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Umweltproteste:Auch in Bankenkreisen wundert man sich über den Einstieg der Bayern LB

Die norwegische Bank DNB überlegt bereits, wieder aus dem Projekt auszusteigen. "Die Bank wird die Initiative ergreifen und ihre Position nutzen, um einen konstruktiveren Prozess zu entwickeln, um eine Lösung für den Konflikt zu finden", teilten die Norweger mit. Wenn dies keinen Fortschritt bringt, wollten sie prüfen, ob sie die Finanzierung zurückziehen. Die Sami, die Urbevölkerung im europäischen Norden, unterstützen die Sioux bei ihrem Kampf gegen die Black Snake. Der norwegische Staat ist mit 34 Prozent der größte Aktionär der DNB.

Ein ähnliches Statement wie von der DNB würde sich Regine Richter von der Umweltgruppe Urgewald, die Kreditvergaben deutscher Banken und Versicherungen beobachtet, auch von der Bayern LB wünschen. Die Bank sandte den Aktivisten und der Süddeutschen Zeitung das gleiche Statement zu: "Die Bayern LB beobachtet sehr aufmerksam die laufenden Diskussionen über den Verlauf der Route der Dakota Access Pipeline und unterstützt als Teil des Konsortium im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen einvernehmlichen Ausgang der Gespräche zwischen den beteiligten Parteien." Die Bank erwarte, dass in der noch laufenden Prüfung des Projekts durch die US-Behörden die Ansprüche aller Beteiligten, insbesondere auch der Ureinwohner, angemessen berücksichtigt werden.

"Ziemlich dürftig", urteilt Richter von Urgewald, die sich wundert, dass die Bayern LB vor der Kreditvergabe nicht genauer geprüft hat, ob die Black Snake einen Kredit aus München verdient. Die Bank hätte schließlich nur googeln müssen, um Informationen über den Konflikt zu finden. Das Protestcamp in North Dakota gibt es bereits seit April, die Banken hätten den Projekt-Kredit erst Anfang August vergeben, sagt Richter: "Da scheint die Prüfung nicht sehr intensiv gewesen zu sein. Oder die Bank hat sich einlullen lassen von den Angaben der Projektgesellschaft oder den Konsortialführern, dass die Konflikte lösbar sind."

Das Unternehmen sagt, man halte sich an soziale und umweltbezogene Kriterien

Auch in Bankenkreisen wundern sich einige, wieso die Münchner in die Finanzierung des umstrittenen Projekts eingestiegen sind. Die Bayern LB finanziert in den USA etliche Infrastrukturprojekte, vor allem Windparks. Nach der Finanz- und Immobilienkrise und diversen Zockereien, die die Landesbank in Schwierigkeiten gebracht hatten, hat sie ihr Amerikageschäft umgebaut und sich auf Kunden mit Deutschlandbezug ausgerichtet, entweder deutsche Unternehmen, die in den USA aktiv sind, oder amerikanische Unternehmen, die die Bayern LB schon aus Deutschland kennt.

Wer der Kunde mit Deutschlandbezug ist, der die Black Snake bauen will, wollte die Bank mit Verweis auf das Bankgeheimnis nicht sagen. Die Bayern LB berücksichtige bei der Finanzierung von Energie- und Infrastrukturprojekten neben ökonomischen und rechtlichen auch strenge soziale und umweltbezogene Kriterien und orientiere sich an externen Vorgaben wie den Weltbank-Standards, sagte ein Sprecher.

© SZ vom 01.12.2016
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