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Unabhängigkeit Schottlands:Umfrage lässt Pfund abstürzen

Deutschland - Schottland

Schottische Fans werben beim Fußballländerspiel gegen Deutschland für ein "Ja" beim Referendum über Schottlands Unabhängigkeit.

(Foto: dpa)

Bisher haben die Anleger die Idee eines unabhängigen Schottland wohl für einen schlechten Scherz gehalten. Eine Umfrage hat sie wachgerüttelt - und das Vertrauen in das britische Pfund erschüttert.

  • Die schottischen Unabhängigkeitsbefürworter lagen in einer Umfrage vom Wochenende erstmals vorne. Das Pfund stürzte daraufhin am Montag um fast einen Prozent auf 1,6165 Dollar ab.
  • Würde Schottland unabhängig, hätte dies weitreichende Folgen für die britische Wirtschaft.

Pfund-Kurs reagiert auf Umfragen zur Unabhängigkeit Schottlands

Jetzt ist die Angst vor einer Abspaltung Schottlands von Großbritannien auch an der Börse angekommen. Das Pfund gab am Montag um fast ein Prozent auf 1,6165 Dollar nach und war damit so billig wie zuletzt Ende November 2013. Auch gegenüber dem Euro gab das Pfund nach. Grund für den Kurssturz ist eine am Wochenende veröffentlichte Umfrage. In dieser hatte sich erstmals eine knappe Mehrheit für eine Unabhängigkeit Schottlands ausgesprochen. In bisherigen Stimmungsbildern zum Ausgang des Referendums am 18. September lagen die Unabhängigkeitsgegner noch leicht vorne. Anleger hätten bisher damit gerechnet, dass sich die Schotten gegen eine Loslösung von Großbritannien aussprechen würden, sagte Jasper Bargmann, Chef-Händler der Nordea Bank in Singapur.

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Unsicherheit über die Zukunft des Pfund

Dabei ist das Pfund schon seit Wochen auf Talfahrt. Seit Anfang Juli ist das Pfund zum Dollar um fast sechs Prozent abgerutscht. Stimmen die Schotten kommende Woche tatsächlich für eine Loslösung von Großbritannien, könnte es noch schlimmer kommen. Das Votum sei nur der Auftakt für eine Phase der Unsicherheit, warnen die Analysten der Barclays Bank. Schließlich gebe es viele ungeklärte Fragen. Beispielsweise ist unklar, ob ein unabhängiges Schottland das Pfund als Währung überhaupt behalten darf. Die britische Regierung hat die von den schottischen Nationalisten angestrebte Währungsunion abgelehnt. So bliebe Schottland nur die Möglichkeit, einseitig das Pfund als Währung zu übernehmen. Allerding könnte es dann keine eigene Geldpolitik betreiben und wäre abhängig von der Bank of England, der britischen Zentralbank. Eine Einführung des Euro wäre vorerst nicht möglich, da das Land dazu erst einmal der EU beitreten müsste.

Briten würden wertvolle Ölvorkommen verlieren

Großbritannien würde bei einer Abspaltung nicht nur Territorium und Bürger verlieren, sondern auch einen Teil seiner Wirtschaftsleistung. Besonders schmerzen würde wohl der Verlust der Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee. 85 Prozent der britischen Öl- und Gasvorkommen liegen auf schottischem Gebiet. Viele Schotten erhoffen, durch die Unabhängigkeit stärker von ihren Bodenschätzen profitieren zu können. Schätzungen zufolge läge das Bruttoinlandsprodukt eines unabhängigen Schottland pro Kopf deutlich über dem von Großbritannien - zumindest, wenn die Schotten alle Öl- und Gasvorkommen, die auf ihrem Territorium liegen, behalten dürfen.