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Unbesetzte Ausbildungsplätze:Hurra, wir haben wieder eine Azubi!

Berufswahl von Jungen und Mädchen ändert sich langsam

Eine Auszubildende im Ausbildungszentrum von ZF Friedrichshafen.

(Foto: dpa)
  • Betriebe leiden etwas weniger darunter, dass Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Doch noch immer hat jedes dritte Firma dieses Problem.
  • Jede sechste Firma bildet Geflüchtete aus. Sie arbeiten als Azubis besonders häufig in der Gastronomie, im Bau und im Verkehrsgewerbe.

Jugendliche, die eine Ausbildung machen wollen, haben derzeit gute Karten auf dem Arbeitsmarkt. Die Demografie und der Fachkräftemangel versetzen sie in eine aussichtsreiche Position. Für die Betriebe hingegen hat diese Entwicklung Schattenseiten, darauf weist der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hin: In 32 Prozent der Unternehmen blieben im vergangenen Jahr Ausbildungsplätze unbesetzt. Das geht aus der jüngsten DIHK-Ausbildungsumfrage hervor. 2017 war die Situation aus Firmensicht mit 34 Prozent unbesetzter Plätze allerdings noch etwas problematischer gewesen.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufliche Bildung wurden 2018 im IHK-Bereich knapp 310 000 neue Ausbildungsverträge geschlossen, im Handwerk mehr als 145 000 und in den freien Berufen gut 46 000 - in allen drei Wirtschaftszweigen waren das mehr als im Vorjahr*. Der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen sei trotz der demografischen Entwicklung und der Studierneigung vieler junger Menschen vorerst gestoppt, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK, Achim Dercks. "Der Fachkräftebedarf der deutschen Wirtschaft ist enorm." Heute seien es vielfach die Azubis, die sich das passende Unternehmen aussuchen könnten. 18 000 ausbildungswillige IHK-Betriebe hätten 2018 gar keine Bewerbung erhalten, fünf Mal mehr als noch 2012.

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Gestiegen ist der Anteil von Unternehmen, die Geflüchtete ausbilden: von 14 Prozent im Jahr 2017 auf rund 16 Prozent 2018. Besonders häufig finden Geflüchtete einen Ausbildungsplatz in der Gastronomie, im Bau und im Verkehrsgewerbe. Als Rückmeldung kommt von den Betrieben allerdings, dass Flüchtlinge nicht zu früh mit einer Ausbildung beginnen sollten, weil sie sonst häufig an fehlenden Deutschkenntnissen scheitern würden. Insgesamt seien derzeit rund 25 000 Geflüchtete in einer Ausbildung in einem IHK-Betrieb, sagte Dercks.

Neben dem Azubimangel, der natürlich nicht alle Unternehmen und Regionen gleichermaßen trifft, nennen die Betriebe noch weitere Hürden. Eine ist offenbar, dass viele Jugendliche eine falsche Vorstellung von der Ausbildung haben, die sie beginnen. Fast die Hälfte der Unternehmen gab in der Umfrage an, "realistischere Berufsvorstellungen" würden ihre Arbeit erleichtern. Vor allem in den Gymnasien, so die Schlussfolgerung des DIHK, müsse die Berufsorientierung besser werden.

77 Prozent der Betriebe nennen IT-Kenntnisse als wichtiges Kriterium

Auch die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen ließe sich der Umfrage nach verbessern, etwa durch besser abgestimmte Lehr- und Praxispläne. Zudem müssten viele Berufsschulen modernisiert werden, sagte Dercks vom DIHK, "gerade mit Blick auf die digitale Berufswelt". Denn die Digitalisierung beherrscht inzwischen auch den Ausbildungsmarkt. 77 Prozent der Ausbildungsbetriebe nennen IT-Kenntnisse der Bewerber als wichtiges Einstellungskriterium.

Teilgenommen an der Online-Befragung hatten knapp 12 500 Unternehmen, die in Industrie, Baugewerbe, Handel, Gastgewerbe, Verkehr, Banken, Versicherungen und anderen Dienstleistungsbranchen ausbilden.

*Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version nannte eine falsche Zahl bei den neu geschlossenen Ausbildungsverträgen, wir haben das korrigiert und bitten um Entschuldigung.

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