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Wettbewerb:EU-Kommission stören vorinstallierte Google-Apps

Das mobile Betriebssystem Android ist Googles Versuch, dieses wertvolle Geschäft in eine Zeit zu retten, in der sich die Menschen nicht mehr nur zu Hause an den Computer setzen, sondern auch unterwegs im Netz surfen. Der Internetkonzern stellt Handyherstellern diese Software kostenlos zur Verfügung - und hat so dafür gesorgt, dass weltweit inzwischen acht von zehn Smartphones von Android angetrieben werden. Auch Android sieht sich die Kommission nun genauer an: Will ein Handyhersteller wie etwa Samsung neben Android auch Dienste von Google anbieten, beispielsweise das Kartenmaterial, den E-Mail-Dienst Youtube oder eben die Suchmaschine, so muss er das gesamte Paket buchen und darf sich nicht einzelne Dienste aussuchen. Daran stört sich Vestager, weil die meisten Menschen die Dienste nutzen, die auf einem Smartphone bereits installiert sind - statt andere Dinge auszuprobieren.

Die Kommission will zudem prüfen, ob Google mit Anreizen für Hersteller, eigene Dienste exklusiv vorzuinstallieren, die Konkurrenten illegalerweise auf Abstand gehalten oder andere Entwickler sogar dabei behindert hat, eine eigene Version des offenen Systems Android zu vermarkten.

Dass der wohl wichtigste Wegweiser im Netz den Menschen zuallererst den Weg zu den eigenen Diensten weist - diesem Vorwurf von etwa 30 Wettbewerbern geht die Kommission seit fünf Jahren nach. Der damalige Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte Google bereits einige Zugeständnisse abgerungen. Er wollte die Sache schon zu den Akten legen. Doch dafür wurde er nicht nur innerhalb der Kommission kritisiert, sondern auch von Politikern und Managern aus den Mitgliedsstaaten.

So funktioniert Google

Wer schnell etwas googelt, ist sich wohl kaum bewusst, was eine simple Anfrage in den Rechenzentren von Google auslöst - das Ergebnis kommt ja in Sekundenbruchteilen zurück. Damit Suchanfragen so schnell abgearbeitet werden können, arbeiten viele Computer parallel, in Einzelfällen können das Hunderte sein. Sie suchen aber nicht etwa das World Wide Web mit seinen Milliarden Seiten ab, das würde viel zu lange dauern. Sie durchkämmen vielmehr einen sogenannten Index, also ein Verzeichnis von Seiten, das Google bereits angelegt hat. Wie der Internetkonzern das genau macht, beschreibt der Google-Algorithmus - eine mathematisch gefasste Abfolge von Anweisungen. Wie dieser Algorithmus im Einzelnen funktioniert, gehört zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Firma. Mittlerweile lebt ein ganzer Berufszweig davon, möglichst gut herauszukriegen, wie man es schafft, von Google besser bewertet - auf Fachchinesisch: gerankt - zu werden.

Einiges davon ist zwar seit Längerem bekannt. So gilt im Wesentlichen die erste Google-Regel weiter, dass vor allem das für wichtig befunden wird, worauf viele Menschen vertrauen. Eine bekanntermaßen seriöse Seite, die viele Nutzer anzieht, wird auch bei Google hoch gerankt werden. Aber weder der Index, noch der Algorithmus sind statisch. Vor allem der Index ist ein lebendes Wesen. Schon wenige Minuten nach einem Großereignis finden sich unter dem entsprechenden Suchwort Nachrichten zu diesem Thema. Spezielle Computer durchpflügen dazu ständig das Netz, Nachrichtenseiten bekommen häufig Besuch von Google.

Aber auch der Algorithmus, der regelt, was wo in den Suchergebnissen auftaucht, wird ständig verändert. Oft merken davon nur die Experten etwas, in größeren Abständen aber nimmt der Konzern aber auch einschneidende Änderungen vor. Auf jeden Fall hat es die Firma in der Hand zu steuern, wer weit oben angezeigt wird und wer nicht. Was entscheidend ist, denn die meisten Nutzer gucken nur bei den ersten Suchergebnissen. Dass Google dabei das Ziel verfolgt, möglichst relevante Ergebnisse anzuzeigen, liegt eigentlich im Firmeninteresse. Nur Nutzer, die finden, was sie suchen, werden wieder kommen und auf eine Anzeige klicken.

Damit verdient Google nämlich sein Geld: als Werbefirma, die mit gut funktionierenden Diensten Nutzer auf seine Seiten lockt. Dort steht unaufdringliche Werbung, die zum Suchbegriff passt und sich daher für die Werbetreibenden lohnt. Von Googles 18,1 Milliarden Dollar Umsatz im vierten Quartal 2014 stammten 16,1 Milliarden aus dem Werbegeschäft. Helmut Martin-Jung

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Axel Springer, bekannte in einem leidenschaftlichen Essay in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, warum sich Europa vor Google fürchten müsse. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel legte nach und brachte gar den Gedanken an einer Zerschlagung ins Spiel. Auch das Europaparlament sprach sich im November 2014 dafür aus - und machte so deutlich, dass es von der neuen EU-Kommission unter der Führung von Jean-Claude Juncker mehr Entschlossenheit erwarte. Und die Chefs der zehn führenden Telekommunikationskonzerne stellten Juncker zum Amtsantritt einen Brief zu, in dem sie härtere Regeln für Google forderten.