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Umweltschutz:Indianer-Stamm kämpft gegen die Ölwirtschaft

Die Standing Rock Sioux sind entschlossen - gegen die Ölindustrie zu gewinnen, dabei aber friedlich zu bleiben. Diese Schlacht solle ohne Blutvergießen gekämpft werden, betonen sie.

(Foto: AP)
  • Im Mittleren Westen der USA kämpft ein Indianer-Stamm mit Unterstützung aus Hollywood gegen eine Ölpipeline.
  • Die Standing Rock Sioux fürchten, dass die Röhre bei einem Leck in der Nähe ihres Reservats die einzige Trinkwasserquelle verseuchen könnte.
  • Inzwischen ist der Bau der Leitung zumindest zeitweise stillgelegt.

Mni Wiconi heißt "Wasser ist Leben" in der Sprache der Lakota. In der weiten Prärie des US-Bundesstaats North Dakota schreiben die amerikanischen Ureinwohner diese alten Wörter auf ihre Protest-Plakate. Einst grasten hier Tausende Büffel zwischen den Flüssen Missouri und Cannonball. Die Menschen schliefen in hellbeigen Tipis, und der berühmte Häuptling Sitting Bull kämpfte blutige Schlachten für die Rechte seines Volkes. Heute kämpfen die Standing Rock Sioux wieder eine Schlacht, eine Schlacht um ihr Wasser.

Ihr Gegner heißt Energy Transfer Partners. Das Unternehmen aus Texas will direkt nördlich des Reservats der Standing Rock Sioux eine Öl-Leitung bauen. Die Dakota Access Pipeline soll 1900 Kilometer lang werden. Wenn Dakota Access fertig ist, soll die Pipeline pro Tag rund 500 000 Fass Öl (etwa 80 Millionen Liter) transportieren. Es stammt aus dem Fracking-Ölfeld Bakken in North Dakota und soll von dort durch South Dakota und Iowa zu einer bereits vorhandenen Pipeline im Bundesstaat Illinois fließen. Von dort geht es weiter zu den Raffinerien in Texas. Pipelines seien die sicherste Art, Rohöl zu transportieren, sagen die Manager von Energy Transfer Partners, es müssten dann weniger Öl-Lastwagen über die Highways und weniger Züge voller Öl durch das Land fahren, die entgleisen können.

Ihre Röhre helfe außerdem dabei, die USA weniger abhängig von Ölimporten zu machen. Das sei das große Ziel der US-Regierung seit Jahrzehnten. Das Projekt kostet rund 3,7 Milliarden Dollar. Die Pipeline ist schon halb fertig, sie sollte Ende dieses Jahres in Betrieb gehen. Es gab zwar immer wieder Proteste und Klagen gegen die Röhre, zum Beispiel von Bauern in Iowa, die sich um ihr Trinkwasser sorgten. Aber bisher hatte niemand eine Chance gegen Energy Transfer Partners, der Bau ging weiter. Doch dann kamen die Indianer.

Susan Sarandon und Leonardo DiCaprio unterstützen den Protest

Seit April schon protestieren sie gegen den Abschnitt der Leitung, der nahe an ihrem Reservat unterhalb des Missouri River laufen soll. Erst waren sie ein kleines Grüppchen mit selbst gemalten Plakaten, das sich zu Gebetskreisen traf. Dann wurden sie immer mehr. Hunderte Indianer von anderen Stämmen reisten an, per Auto und auch per Pferd kamen sie aus dem ganzen Land. Umweltgruppen schlossen sich ihnen an. Hollywoodstars wie Susan Sarandon erklärten ihre Solidarität. Kürzlich schrieb der Schauspieler Leonardo DiCaprio bei Twitter: "Der Kampf der Standing Rock Sioux für einen Halt der Dakota Access Pipeline inspiriert mich."

Vor ein paar Wochen hat der Sheriff von Morton County den Bau vorerst gestoppt. Die Demonstranten seien ein Sicherheitsrisiko. Fast 30 von ihnen hat er schon verhaftet und wieder freigelassen, darunter auch den Häuptling der Standing Rock Sioux, Dave Archambault. "Die Unternehmen und die Regierung wissen jetzt, dass sie uns Stämme nicht ignorieren können, wie sie es mit der Dakota Access Pipeline versucht haben", sagt er. Die Indianer beschweren sich, dass sie bei der Genehmigung der Pipeline übergangen worden seien. Der Staat North Dakota und das United States Army Corps of Engineers, eine Armee-Einheit, die Bauingenieur-Leistungen für staatliche Auftraggeber erbringt, haben die Pipeline im Eilverfahren genehmigt und hätten die Indianer nicht ausreichend angehört. Gemeinsam mit der Gruppe Earth Justice haben die Indianer gegen das Projekt geklagt, spätestens am 9. September will ein Gericht in Washington über die umstrittene Pipeline entscheiden.

Die Ureinwohner fürchten vor allem Lecks in der Ölleitung

Der Missouri River ist die einzige Wasserquelle der Standing Rock Sioux. Sie befürchten, dass Lecks in der Pipeline ihr Trinkwasser verschmutzen. Energy Transfer Partners versichert, die Pipeline sei dicht und sicher. Doch die Indianer blicken nach Kanada, wo Ende Juli aus einer Pipeline Rohöl in den North Saskatchewan River floss. Der Indianerstamm James Smith Cree Nation fühlte sich alleingelassen mit dem verpesteten Trinkwasser, die Reinigungsarbeiten laufen langsam. Die leidtragenden sind immer die Ureinwohner, beschweren sich die Standing Rock Sioux. "Jedes Mal wenn es ein Projekt dieser Größenordnung gibt, von dem die Nation profitieren kann, entstehen Kosten", sagt Häuptling Archambault. "Und diese Kosten tragen die Ureinwohner-Stämme."

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Der Protest der Standing Rock Sioux wird immer lauter. Der Sheriff hat die Zufahrtsstraße zum Reservat gesperrt, Unterstützer müssen jetzt einen Umweg nehmen, trotzdem kommen jeden Tag neue an und schlagen ihre Zelte auf. Die Indianer haben bereits einen offenen Brief an Präsident Barack Obama geschrieben. Im Internet kann man sich an einer Petition beteiligen, mehr als 100 000 Unterschriften haben sie schon gesammelt. Eine Gruppe junger Stammesmitglieder ist im Schichtdienst von dem Reservat bis nach Washington gelaufen, 3200 Kilometer lang war ihr Protestmarsch. Der Stamm sammelt auch Spenden für die Kosten der Rechtsstreitereien und die Verwaltung des Camps. Es gibt sogar eine eigene Radiostation, Spirit Resistance Radio.

Es soll friedlich bleiben, diese Schlacht soll ohne Blutvergießen gekämpft werden, betonen die Standing Rock Sioux. "Wir müssen zusammenhalten in Frieden und im Gebet", sagt Archambault. "So sorgen wir für ein besseres Leben für kommende Generationen."

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