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BP: Chef Hayward zum Rapport:Sieben Milliarden Liter Öl in den Golf von Mexiko?

Blanker Horror in Zahlen: Vor dem US-Kongress referiert BP-Chef Hayward das mögliche Ausmaß der Öl-Katastrophe. Womöglich wird der Entschädigungsfonds nicht lange reichen.

Was für eine Menge, was für eine Summe: Die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko nimmt immer größere Ausmaße an - und es könnte alles noch viel schlimmer werden.

BP setzt Behälter über Ölleck - Ölpest geht weiter

Ölpest und kein Ende: BP steht seit Wochen in der Kritk, weil das britische Unternehmen die Katastrophe nicht in den Griff bekommt.

(Foto: dpa)

Sieben Milliarden Liter Öl sollen sich in der Quelle unter dem beschädigten Bohrloch befinden, schätzt BP-Chef Tony Hayward. Er nannte diese Zahl jetzt vor dem Ausschuss des US-Kongresses, der ihn zum Rapport zitiert hatte. Damit würde die Quelle noch immer 94 bis 97 Prozent ihres Öl enthalten. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der das Öl derzeit austritt, würde es zwei bis vier Jahre dauern, bis die Gesamtmenge ins Meer geflossen ist.

Fonds reicht wohl nicht aus

BP-Chef Hayward, der Verantwortliche, der sich andauernd entschuldigt und 20 Milliarden Dollar in einer Fonds zahlen will, machte vor dem Kongress das apokalyptische Ausmaß des Öl-Fiaskos im Golf von Mexiko klar.

Der US-Bundesstaat Louisiana hat schon einmal durchgerechnet, wie viel die Umwelt- und Wirtschaftsschäden durch die Ölpest am Ende kosten könnte. Von 40 bis 100 Milliarden Dollar ist derzeit die Rede. Der geplante Entschädigungsfonds sei zwar ein Anfang, sein Volumen von 20 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro) reiche aber vermutlich nicht aus, sagte Louisianas Schatzmeister John Kennedy.

Der britische Energiekonzern hatte am Mittwoch auf Druck der US-Regierung zugestimmt, diese Summe in den Fonds einzuzahlen, mit dem unter anderem Aufräumarbeiten finanziert werden sollen.

Die BP-Schreckensnachrichten haben auch Konsequenzen für die Kreditwürdigkeit des Ölkonzerns. Als letzte der großen Ratingagenturen hat nun auch Standard & Poor's die Noten für BPs Kreditwürdigkeit gesenkt. S&P begründete die Entscheidung mit den "Herausforderungen und Ungewissheiten", vor denen BP wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko stehe. Die Ratingagentur stufte BP von AA- auf A ab.

Erst am Dienstag hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens um sechs Stufen auf BBB abgesenkt. Auch Moody's setzte die Note des Ölkonzerns herab.

Chef im Kreuzverhör

Nach dem rund sechsstündigen Kreuzverhör im Kongress ebbt die Kritik an BP-Chef Tony Hayward nicht ab. Der Brite habe in der mit Spannung erwarteten Anhörung am Donnerstag in Washington die ganze Zeit "gemauert", sagte der Vorsitzende des Energieausschusses Henry Waxman. Der Manager habe nicht eine Frage richtig beantworten wollen und klare Detailangaben zu den Auslösern der Katastrophe vermieden, sagte der demokratische Abgeordnete. "Bei allem Respekt, ich glaube, Sie wollen sich aus der Affäre ziehen, Mr. Hayward", konstatierte der Republikaner Phil Gingrey während der Sitzung.

Der BP-Vorstandsvorsitzende betonte mehrfach, es sei zu früh, um aus dem Sinken der Bohrinsel Deepwater Horizon vor acht Wochen Schlussfolgerungen zu ziehen, da die Untersuchungen des Vorfalls noch nicht abgeschlossen seien. Er könne keine Auskünfte darüber machen, was auf der Plattform vor dem Unfall passierte, weil er damals an den Entscheidungen nicht beteiligt gewesen sei. Es gebe jedoch keine Beweise, dass BP leichtsinnig gehandelt habe, sagte der Top-Manager.

Es war Haywards erster Auftritt vor dem Kongress seit Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko. Er nutze ihn, um sich zu entschuldigen. "Ich war persönlich absolut erschüttert", sagte er. Die Sicherheit bei Tiefseebohrungen müsste deutlich verbessert werden. "Ich kann nicht abstreiten, dass es noch viel zu tun gibt."

Mitglieder im Ausschuss des Repräsentantenhauses warfen Hayward in scharfen Worten vor, Berichte über Sicherheitsprobleme auf der Bohrinsel ignoriert zu haben. Außerdem habe BP falsche Angaben über das Ausmaß des Ölaustritts ins Wasser gemacht. Für öffentliche Empörung sorgte der republikanische Abgeordnete Joe Barton, als er sich bei Hayward für die "Politisierung der Krise" entschuldigte. Er sei "beschämt" darüber gewesen, wie US-Präsident Barack Obama die BP-Führungsriege am Vortag zu einem Treffen zitiert hätte, sagte der Republikaner. Nach massiver Kritik aus dem Weißen Haus nahm Barton seine Aussage zurück.

Zeitgleich zu der Anhörung vermeldete BP Fortschritte beim Kampf gegen die Ölpest. Die beiden Entlastungsbohrungen, mit denen das Austreten des Öls vermutlich im August gestoppt werden kann, kämen schneller voran als gedacht. Die erste Bohrung könne bereits in drei bis vier Wochen abgeschlossen sein, sagte der Küstenwachen-Admiral Thad Allen. Dann könne der Konzern beginnen, Schlamm in die Quelle zu leiten, um sie zu verschließen. Allerdings sei die Operation sehr schwierig.

Die Bohrinsel Deepwater Horizon war am 20. April explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen täglich bis zu 60.000 Barrel Öl aus dem lecken Bohrloch in 1500 Metern Tiefe, das entspricht etwa 9,5 Millionen Liter.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/AP/mel/hgn

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