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Ungleichheit:Der Aufschrei wäre sicherlich gewaltig

Ein solcher Umbau würde viele andere Probleme gleich mit lösen. So fiele etwa die unterschiedlich hohe Belastung verschiedener Einkunftsarten weg, die gerade Reiche heute geschickt zu ihren Gunsten ausnutzen. Gleiches würde für die ewigen Versuche vieler Unternehmer gelten, ihr Privatvermögen der Erbschaftsteuer zu entziehen, indem sie es mit ein paar Kniffen dem Betriebsvermögen zuschlagen. Künftig würde das Gesamtvermögen des Unternehmers herangezogen, egal ob es in der Firma oder in der Villa steckt.

Der Aufschrei wäre sicher gewaltig. Millionen Jobs, so würde es heißen, seien in Gefahr, weil Betriebe wegen der Vermögensteuer geschlossen werden müssten. Das ist Unsinn. Ein Firmenchef mit einem Betrieb im Wert von acht Millionen und einem Privatvermögen von zwei Millionen Euro müsste 300 000 Euro Steuern zahlen. Das sollte angesichts der wegfallenden anderen Steuerarten möglich sein.

Wenn nicht, wären auch nach dem Vermögen gestaffelte Steuersätze denkbar, etwa von null bis vier Prozent. Schließlich geht es ja nicht darum, kleine Mittelständler zu belasten, sondern jene gut 400 000 reichsten Haushalte stärker zur Finanzierung des Allgemeinwohls und von Chancengleichheit heranzuziehen, die zusammen ein Drittel des Gesamtvermögens besitzen. Dahinter steckt kein sozialistischer Neidkomplex, sondern ein eher liberaler Gedanke, schließlich dürfte und würde es ja weiter eklatante Einkommensunterschiede zwischen den Bürgern geben.

Es gibt noch weitere Argumente, die in der Vergangenheit zurecht gegen die Vermögensteuer ins Feld geführt wurden, etwa der Aufwand einer jährlichen Taxierung aller Firmen, Häuser und sonstiger Besitztümer des Landes oder die Tatsache, das die Steuer auch in Jahren anfiele, in denen ein Betrieb Verluste schreibt. All das aber wäre lösbar, durch Pauschalen, längere Schätzzyklen, Stundungsregeln.

Entscheidend ist: Bleibt die Politik in alten Mustern verhaftet, wird der Zorn der Menschen, der sich im Zulauf zunächst für linke, dann für rechte Parteien manifestierte, weiter wachsen. Gerade die Wut vieler AfD-Anhänger, daran sei erinnert, speiste sich ursprünglich nicht aus hohen Flüchtlingszahlen, sondern aus dem Gefühl, finanziell abgehängt zu werden. Sollte sich diese Wut eines Tages in Wahlsiegen entladen, werden sich die etablierten Parteien noch nach den Zeiten sehnen, da ihr größtes Problem die Überwindung bürokratischer Hemmnisse bei der Einführung einer Vermögensteuer war.

© SZ vom 28.01.2016/hgn
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