Umstrittenes Pestizid Glyphosat Der Einsatz könnte noch steigen

Der US-Agrarökonom Charles Benbrook befürchtet, dass sich der Glyphosat-Einsatz in Europa durch die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen bis 2025 insgesamt verdoppeln könnte. Er ist Autor der Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. Grundlage für seine Berechnungen sind Erfahrungen von Farmern aus den USA. Dort sind gentechnisch veränderte Mais-, Soja- und Zuckerrübensorten seit Jahren weit verbreitet. Laut Benbrook nahm mit der Anbaufläche auch der Einsatz von Glyphosat stark zu. Und der hohe Verbrauch hat eine bedenkliche Nebenwirkung: Das Spritzmittel zeigt bei der Unkrautbekämpfung kaum noch Wirkung - mit dem Ergebnis, dass die Erzeuger noch mehr von dem Pflanzengift einsetzen.

Auch ohne Gentechnik ist Glyphosat schon heute das am häufigsten eingesetzte Pflanzengift auf deutschen Feldern. Auf 40 Prozent der Ackerflächen kommt es mindestens einmal im Jahr zum Einsatz. Das geht aus einer Untersuchung der Universität Göttingen hervor. Besonders hoch ist der Einsatz bei Winterraps, hier werden 87 Prozent der Fläche behandelt. Bei Wintergerste liegt der Anteil bei 66 Prozent, gefolgt von Sommergetreide mit 42 Prozent. Gespritzt wird vor der Aussaat oder nach der Ernte. Genutzt wird das Mittel außerdem kurz vor der Ernte, um Getreide schneller reifen zu lassen.

Obwohl die Kritik am massiven Einsatz des Pflanzengifts bei Verbraucher- und Umweltschützern wächst, sehen die zuständigen Behörden keinen Anlass einzugreifen.

Umstritten ist dabei unter anderem die Festlegung von Grenzwerten. Eigentlich hätte in diesem Jahr eine neue Risikoüberprüfung von Glyphosat auf EU-Ebene angestanden, doch die wurde auf 2015 vertagt. Europaweit zuständig ist dafür die deutsche Bundesanstalt für Risikoforschung (BfR). "Glyphosat ist einer der am besten untersuchten Pflanzenschutzmittelwirkstoffe. Wenn die Grenzwerte eingehalten werden, dann sind schädliche Wirkungen beim Menschen überhaupt nicht zu erwarten", heißt es dort.