Unfallversicherungen Raus aus miesen Policen

In Deutschland gibt es zahlreiche Unfallpolicen - doch die meisten sind lückenhaft. Eine Studie Finanztest zeigt, dass in drei Fällen ein "sehr guter" Schutz vor den finanziellen Fol­gen gewährleistet ist.

Da am Markt tausende von Tarifvarianten kursieren, hat Finanztest bereits im Vorfeld stark gesiebt. Um in den Test aufgenommen zu werden, mussten die Angebote unter anderem bei Voll­invalidität mindestens 500 000 Euro leisten. Davon lässt sich ein Haus umbauen, eine Haushaltshilfe bezahlen und vieles mehr. Die Versicherer bieten ständig neue Variationen ihrer Unfallversicherungstarife an. Wie gut ein Angebot ist, lässt sich mithilfe einer Checkliste einschätzen. Mit ihr können Kunden auch prüfen, ob ihr derzeitiger Vertrag leistungsstark ist oder ob sich ein Wechsel lohnt.

Deutschlands Unfallversicherungen im Test - nicht jede bietet vollständigen Schutz vor finanziellen Folgen eines Unfalls.

(Foto: dapd)

Frauen müssen künftig höhere Beiträge zahlen

Männer in ungefährlichen Berufen zahlen für sehr gute Angebote zwischen 236 und 333 Euro im Jahr, Frauen zwischen 221 und 306 Euro. Männer in gefährlicheren Berufen, vor allem mit körperlicher oder handwerklicher Tätigkeit, müssen für die sehr guten Tarife im Test zwischen 363 und 515 Euro im Jahr auf den Tisch legen. Frauen zahlen bei einigen Versicherern deutlich weniger als Männer.

Das könnte sich ab Ende 2012 ändern. Dann müssen die Versicherer Unisextarife anbieten, die voraussichtlich für Frauen teurer werden. Für sie könnte es also sinnvoll sein, noch zu den aktuellen Konditionen einen Vertrag abzu­schließen. Mehr Geld bei schwerer Invalidität

Je nach Schwere der dauerhaften gesund­heitlichen Beeinträchtigung erhält der Versicherte einen unterschiedlich hohen Geldbetrag. Ein guter Vertrag zeichnet sich dadurch aus, dass der Kunde nicht nur bei 100 Prozent Invalidität eine hohe Summe erhält. Auch bei niedrigeren Invaliditätsgraden muss die Leistung stimmen.

Aus den Angeboten im Test erhalten Versicherte zum Beispiel bei 50 Prozent Invalidität mindestens 100 000 Euro. Finanztest empfiehlt außerdem Tarife mit "Progression", bei denen der Versicherte bei 100 Prozent Invalidität ein Vielfaches der vereinbarten Versicherungsgrundsumme erhält. Aus einem P 500-Tarif mit einer Versicherungssumme von 100 000 Euro gibt es dann beispielsweise 500 000 Euro.

Faire Bedingungen helfen im Ernstfall

Wichtig für den Kunden ist zudem eine faire Chance, im Ernstfall überhaupt an die vereinbarten Leistungen zu kommen. Ob und in welcher Höhe er diese bekommt, hängt vor allem von der Verbraucherfreundlichkeit der Versicherungsbedingungen ab. Einer der wichtigsten Punkte dabei ist die Gliedertaxe. Sie bestimmt, welchen Grad der Invalidität ein Unfallversicherer beispielsweise nach dem Verlust einer Hand aner­kennt. Davon hängt die Höhe der Leistung ab. Manche Versicherer bieten Tarife mit unterschiedlichen Gliedertaxen an. Sie erkennen dann statt der üblichen 55 Prozent für den Verlust einer Hand bis zu 100 Prozent Invalidität an. Der Kunde bekommt dann mehr Geld, unter Umständen so viel wie bei Vollinvalidität.

Beim Abschluss die Wahrheit sagen

Ist jemand bereits schwerbehindert oder pflegebedürftig, kann er keine Unfallversiche­rung mehr abschließen. Kleinere Vorerkrankungen sind normalerweise aber kein Problem. Es kann jedoch passieren, dass ein Versicherer einen Kunden ablehnt, zum Beispiel weil dieser bereits einen Bandscheiben­schaden hatte. Doch es hat keinen Sinn, so etwas zu verschweigen. Lässt jemand bei den Fragen nach dem Gesundheitszustand oder nach Verletzungen und Erkrankungen in der Vergangenheit etwas weg, kann der Versicherer später unter Umständen vom Vertrag zurücktreten. Dann gibt es im Falle einer Invalidität kein Geld, und die bis dahin gezahlten Beiträge sind auch weg. Viele Kunden sind sich dieses Risikos nicht bewusst. Deshalb hat Finanztest auch bewertet, wie deutlich Versicherer die Kunden im Antragsformular darauf hinweisen, was bei Falschangaben passieren kann.