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Uli Hoeneß, Nike und Adidas:Casino Global

Adidas FC Bayern München, Franz Beckenbauer, Herbert Hainer, Uli Hoeneß

Uli Hoeneß (rechts) besiegelt im September 2001 mit Adidas-Chef Herbert Hainer (mitte) und Franz Beckenbauer die Vertragsverlängerung ihrer Partnerschaft

(Foto: imago sportfotodienst)

Nike sprach von einem "Krieg ohne Kugeln". Im Jahr 2001 stach Adidas den Konkurrenten im Kampf um das Trikot und die Schuhe bei Bayern München aus. Und Uli Hoeneß erhielt 20 Millionen Mark Spielgeld. Rekonstruktion eines Bombengeschäfts.

Von Hans Leyendecker und Uwe Ritzer

Im Jahr 2000 kämpften die beiden Sportartikelhersteller Nike und Adidas erbittert um Marktanteile auf dem Globus. Weltmarktführer Nike sprach martialisch vom "Krieg ohne Kugeln" und ganz besonders heftig wurde der Krieg auf dem Fußballmarkt ausgetragen.

"Wir können nicht führender Sportartikelhersteller sein ohne eine Fußballrevolution zu entfachen", sagte 1999 der Gründer und Chef von Nike, Phil Knight, und er meinte das mit der Revolution ernst.

Nike war zwar insgesamt eindeutig die Nummer eins, und besonders die Kids in den USA fanden damals die Marke sehr cool, aber im Fußball war Adidas weit vor Nike. Also sichtete der amerikanische Konzern zugkräftige Mannschaften und Spieler, die werbewirksam mit dem Nike-Häkchen auflaufen sollten. "Vereine mit europäischen Perspektiven", so Knight, würden gesucht. Natürlich war da Bayern München eine erstklassige Adresse.

Im Jahr 2000 begann der Kampf zwischen Adidas und Nike um das Trikot und die Schuhe bei Bayern München und um mehr. Verhandelt wurde bald auch, wer mit zehn Prozent bei den Bayern einsteigen könnte. 2000 - das war ausgerechnet das Jahr, als der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus seinem Freund Uli Hoeneß eine Art Kredit in Höhe von zwanzig Millionen Mark fürs Zocken bei der Vontobel-Bank in Zürich zur Verfügung stellte.

Ein Geschmäckle hat die Angelegenheit auf jeden Fall

Das Ende ist bekannt. Adidas siegte 2001, obwohl Nike, wie auch Hoeneß betonte, mehr geboten hatte. Aber seit Jahrzehnten stand das mittelfränkische Unternehmen in engster Verbindung zu den Bayern. Und Hoeneß zahlte den Kredit an Dreyfus zurück und zockte weiter, ohne den deutschen Fiskus über seine Erfolge zu informieren.

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Privatdarlehen und dem Geschäftsabschluss ist auf den ersten - und eigentlich auch auf den zweiten Blick - verblüffend. Ein Geschmäckle hat die Angelegenheit auf jeden Fall und wäre in der heutigen Wirtschaftswelt, die sich seit der Korruptionsaffäre von Siemens Mitte des vergangenen Jahrzehnts dramatisch verändert hat, auch undenkbar. Jedenfalls müssten die Beteiligten heute befürchten, erstmal ein Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsverdachts zu bekommen, auch wenn eine Unrechtsvereinbarung in diesem speziellen Fall nicht leicht erkennbar ist.

Dreyfus ist seit vier Jahren tot und Hoeneß soll in seiner Selbstanzeige klar gemacht haben, dass es sich damals bei dem Kredit um einen ausschließlich privaten Vorgang gehandelt habe. Beide waren Zocker, beide waren eng befreundet und als Privatmensch konnte es sich der reiche Dreyfus leisten, dem Freund das Spielgeld fürs Casino Global rüberzureichen.

