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Umstrittener Verkauf von Adidas-Anteilen:Tapies Millionen, schockgefrostet

Bernard Tapie am 1. Juli in einem Fernsehstudio

(Foto: AFP)

Er war Sänger, Minister, Fußballklub-Besitzer - und kurzzeitig in Polizeigewahrsam. Nun friert Frankreich einen Teil des Vermögens von Geschäftsmann Bernard Tapie ein, der einst Olympique Marseille besaß. Es geht um mutmaßlichen bandenmäßigen Betrug beim Verkauf von Adidas-Anteilen.

Er stammt nicht gerade aus wohlhabenden Verhältnissen, seine Mutter war Krankenschwester, sein Vater Heizungsmonteur. Und doch hat es Bernard Tapie, 70, weit gebracht. In seinem schillernden Leben war er Sänger, Fußballklub-Besitzer, Schauspieler, Minister und Adidas-Eigentümer, er liebt Möbel und Kunst. Und er hat ein Vermögen angehäuft.

Nun ist er eine der zentralen Figuren in einer Affäre um staatliche Millionenentschädigungen. Es ist bereits ein Anklageverfahren wegen bandenmäßigen Betrugs eingeleitet worden. Bei einer viertägigen Vernehmung konnte er vor zwei Wochen die Verdachtsmomente gegen ihn nicht ausräumen. Ihm droht nun gemeinsam mit weiteren Beteiligten ein Prozess. Für die Vernehmung musste Tapie sogar vier Tage in Polizeigewahrsam verbringen

Jetzt hat die französische Justiz auch noch einen Teil seines Vermögens eingefroren. Justizkreise in Paris bestätigten einen Bericht von Le Monde. Betroffen seien unter anderem zwei Lebensversicherungen mit einem geschätzten Wert von knapp 21 Millionen Euro, Tapies Anteile an einem Pariser Stadtpalais im Wert von knapp 70 Millionen Euro sowie eine große Villa im südfranzösischen Nobelort Saint-Tropez, die Tapie 2007 für 48 Millionen Euro gekauft hatte.

Hintergrund ist eine staatliche Entschädigungszahlung an Tapie in Höhe von insgesamt rund 400 Millionen Euro im Jahr 2008, die er nach einem umstrittenen Schiedsverfahren erhielt. Tapie hatte sich von der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais beim Verkauf seiner Adidas-Anteile geprellt gesehen und deswegen geklagt. Nach Ansicht der Ermittler beruhte der Schiedsspruch aber auf einem organisierten Betrug. Der frühere Präsident des Fußballklubs Olympique Marseille und alle anderen Beteiligten bestreiten die Vorwürfe. Die ganze Ermittlungsakte enthalte keinen vernünftigen Hinweis darauf, dass der Schiedsspruch durch einen Betrug zustande gekommen sei, kritisierte Tapies Anwalt. Man blicke dem Verfahren gelassen entgegen.

Den Schiedsspruch hatte die damalige französische Finanzministerin und heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, angeordnet und unterstützt, weshalb sie ebenfalls im Visier der Justiz steht. Der Fall könnte auch auf den damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy zurückfallen. Es besteht der Verdacht, dass Tapie die hohe Summe auch deshalb erhielt, weil er Sarkozys Wahlkampf 2007 unterstützte.