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Umstrittene Erdgasförderung:Bundesregierung einigt sich auf Regeln für "Fracking"

Bundesregierung will Gas-Förderung rasch regeln

Vielleicht bald auch in Deutschland: Eine "Fracking"-Anlage in  Tunkhannock, Pennsylvania. 

(Foto: dpa)

Im deutschen Untergrund liegen große Mengen Erdgas, nur fördern lässt sich die Ressource nicht so leicht. Jetzt haben sich Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Altmaier auf Vorgaben für das sogenannte Fracking geeinigt. Besonders für Wasserschutzgebiete sollen strenge Regeln gelten.

Der Schatz ist verlockend, aber gut verborgen. Bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas könnten im deutschen Untergrund lagern, genug für 30 Jahre Gasautarkie. "Gemessen am bundesdeutschen Jahreserdgasverbrauch von rund 86 Milliarden Kubikmetern ist diese Energieressource als sehr bedeutsam einzustufen", heißt es in einer Regierungsunterlage.

Nötig sei "eine detaillierte Analyse der Umweltauswirkungen"

Nur fördern lässt sich die schöne Ressource nicht so leicht. Gestein will gesprengt werden; großer Druck, Sand, Chemie müssen nachhelfen - nur mit dem so genannten "hydraulic fracturing", kurz "Fracking", lässt sich der fossile Schatz bergen. Vorausgesetzt, die Behörden erlauben es.

Das könnte in Zukunft noch erheblich schwieriger werden als bislang. Am Montag verständigten sich Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) auf Vorschläge für eine neue Regelung. Danach müssen Investoren künftig sowohl für die Aufsuchung von Lagerstätten als auch für die eigentliche Förderung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorweisen.

Nötig sei "eine detaillierte Analyse der vorhabenspezifischen Umweltauswirkungen", heißt es in dem Entwurf, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Nur dieses Verfahren stelle sicher, "dass sämtliche Belange des Umweltschutzes sorgfältig und strukturiert beurteilt werden können" Auch für die Aufsuchung von Erdwärme in mehr als 1000 Metern Tiefe würde dem Vorschlag zufolge künftig eine solche Prüfung fällig.

Bürgerinitiativen protestieren gegen Förderstätten

Die Neuregelung könnte eine lange Unsicherheit beenden - auch bei den Förderfirmen. Bis dato müssen Fracking-Projekte nur dem vergleichsweise laxen Bergrecht genügen. Zugleich haben sich aber überall in Deutschland Bürgerinitiativen gegründet, die gegen die Aufsuchung neuer Förderstätten protestieren.

Sie befürchten vor allem eine Beeinträchtigung des Grundwassers durch den Chemikalien-Cocktail, der beim Fracking genutzt wird. Ein Teil der Chemie bleibt zwangsläufig im Boden - mit unklaren Spätfolgen. Das räumt auch der Entwurf der beiden Minister ein. Selbst der rückfließende Flowback könne "im Einzelfall ein Risiko für die Wassergewinnung darstellen", heißt es dort.

Die Regeln für Wasserschutzgebiete gehen deshalb noch wesentlich weiter: Dort sollen Tiefbohrungen, bei denen Gestein auf der Suche nach fossilen Energien aufgebrochen wird, komplett verboten werden. Damit wäre ein Siebtel der Landesfläche für die neue Fördermethode tabu. Darüber hinaus räumt die Regelung den Behörden einigen Ermessensspielraum ein.