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Umfrage zur Euro-Krise:Manager schreiben Griechenland ab

Die Wirtschaftseliten in Europa glauben, dass der angeschlagene Staat die Euro-Zone verlässt. Das ergibt eine Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger. Die meisten Chefs rechnen auch damit, dass ihr Heimatland in diesem Jahr in eine Rezession rutscht. Die Stimmung in den Betrieben ist so schlecht wie nach der Lehman-Pleite.

Angela Merkel kann noch so viele Treueschwüre für Griechenland leisten - die Wirtschaftseliten in Europa haben den Schuldenstaat abgeschrieben: Die Unternehmensberatung Roland Berger fragte im Juni und Juli 5000 Vorstände und Geschäftsführer auf dem Kontinent und in Japan nach ihrer Einschätzung; 600 haben geantwortet, und 61 Prozent der europäischen Teilnehmer erwarten, dass die Griechen die Euro-Zone verlassen werden.

Am pessimistischsten sind die Führungskräfte in anderen Krisenländern im Süden, in Portugal, Spanien und Italien. Dort glauben das sogar 76 Prozent der Manager. Griechen wurden nicht befragt für die Studie, die der Süddeutschen Zeitung vorab vorliegt.

Die meisten Chefs rechnen auch damit, dass ihr Heimatland in diesem Jahr in eine Rezession rutscht, also die Wirtschaftsleistung mehrere Quartale in Folge schrumpft. "Die Unternehmen machen sich große Sorgen", sagt Max Falckenberg, einer der zwei Autoren der Studie. Der Pessimismus sei umso bemerkenswerter, bedenke man, dass sich die Manager in den Vorjahren meist zuversichtlicher geäußert hätten als etwa Wirtschaftsforscher, ergänzt Mitverfasser Jakob Rüden.

Die Ergebnisse der Berater passen zu Resultaten anderer Umfragen. So sinkt seit vier Monaten der Konjunkturindex des Münchner Ifo-Instituts. Auch der Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung fällt seit Mai. Dieses Konjunkturbarometer spiegelt die Erwartungen von etwa 300 Finanzmarktprofis für Deutschlands Wirtschaft wider. Bei der Berger-Umfrage schätzen fünf von sechs Managern, dass das Schlimmste in der Staatsschuldenkrise noch bevorsteht. Das Ende der Einheitswährung erwarten allerdings nur 29 Prozent der europäischen Teilnehmer.

In Japan hingegen glaubt die Mehrheit, dass die Euro-Zone zerbröselt. "Außerhalb von Europa sind die Manager noch mal deutlich skeptischer", sagt Falckenberg. Jede dritte Firma in Europa bereitet sich bereits auf einen Zerfall der Euro-Zone vor: Die Unternehmen passen vorsorglich Verträge an, sodass sie in einer Nach-Euro-Zeit wirksam sind, oder sie fahren ihre Geschäfte in den Krisenstaaten herunter.

Ein Problem in Portugal, Italien und Spanien ist, dass vielen Firmen wegen des Abschwungs das Geld ausgeht und Banken zu wenig Kapital haben, um mit Darlehen einzuspringen. 41 Prozent der Manager dort bewerten die Liquidität ihrer Betriebe als kritisch. "Das ist ein dramatisch hoher Wert, vergleichbar nur mit der Krise nach dem Lehman-Crash", sagt Falckenberg. Die Zahl der Insolvenzen werde steigen.

Aber der Rest Europas sollte sich ebenfalls auf einen harten Abschwung einstellen, raten die Fachleute: "Unternehmen müssen sich auf sinkende Umsätze vorbereiten. Sie müssen sich fragen, ob sie die Kosten im gleichen Umfang senken können", sagt Co-Autor Rüden.

© SZ vom 03.09.2012/bero

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