Energiekosten:Der Waschlappen wirkt

Energiekosten: Wer braucht schon ein Bad in der Wanne, wenn es auch "brauchbare Erfindungen" wie den Waschlappen gibt?

Wer braucht schon ein Bad in der Wanne, wenn es auch "brauchbare Erfindungen" wie den Waschlappen gibt?

(Foto: Annette Riedl/picture alliance/dpa)

Die Deutschen verändern wegen der hohen Inflation ihr Einkaufsverhalten - und sie duschen weniger. Die Italiener gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Von Jakob Arnold

Hahn auf und genießen. Unter der Dusche entspannen viele Menschen nach einem anstrengenden Arbeitstag. Und trällern nebenbei noch ein Liedchen. Doch für immer mehr Deutsche ist schon nach dem Refrain Schluss. Um Geld zu sparen, duschen sie kürzer. Das ergeben die Daten der Marktforscher der GfK.

In einer aktuellen Untersuchung haben sie in 15 europäischen Ländern ermittelt, ob und wie die Menschen ihre Ausgaben reduzieren. 93 Prozent der Europäer haben ihr Einkaufsverhalten verändert, um das Haushaltsbudget zu schonen. In Deutschland sind es 89 Prozent. Auffällig ist aber, wie unterschiedlich in den verschiedenen Ländern gespart wird.

Während die Österreicher jetzt häufiger selbst zum Kochlöffel greifen und auf den Besuch im Restaurant verzichten, ist des Deutschen oberste Sparmaßnahme der Umstieg auf Eigenmarken im Supermarkt. Jeder Zweite greift häufiger zum günstigen Shampoo, das die Einzelhändler meist ins unterste Regal verbannt haben. Zusätzlich kommt es immer seltener zum Einsatz, denn 47 Prozent der Deutschen geben an, kürzer oder weniger zu duschen oder zu baden als vor dem Preisanstieg der Energiekosten.

Tipps von ganz oben

Das dürfte viele Politiker freuen, denn sie waren in den vergangenen Monaten mit Energie-Spartipps nicht gerade sparsam. So rief Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) im Sommer 2022 dazu auf, alte Duschköpfe gegen wassersparende Modelle auszutauschen. Mit Aussagen wie "Wir können Putin eins auswischen" motivierte der Minister Liebhaber der Regenwalddusche. Einen Schritt weiter ging der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (ebenfalls Grüne), der in einem Interview den Waschlappen als "brauchbare Erfindung" empfahl. In wie vielen Haushalten der Waschlappen tatsächlich eine Renaissance erlebt hat, hat die GfK bislang nicht ermittelt.

Übertreiben sollten Sparfüchse diese Methode ihren Mitmenschen zuliebe sicher nicht, doch in Maßen könnte der Trend zum Sparen sogar gesundheitsförderlich sein. Dermatologen verweisen regelmäßig auf den Säureschutzmantel der Haut, den zu häufiges Duschen und Einseifen zerstöre. Die Deutschen wollen aber nicht nur beim Duschen sparen, fast die Hälfte sagt, dass sie weniger alkoholische Getränke, Süßigkeiten und Fleischprodukte kaufen wollen, um die Geldbörse zu schonen. Auch diese Maßnahmen fördern durchaus die Gesundheit.

Auch in den europäischen Nachbarstaaten haben die Menschen der GfK zufolge kreative Ideen gegen die steigenden Preise entwickelt. Die Schweden setzen beispielsweise auf Rabattaktionen. In anderen Ländern nutzen die Menschen seltener ihre Haushaltsgeräte, um Strom zu sparen. Was bei Toaster, Föhn und Heizkissen noch leicht zu verkraften sein mag, heben die Italiener aufs nächste Level. 15 Prozent von ihnen haben ihre Waschmaschine in den vergangenen Monaten seltener verwendet. Das ist europäischer Spitzenwert. Ob sie die Waschmaschine nun immer bis zum Anschlag füllen oder ihre Kleidung einfach länger tragen, ist nicht bekannt. Letzteres sollten sich die ungeduschten Deutschen aber besser nicht zum Vorbild nehmen.

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