würde.  Aus Berlin kam immer wieder die Botschaft: Wir wollen eine eigenständige Commerzbank. Und Gewerkschaften warnten vor einem „Kahlschlag“ mit dem Abbau Tausender Stellen. Tatsächlich hat Orcel, als er seinen Plan für die Zukunft der Commerzbank kürzlich präsentierte, von 7000 Stellen gesprochen, die bei einer Übernahme möglicherweise wegfallen könnten.

Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, sieht eine Übernahme der Commerzbank als Chance, bessere Geschäfte mit Privat- und Mittelstandskunden zu machen. Zudem argumentiert Orcel immer wieder, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken. Diesen Teil der Diagnose teilen viele Experten.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die die Führung des Dax-Konzerns am 1. Oktober 2024 mitten in der beginnenden Übernahmeschlacht angetreten hatte, sieht dagegen keinen Mehrwert in einem Zusammenschluss. Sie wirft dem Unicredit-Chef eine „anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellungen“ vor.

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