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Umweltbewusstsein in Deutschland:Umweltschutz ja - vor allem im Kopf

Windpark

Ökostrom: Erheblich mehr Bezieher

(Foto: dpa)

Was beschäftigt die Deutschen, wenn sie über die großen Dinge nachdenken? Die Finanzkrise? Ihre Arbeitsplätze? Das Umweltministerium hat eine Antwort: der Umweltschutz. Allerdings schlägt sich das drastisch gestiegene Umweltbewusstsein nicht unbedingt im Handeln der Bundesbürger nieder.

Es ist immer etwas unübersichtlich, was in der Umwelt so vor sich geht. Mal sterben die Flüsse, dann die Seen. Und der deutsche Wald sowieso. Solche Themen kochen hoch - und dann hört man länger kaum etwas mehr darüber. Dafür rücken dann andere Bereiche in den Vordergrund - derzeit dreht sich alles ums Klima.

Vielleicht gerade weil der Umweltschutz mit immer neuen Themen wichtig wird, nimmt er im Bewusstsein der Bundesbürger breiten Raum ein. Denn zumindest das steht fest: Die Deutschen haben eine ausgeprägtes Interesse am Umweltschutz. Das ergab eine Umfrage, die im Rahmen der Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2012" durchgeführt wurde. Sie wird gemeinsam von Umweltministerium und Umweltbundesamt herausgegeben.

Dafür sollten die Befragten sagen, was aus ihrer Sicht die wichtigsten Probleme der Bundesrepublik sind. Zwar nannten dabei die meisten - 36 Prozent der Befragten - Themen, die ins Aufgabenfeld der Wirtschafts- und Finanzpolitik fielen, aber fast genauso viele, 35 Prozent, sahen Probleme beim Schutz der Umwelt als besonders vordringlich an. Mit größeren Abständen folgten dann die Gebiete Arbeitsmarkt (29 Prozent), soziale Sicherung (22 Prozent) und die Rentenpolitik (12 Prozent).

Überraschend dabei ist, dass binnen zweier Jahre der Umweltschutz massiv in den Vordergrund gerückt ist: Bei der Umfrage 2010 lag der Arbeitsmarkt mit 51 Prozent ganz vorne. Erst mit großem Abstand folgten dann Wirtschafts- und Finanzpolitik (24 Prozent) und der Umweltschutz (20 Prozent).

Erheblich mehr Bezieher von Ökostrom

Leben die Menschen den Umweltgedanken auch im Alltag? Einerseits zeigt die Untersuchung in einigen Bereichen große Fortschritte - wobei die Studie, für die im Sommer 2012 rund 2000 Personen befragt wurden, nicht das tatsächliche Verhalten der Bürger misst, sondern nur deren Selbsteinschätzung. So gaben 20 Prozent an, Ökostrom zu beziehen. 2010 waren es lediglich acht Prozent gewesen. Zwölf Prozent der Befragten investierten Geld in die Branche der erneuerbaren Energien - das entspricht sogar einer Verdreifachung in nur zwei Jahren. Und immerhin neun Prozent kompensieren freiwillig selbst verursachte Klimagase, beispielsweise im Verkehr, erklärte das Ministerium. Dies bedeutet ebenfalls eine Verdreifachung.

Andererseits sank die Bereitschaft, energieeffizientere Geräte zu kaufen, von 65 auf 52 Prozent der Befragten. Zurückgegangen ist auch die Bereitschaft, durch Abschalten nicht benötigter Geräte und Lichtquellen im Haushalt Energie zu sparen. Das machen statt 83 nur noch 74 Prozent.

"Die Umsetzung des Umweltbewusstseins im Alltag fällt den Bürgerinnen und Bürgern offenbar nicht immer leicht", stellt dazu das Umweltministerium lakonisch fest. Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, betonte aber auch: "Es gibt viele Länder, die uns dafür beneiden, dass es in Deutschland ein so hohes Umweltbewusstsein gibt".

Übrigens: Anfang der neunziger Jahre war das Umweltbewusstsein der Deutschen noch viel größer. 1990 etwa sahen nicht nur wie jetzt 35 Prozent der Befragten Umweltprobleme als besonders vordringlich an, sondern es waren "bei allen methodischen Vorbehalten" sogar 60 Prozent.