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Umbau bei der Deutschen Bank:Wenn der Kunde zur Last wird

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Immer seltener kommen Kunden für ihre Geldgeschäfte noch in die Filiale - und wenn, ist weniger an ihnen verdient. Das geht auch der Deutschen Bank so.

(Foto: Getty Images)
  • Die großen Geschäftsbanken verdienen kaum noch etwas an den Privatkunden und haben ihr Filialnetz deshalb stark ausgedünnt.
  • Die Deutsche Bank hat hier besondere Probleme, da sie digital hinterherhinkt und unter ungelösten Kulturkonflikten leidet.

Mancher Privatkunde spürt die Entscheidungen, die in den Bankentürmen gefällt werden, schon längst im Alltag: Er hat es heute zur nächsten Filiale viel weiter als noch vor einigen Jahren, wer am Automaten Geld ziehen will, muss mehr Aufwand betreiben. Institute wie die Commerzbank inklusive der übernommenen Dresdner Bank oder die Hypo-Vereinsbank haben ihr Filialnetz beträchtlich ausgedünnt oder sind gerade dabei. Der Trend geht zum Online-Banking und zum Bezahlen per Smartphone - teure Niederlassungen lohnen sich da immer weniger.

Die Deutsche Bank macht da keine Ausnahme, auch sie trägt dazu bei, dass das Filialnetz in Deutschland immer dünner wird. Ende der 90er-Jahre hatte sie noch 1200 Niederlassungen, inzwischen sind es rund 750, und weitere 200 sollen in nächster Zeit schließen. Die Entscheidung hatte noch die alte Führung getroffen, der neue Chef John Cryan hält daran fest - auch wenn er Details voraussichtlich erst in der nächsten Woche nennen wird.

Die Niedrigzinsen ruinieren das Privatkunden-Geschäft

Das Geschäft mit Privatkunden ist für alle Banken sehr schwierig geworden. Früher konnten sie einen fast risikolosen Zinsertrag erwirtschaften, indem sie einfach die Einlagen der Sparer höher verzinst anlegten. Dieses Geschäft ist in Zeiten des Nullzinses erheblich geschrumpft. Gleichzeitig sind die Kosten durch Tariferhöhungen für ihre Mitarbeiter gestiegen. "Gerade die Deutsche Bank hat bei den Kosten bisher wenig gemacht, anders als etwa die Commerzbank", sagt Michael Seufert, Analyst bei der Nord-LB. "Das heißt: Das Filialnetz der Deutschen Bank ist zu teuer, sie wird nicht nur Niederlassungen schließen, sondern auch die Zahl der Mitarbeiter in größerem Stil verringern müssen."

Da immer mehr Kunden ins Internet abwandern, wird es für die Banken umso wichtiger, Online-Lösungen anzubieten. Cryan sagte dazu am Sonntag nur einen Satz: Man werde eine "Digitalbank" aufbauen. Mit der Aufgabe ist Henry Ritchotte beauftragt, der im Vorstand bisher für die IT und Digitales zuständig war. "Bisher ist das nur ein Schlagwort, und man ist nach den Erfahrungen der letzten Jahre vorsichtig mit solchen Ankündigungen", sagt Analyst Seufert. In der Ära der Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain habe es oft an der Umsetzung gehapert.

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Probleme mit der Digitalstrategie

Im Online-Banking hinkt die Deutsche Bank anderen hinterher, seit sie vor mehr als zehn Jahren die Tochter "Deutsche Bank 24" wieder auflöste, in der das Privatkundengeschäft konzentriert werden sollte. Anders als etwa die Commerzbank hat die Deutsche Bank keine eigene Online-Tochter - eine strategische Entscheidung, weil man sich als "Beraterbank" positionieren wollte, nicht als billige Direktbank. Möglicherweise hatte man in den vergangenen Jahre auch die Sorge, dass man das Filialgeschäft kannibalisiert, wenn man stark auf das Online-Banking setzt. Online-Banking können die Filialkunden der Deutschen Bank gleichwohl machen, die Funktionen gelten in der Branche als modern, zum Beispiel die Identifizierung per Fingerabdruck. Auch die App für die Kontoführung auf dem Handy kann schon einige interessante Spielereien vorweisen.

Grundsätzlich aber hatte die Deutsche Bank immer Probleme mit ihrer Privatkunden-Strategie. Das zeigt sich auch an der Postbank, mit der sie im Grunde nichts anfangen konnte und die nun nach wenigen Jahren wieder verkauft wird. Auch bei ihr könnte damit ein noch größerer Abbau von Filialen und Mitarbeitern drohen.

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Konflikt der Kulturen in der Deutschen Bank

Dahinter stand ein tief gehender kultureller Konflikt: Die Deutsche Bank konnte sich nicht entscheiden, ob sie eine Investmentbank oder eine Privatkundenbank sein wollte, eine deutsche Bank oder eine internationale Bank. Den Spagat hat sie bis heute nicht richtig hinbekommen, und der Gegensatz von London und Frankfurt bestimmt das Haus nach wie vor.

Bei amerikanischen Großbanken hingegen existieren Investmentbanking und Privatkundengeschäft viel selbstverständlicher profitabel nebeneinander her. "Auch Cryan hat noch nicht klargemacht, welche Bedeutung das Privatkunden-Geschäft künftig haben soll", sagt Seufert. Klar ist seit Sonntag nur, dass die vermögenden Privatkunden jetzt wieder im Filialgeschäft mitbetreut und nicht mehr in dem nun aufgeteilten Fondsbereich (Asset Management ) geführt werden.

Einfacher wird es jedenfalls nicht im Privatkundengeschäft. Denn längst steht eine Armada an Start-ups bereit - im Branchenjargon Fintechs genannt -, die den etablierten Banken Kunden abwerben, zum Beispiel Paypal. Das betrifft etwa das Bezahlen per Smartphone oder Geldanlagen. Einige dieser Firmen, die vor Jahren noch ein Start-up waren, sind heute überlegen. Die fünf weltweit größten Fintechs sind an der Börse mehr wert als die fünf größten deutschen Banken.

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