Umfrage:Deutsche sind urlaubsreif

Lesezeit: 2 min

Sunset Beach

Sonne, Strand und Meer - danach sehnen sich momentan viele Deutsche. Die pandemiegeplagte Reisebranche hofft auf ein erfolgreiches Jahr.

(Foto: mauritius)

Mehr als jeder zweite Bundesbürger will 2022 trotz Corona verreisen - allerdings wollen viele in Deutschland bleiben.

Die Reiselust der Deutschen ist im dritten Pandemiejahr sprunghaft gestiegen. "Bereits jetzt ist sich mehr als jeder zweite Deutsche sicher, dieses Jahr in den Urlaub zu fahren", berichtete die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen. Das sind 27 Prozent mehr als noch vor zwölf Monaten. Die Stiftung ließ für ihre jüngste Tourismusanalyse nach eigenen Angaben im Dezember und Januar mehr als 3000 Menschen über 18 Jahren zu ihren Reisen im vergangenen Jahr und ihren Urlaubsplänen für 2022 befragen.

"Die Bürger sind corona-müde und wollen nicht mehr rund um die Uhr mit der Pandemie konfrontiert werden. Sie sehnen sich nach Sonne, Strand und Meer, wollen wieder unterwegs sein und dabei möglichst die Unsicherheit daheimlassen", sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. "Die Chancen hierfür stehen gut und mit einer hohen Impfquote und weniger Infektionen werden auch Reisewarnungen und Einschränkungen zurückgehen."

Nach einer Umfrage der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) ist die Reiselust der Menschen zwar so groß wie seit Langem nicht. Allerdings dürfte die Nachfrage wegen der Unwägbarkeiten der Pandemie auch im laufenden Jahr geringer ausfallen als in der Vor-Corona-Zeit, hieß es der Mitte Januar veröffentlichten Analyse. Die Autoren gehen davon aus, dass die Menschen hierzulande etwa 60 Millionen Urlaubsreisen machen werden. Das wären etwa zehn Millionen mehr als im vergangenen Tourismusjahr.

Die Stimmung in den deutschen Reisebüros ist momentan so hoffnungsvoll wie seit Jahren nicht mehr. Laut dem aktuellen touristischen Vertriebsklimaindex der Münchner Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner, eines vom Ifo-Index inspirierten Pulsmessers für die Reisebranche, erwarten fast 80 Prozent eine steigende Nachfrage nach Reiseleistungen in den nächsten sechs Monaten. Im Januar waren es nur 50 Prozent. Dass sie sinken wird, erwarten nur noch drei Prozent (zuvor 15,6 Prozent). Fast drei Viertel der Befragten gaben zudem an, dass sie in den letzten zwei bis drei Monaten mehr Reiseleistungen verkauft haben als im Vergleichszeitraum vor einem Jahr.

Anwachsende Buchungszahlen berichtete jüngst auch der hochverschuldete Reiseveranstalter Tui. "Wir sehen eine steigende Nachfrage, immer mehr Regierungen heben Beschränkungen auf", sagte Konzernchef Fritz Joussen.

Die großen Flughäfen setzen darauf, dass ihr Geschäft zu Ostern deutlich anziehen wird. "Es gibt eine große aufgestaute Nachfrage nach Urlaubsreisen. Die in vielen Ländern beschlossenen Lockerungen der Corona-Auflagen stimmen uns hoffnungsfroh", sagte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. Aktuell ist von einer Wiederbelebung aber noch nicht viel zu spüren, denn in der fünften Kalenderwoche (31. Januar bis 6. Februar) nutzten nur 1,26 Millionen Menschen die größeren Flughäfen in Deutschland. Das waren 33,9 Prozent des Aufkommens aus dem Vorkrisenjahr 2019.

Ein knappes Drittel der Befragten zieht es der Analyse der Stiftung für Zukunftsfragen zufolge in diesem Jahr ohnehin zu Zielen zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen. Innerhalb Europas steht traditionell Urlaub rund um das Mittelmeer auf der Wunschliste, allen voran Spanien und Italien, aber auch Griechenland, Frankreich oder die Türkei. Leichte Zuwächse werden bei Fernreisen erwartet, die besonders unter den coronabedingten Reisebeschränkungen gelitten haben.

Zur SZ-Startseite