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Umstrittenes Investment:Goldman Sachs streicht Prostitution aus dem Portfolio

Die US-Großbank hat ihre Anteile am Verlag Village Voice Media verkauft. Über dessen Internetseite Backpage.com sollen angeblich Menschenhandel und Prostitution gefördert werden. Goldman Sachs reagiert damit auf das Bekanntwerden des brisanten Investments.

Manche Investments sind sogar Goldman Sachs zu heikel. GS Capital Partners III, ein von der US-Großbank betriebener Private-Equity-Fonds, hat daher seinen 16-Prozent-Anteil an Village Voice Media abgestoßen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der Verlag mit Hauptsitz in Arizona betreibt neben der New Yorker Stadtzeitung The Village Voice auch die Hompage Backpage.com.

Eigentlich ist die Seite ein Portal für Kleinanzeigen, vom Autoverkauf bis zur Sie-sucht-Ihn-Sparte. Doch der prominente Kolumnist der New York Times, Nicholas D. Kristof, wirft Village Voice Media vor, auf der Internetseite Menschenhandel und Prostitution zu fördern - auch von Minderjährigen. Backpage.com verfügt nach Zahlen der Handelsorganisation AIM Group über 70 Prozent der Marktanteile bei Anzeigen für Prostitution.

Der Verlag weist die Kritik zurück: Man arbeite eng mit den Behörden zusammen und überwache die Anzeigen, um illegale Aktivitäten zu verhindern. Man plane daher auch nicht, das Anzeigengeschäft bei Backpage.com einzustellen.

Dass Goldman seine Anteile nun verkauft, ist auch als Reaktion auf die Veröffentlichung der lange Zeit unklaren Beteiligunsverhältnisse bei Village Voice Media durch Kristof zu sehen. Demnach habe Goldman bereits im Jahr 2000 in den Verlag investiert, damals gehörte die umstrittene Homepage noch nicht zum Unternehmen.

Goldman Sachs habe keinen Einfluss auf die Tätigkeiten des Verlags gehabt, versicherte eine Unternehmenssprecherin dem NYT-Kolumnisten. Der Fonds habe im März Verkaufsgespräche mit dem Verlag aufgenommen, Bedenken bezüglich der Entwicklung des Unternehmens seien aber schon 2010 aufgetaucht. 30 Millionen Dollar habe Goldman in Village Voice Media investiert, auf den "weitaus größten Teil" des Geldes müsse man nun verzichten.