Zum Tod von Nicolas Hayek Das Vermächtnis von "Mister Swatch"

Nicolas Hayek war ein Unternehmer mit einer bunten Biographie und verrückten Ideen: Nun starb der Erfinder der legendären "Swatch"-Uhr im Alter von 82 Jahren.

Von Karl-Heinz Büschemann

Solche Typen wie Nicolas Hayek wünscht man sich häufiger in der Wirtschaft. Dieser Schweizer Unternehmer mit der bunten Biographie und den verrückten Ideen, ist am Montag mit 82 Jahren gestorben. Er gehörte zu denjenigen, die Spuren hinterlassen, war einer von denen, die für ihre Ideen bis zum Umfallen kämpften.

Nicolas Hayek, Erfinder der "Swatch"-Uhr, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.  

(Foto: rtr)

Er hat es geschafft, die Schweizer Uhrenindustrie zu retten: mit einer Plastikuhr, die er Swatch nannte. Nur die Autoindustrie, die er auch aufs Korn nahm, weil er sie für völlig verknöchert hielt, leistete dem Dynamiker mächtigen Widerstand.

Der "Smart", der von ihm erfunden wurde, kommt erst 20 Jahre nach seiner Erfindung zu ein klein wenig Ehre als Spar- und Elektroauto. Viele haben diesen Mann mit dem eigentümlichen Misch-Masch-Akzent aus Schweizerisch und Französisch und mit der üppigen Figur, die den Genießer verrät, verlacht. Viele sind über ihn hergefallen, weil er aus den ausgetretenen Pfaden ausbrach. Manche hat er einfach nur genervt.

Abitur in Paris

Der gebürtige Libanese, der in seinem Heimatland eine französische Schule besuchte, der in Paris das Abitur machte und Mathematik, Physik sowie Chemie studierte, war erst mit 21 Jahren in die Schweiz gekommen. Hayek arbeitet eine Zeit lang als Unternehmensberater, und als der sich in den siebziger Jahren an die kranke Uhrenindustrie heranwagte, ging er andere Wege als diejenigen, die sich schon vorher an dieser Aufgabe versucht hatten. Er nahm den Kampf gegen die Japan-Importe nicht dadurch auf, dass er die Fertigung ins Ausland verlegte oder die Löhne drückte. Er standardisierte die Teile für eine Uhr und drosselte ihre Zahl. Roboter konnten die Zeitmesser im eigenen Land günstig zusammensetzen.

Sein Baukastensystem bot auch die Chance, sie zum Modeartikel zu machen. Die Swatch wurde in den achtziger Jahren ein Welterfolg und Hayek märchenhaft reich. Heute gehören 18 Marken von Tissot bis Omega zu Hayeks Uhrengesellschaft SMH, die schon seit 2003 von seinem Sohn geführt wird. Auch Luxusfabrikate wie Blancpain, Glashütte oder Breguet gehören zu Hayeks Imperium, das insgesamt 20.000 Beschäftigte hat.

Grund genug für den Unternehmer, der in den achtziger Jahren am liebsten mit einem halben Dutzend Swatches an beiden Armen herumlief und gerne "Mister Swatch" genannt wurde, sich auch noch an der Autoindustrie zu versuchen. Der quirlige Denker hatte sich Ende der achtziger Jahre einen kleinen Zweisitzer ausgedacht und bald stürmte er der damit in die Chefbüros der Autohersteller. Die steckten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mal wieder in einer Krise und drohten unter die Räder der japanischen Konkurrenten zu kommen. Hayek stellte seine Kreation bei General Motors vor, bei Renault und bei Volkswagen.

Das neue Auto sollte viele Dinge können, die eigentlich selbstverständlich sind, es aber nicht waren. Es sollte klein sein, modisch, vielleicht sogar knallbunt. Hayek konnte sich den Flitzer, der später den Namen "Smart" bekam, sogar durchsichtig vorstellen. Wie seine Uhren. Das Auto sollte billig sein, zugleich qualitativ anspruchsvoll und Hayek stellte sich genug Platz vor für zwei Kästen Bier.

"Elefantenrollschuh mit lächerlichem Radstand"

Vor allem sollte sein Smart einen Hybrid-Motor haben, also eine Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor, den die stolze deutsche Autoindustrie erst vor wenigen Jahren zur Kenntnis nahm. Sein Motto: "Biete deinem Kunden ein erstklassiges Produkt für wenig Geld und du verdienst trotz kleiner Gewinnspanne durch höheren Absatz ungleich mehr."

Diese Regel gilt heute noch in der Autoindustrie als falsch, aber VW biss an. Der damalige Firmenchef Carl Hahn glaubte an das Auto. Doch als Ferdinand Piëch im Jahr 1993 bei VW das Ruder übernahm, war der Spaß vorbei.

Der Smart galt bei dem PS-Fetischisten als "Elefantenrollschuh mit lächerlichem Radstand". Das Projekt wurde eingestellt und wanderte weiter zum Daimler-Konzern. Der machte mit dem Smart viele Fehler und hohe Verluste. Ihre Liebe zu dem sparsamen Flitzer entdeckten die Stuttgarter erst in der Autokrise von 2008.

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