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Ultraschneller Computerhandel:Warum Hochfrequenzhandel schädlich ist

In ihrer langen Geschichte hatten Börsen zwei Aufgaben: Aufstrebende Firmen langfristig mit dem Kapital der Sparer zu versorgen sowie Investoren einen Markt zu bieten, wo sie ihre Aktienpakete veräußern können. Es kam häufig vor, dass Eigentümer verkaufen wollten, doch zu diesem Zeitpunkt niemand Interesse hatte. Dann sprangen die Zwischenhändler auf dem Parkett ein und erwarben die Aktien, um sie kurz danach weiter zu verkaufen, möglichst mit Gewinn.

Ab den 1990er Jahren wurden die Parketthändler aus Fleisch und Blut immer häufiger ersetzt durch automatisierte Handelsprogramme. Der Computer eroberte die Börsen. Das Handelstempo wuchs. Jetzt dominiert der Hochfrequenzhandel den globalen Finanzmarkt und bestimmt folglich auch die Aktienkurse.

Die Computerprogramme reagieren auf kurzfristige Preistrends. Wenn beispielsweise der Siemens-Kurs eine Stunde lang steigt, dann kauft der Algo-Trader. Das klingt trivial und ist doch Hightech. Man kann es mit einem Pokerspiel vergleichen, wo der eine dem anderen heimlich in die Karten schaut.

Hochfrequenzhändler mit exzellenter Software sehen in den Orderbüchern vor allen anderen, welche Aktien gekauft werden - es ist nur eine Millisekunde Vorsprung, doch das reicht, um daraus Profit zu schlagen. Ein weiterer Kniff: Algo-Trader fluten die Börse mit unzähligen Kauforders, um eine Nachfrage zu simulieren. Kurz vor Ausführung stornieren sie und schlagen aus der Preisbewegung Kapital.

Natürlich, auch die Parketthändler früher waren gewiefte Leute, die manchmal mit falschen Karten gespielt haben. Doch jetzt hat sich die Balance verschoben.

Der Börsenhandel wird dominiert von Naturwissenschaftlern, die Handelssysteme entwerfen, denen es gar nicht darum geht, wie gut die betriebswirtschaftlichen Aussichten eines Konzerns sind oder was der Vorstandschef kann. Es geht darum, Preisbewegungen im Sekundentakt zu antizipieren. Es geht ums Zocken - nicht mehr um langfristiges Investieren.

Der irische Poet Oscar Wilde schrieb, ein Zyniker kenne den Preis von allem, und den Wert von nichts. Es gibt diesen Zynismus an den internationalen Börsen, zum Schaden der Gesellschaft.

Linktipp: Die Firma Nanex zeigt in einer beeindruckenden Grafik, wie der Hochfrequenzhandel von Januar 2007 bis Januar 2012 zugenommen hat.