Überstunden Zwei Stunden und 36 Minuten

Die Deutschen arbeiten zu viel unentgeltlich, meint DGB-Chef Reiner Hoffmann.

DGB-Chef Reiner Hoffmann hat sich für einen raschen Abbau unbezahlter Überstunden ausgesprochen. Wo diese dauerhaft anfielen, müssten neue Stellen geschaffen werden, sagte Hoffmann der Welt. Nur so sei gewährleistet, dass Beschäftigte lange arbeiten könnten und gesund blieben. Zudem kritisierte der DGB-Chef, dass Arbeitnehmer immer mehr leisten müssten. "Wir wissen, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat, durch Arbeitsverdichtung, Arbeit am Wochenende und dauernde Erreichbarkeit. Diese Belastung führt zu Stress und Erkrankungen", so Hoffmann. Der Gewerkschafter verwies in diesem Zusammenhang auf Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, wonach allein 2013 der Produktionsausfall durch Arbeitsunfähigkeit 59 Milliarden Euro betrug.

Einer Studie der EU-Agentur Eurofound zufolge machen Arbeitnehmer in Deutschland so viele Überstunden wie sonst in kaum einem Land der EU. Tariflich vereinbart sind demnach im Schnitt 37,7 Stunden Arbeitszeit pro Woche, 40,3 Stunden fallen tatsächlich an - das sind 2,6 Stunden zusätzlich pro Woche. Noch größer sind die Unterschiede nur in den Niederlanden mit im Schnitt drei Überstunden pro Woche und beim Spitzenreiter Großbritannien, wo dreieinhalb Stunden extra anfallen, heißt es in der Studie.

Was die insgesamt geleistete Arbeitszeit angeht, liegt Deutschland mit 40,3 Wochenstunden hinter Portugal (40,4), Luxemburg und Großbritannien (40,9) sowie Spitzenreiter Rumänien (41,0). Am wenigsten Zeit verbringen die Menschen in Finnland und Frankreich bei der Arbeit, in beiden Ländern sind es im Schnitt 37,3 Stunden pro Woche. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2014.

Nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) leisten deutsche Arbeitnehmer inzwischen allerdings deutlich weniger unbezahlte Überstunden als im vorangegangenen Jahrzehnt. Noch im Jahr 2008 hatten die Arbeitsmarktforscher 1,2 Milliarden unbezahlte Überstunden registriert. In diesem Jahr dürften es 1,109 Milliarden Stunden sein. Nach einer IAB-Studie vom Frühjahr hatte jeder Beschäftigte im Schnitt 28,7 Überstunden ohne finanziellen Ausgleich. 2008 waren es noch 33,5 Stunden. Die Zahl der bezahlten Überstunden dürfte nach einer IAB-Prognose dagegen in diesem Jahr nur bei 817 Millionen liegen.

Unbezahlte Überstunden treten besonders oft bei Beschäftigten in Führungspositionen auf, heißt es in dem Zeitungsbericht weiter. Die IAB-Forscher berichteten, dass Führungskräfte unbezahlte Überstunden beispielsweise machten, um die Leistung des Teams und die Reputation zu erhöhen. Angestellte mit "umfassenden Führungsaufgaben" leisteten die meisten Überstunden: 14,6 pro Monat. Auch Beamte im höheren Dienst arbeiten unentgeltlich mehr, als tariflich vereinbart: Sie machten monatlich 9,6 unbezahlte Überstunden.