Beim Versuch der Rekonstruktion des Falles sind die Beteiligten heute auffällig schmallippig. Der Verlierer Nike mochte zunächst zu den Umständen der geschäftlichen Niederlage gar nichts sagen, und erst nach mehreren Anläufen bestätigte ein Nike-Sprecher nur, dass es damals "Gespräche zwischen dem FC Bayern und Nike gegeben hat".

Man kennt sich, man trifft sich, man mag sich

Und der Adidas-Konzern teilt "aus gegebenem Anlass" mit, dass der Hoeneß-Freund Dreyfus "nicht in die Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft mit dem FC Bayern München involviert war". Zwar sei Dreyfus bis zum 8. März 2001 Vorstandsvorsitzender gewesen, habe aber bereits zum 1. Januar 2000 das operative Geschäft an Herbert Hainer übertragen, der dann im März 2001 Vorstandsvorsitzender der Adidas AG wurde.

Dreyfus war damals an Leukämie erkrankt und kämpfte mit ganzer Kraft gegen die Krankheit. Aber natürlich hielt er den Kontakt zu Hoeneß und dem FC Bayern, in dessen Verwaltungsbeirat er später auch einzog. Hainer, das immerhin steht fest, führte die Gespräche mit Hoeneß und Rummenigge. Der Kreditgeber und Freund Dreyfus saß nicht mit am Tisch. Und klar ist auch, dass Hoeneß damals den Bayern-Vorstand nicht über den Schweizer Schatz informiert hatte. Auch bei Adidas soll das Darlehen des Chefs für Hoeneß nicht bekannt gewesen sein.

Man kennt sich, man trifft sich, man mag sich. Das nennt man in Köln Klüngel, das wird Hoeneß vermutlich Männerfreundschaft nennen und nur unlustige Korruptions-Verfolgungs-Heinis, deren Lieblingsgetränk Essig ist, werden annehmen, dass hier eine Hand die andere zu Ungunsten einer Dritten gewaschen habe.

In einem Aufsatz über Landschaftspflege hat Heinrich Böll mal von der Methode gesprochen, "mit der man die Würstchen herstellt, mit denen man nach der gewaltigen Speckseite wirft". Dieses Böll-Bild wirkt angesichts der Akteure irgendwie passend und ist doch vermutlich sehr unpassend - oder?

Bombengeschäft für alle

Am 18. September 2001 meldeten beide Seiten Vollzug: Adidas werde sich mit zehn Prozent an der FC Bayern AG beteiligen, wurde vermeldet. Nike und andere Sportartikelhersteller blieben draußen. Die Entscheidung wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündet.

Die Börse reagierte damals übrigens sehr skeptisch auf das neue Adidas-Engagement, was sich später als Irrtum herausstellen sollte. Vollzogen wurde das Geschäft erst im Februar 2002 als die Gründung der FC Bayern München AG über die Bühne gegangen war. Adidas überwies für den Zehn-Prozent-Anteil 75 Millionen Euro an den Verein; den Betrag hatten Wirtschaftsprüfer ermittelt. Mit dem Einstieg wurde auch der Ausrüstervertrag verlängert, für den Adidas extra zahlen musste. Ein Insider meint heute, dass die Offerte von Nike den Preis nach oben getrieben habe.

Es war ein Bombengeschäft für alle, und der FC Bayern wurde noch pumperlgesunder. Und Hainer wies stolz darauf hin, Adidas habe als Ausrüster deutlich weniger beim FC Bayern als Nike bei Manchester United gezahlt. 35 Millionen Euro pro Saison soll Nike damals die Revolution in Manchester wert gewesen sein.

Gezahlt werden von den Sportartikelherstellern auch Prämien für sportliche Erfolge und die Fernsehpräsenz. Sollte der FC Bayern das Triple gewinnen, wird Adidas voraussichtlich 25 Millionen Euro oder mehr an den Verein überweisen.

© SZ vom 25.04.2013/fzg
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