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Ukraine: Weizen-Export:Angst vor dem Dominoeffekt

Nun kommt einer nach dem anderen: Auch die Ukraine prüft, ob sie ihre Weizenexporte drosseln soll - und Kasachstan könnte folgen. Die Angst vor einer weltweiten Lebensmittelkrise nimmt zu.

Es ist paradox: Die Rohstoffpreise steigen drastisch, obwohl die Weltwirtschaft schon wieder Konjunktursorgen plagen: Der Rohstoffindex (ohne Energie) des Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) in Hamburg hat seine Höchststände vom Sommer 2008 bereits schon wieder erreicht.

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Ein ukrainischer Meteorologe zeigt auf einem Getreidefeld bei Cherson am Schwarzen Meer verkrüppelte Ähren. Harter Winterfrost und die Hitzewelle des Sommers haben in der Ukraine - wie auch in Russland - zu großen Ernteausfällen geführt.

(Foto: REUTERS)

Die Situation weckt Erinnerungen an das Frühjahr 2008: Auch damals waren die Preise für Öl, Metalle und besonders landwirtschaftliche Rohstoffe in die Höhe geschossen; in Ländern wie Ägypten, Mexiko, Haiti und den Philippinen kam es in der Folge zu Hungerrevolten.

Und auch jetzt spitzt sich die Situation auf dem Agrarmarkt zu - vor allem nachdem Russland vergangene Woche ein Getreide-Exportverbot verhängt hat. Und prompt werden nun die bösen Vorahnungen der Weltbank wahr, die wichtige Weizen-Exporteure davor gewarnt hatte, Ausfuhrstopps zu verhängen. Genau dies könnte jetzt aber passieren: Denn die Ukraine erwägt eine Einschränkung ihrer Weizen-Exporte.

Weltbank: Ausfuhrbeschränkungen unnötig

Die Entscheidung darüber werde in der kommenden Woche fallen, teilte die Regierung in Kiew mit. Harter Winterfrost und die Hitzewelle des Sommers haben in dem Land - wie auch in Russland - zu großen Ernteausfällen geführt.

Händlern zufolge könnte sich als nächstes Kasachstan anschließen und Ausfuhren in Länder außerhalb des Gebiets der früheren Sowjetunion limitieren.

Nach Meinung der Weltbank sind die Ausfuhrbeschränkungen unnötig, da ihrer Ansicht nach der weltgrößte Weizenexporteur USA die Missernten ausgleichen kann. Wegen der hitzebedingten Ausfälle in Russland dürfte die weltweite Weizen-Ernte Schätzungen zufolge in diesem Jahr so gering ausfallen wie seit drei Jahren nicht mehr. Russland ist der drittgrößte Weizenexporteur der Welt.

© sueddeutsche.de/Reuters/pak/mel

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