Landwirtschaft:Wie die Koalition am Schutz der Moore scheiterte

Creative Highlights World wieder vernaesstes Hochmoor, mit Wendelstein im Hintergrund, Deutschland, Bayern, Schliersee

Ein wieder vernässtes Hochmoor im bayerischen Voralpenland bei Schliersee. Die Moore in Deutschland speichern so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen.

(Foto: A. Hartl/imago images)

Weil sie so viele Klimagase verursachen, wollte die Regierung eine Strategie zum Schutz der Moore vorlegen. Daraus wurde nichts. Nun prescht das Umweltministerium alleine vor.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Wie wichtig die Moore sind, war Union und SPD schon 2018 klar. "Wir wollen eine Moorschutzstrategie erarbeiten", hielten sie damals im Koalitionsvertrag fest. Erste Maßnahmen sollten schon in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Doch aus dem "wir" ist mittlerweile das Umweltministerium geworden - eine gemeinsame Strategie ist kürzlich gescheitert. Das Landwirtschaftsministerium war dagegen.

Das Papier zum Schutz der Moore hat deshalb das Umweltministerium nun alleine vorgelegt. Das sei zwar keine Strategie dieser Koalition mehr, es sei aber eine gute Grundlage für die nächste, sagt Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth. "Ich bin mir sicher, dass wir das bald erledigt haben." Schließlich seien die Moore hierzulande "in einem erbärmlichen Zustand", sehr zum Leidwesen auch des Klimas. Tatsächlich gehen knapp sieben Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen auf das Konto entwässerter Moore. Mit ihren 1,8 Millionen Hektar machen sie zwar nur fünf Prozent der deutschen Landfläche aus - sie speichern aber so viel Kohlenstoff wie alle Wälder zusammen. Es sei denn, sie werden zum Zwecke der Landwirtschaft entwässert: Dann speichern sie keine Kohlenstoffe, sondern setzen Treibhausgase frei. Für die Landwirte dagegen sind die entwässerten Moore wertvolle Flächen, die sie meist als Grünland, oft aber auch als Acker nutzen. Häufig sorgen Entwässerungsgräben dafür, dass die Moore trockenfallen.

Die Landwirte sollen die Moore auf freiwilliger Basis wieder vernässen

Das soll sich zumindest zum Teil ändern. Um fünf Millionen Tonnen Treibhausgase - knapp ein Zehntel des gegenwärtigen Ausstoßes - sollen die Emissionen aus Mooren bis 2030 sinken; eine Vereinbarung von Bund und Ländern sieht ähnliches vor. Geschehen soll das aber vor allem auf freiwilliger Basis: Landwirte sollen für die Wiedervernässung entlohnt werden, oder für eine Bewirtschaftung, die Moore Moore sein lässt. "Es ist offenkundig, dass das nicht mit der Brechstange geht", sagt Flasbarth, "sondern nur mit Freiwilligkeit und Kooperation."

Doch die Bauern und ihre Ministerin Julia Klöckner (CDU) fürchten anderes. "Es darf keine Vertreibung von der eigenen Scholle im Namen des Klimaschutzes stattfinden", warnt der Bauernverband, ähnlich klingt Klöckner. Sie warnte im Onlineportal t-online, die SPD wolle die Bauern "durch die Hintertür um ihr Land bringen und enteignen". Was wiederum das Umweltministerium weit von sich weist. Sieht ganz so aus, als wären die Moore im Wahlkampf gelandet. Ganz unfreiwillig.

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