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Übernahmen:Warum Opel "nur" 1,3 Milliarden Euro kostet

Visitors walk past new Opel Insignia car during the 87th International Motor Show at Palexpo in Geneva

Sieht vielleicht modern aus, ist aber "Old Economy": In der Wirtschaft gelten für die Bewertung von Unternehmen wie Opel ganz andere Regeln als für Start-ups.

(Foto: REUTERS)
  • Nach langem Ringen steht jetzt fest: Opel wird französisch, für 1,3 Milliarden Euro.
  • Der Kaufpreis scheint auf den ersten Blick niedrig, vor allem im Vergleich mit anderen Übernahmen.
  • Doch Experten warnen davor, den Kaufpreis mit dem Wert des Unternehmens gleichzusetzen.

1,3 Milliarden Euro - das klingt nach einer Menge Geld. Aber für eine Traditionsfirma wie Opel? Ist das nicht ein bisschen wenig? So oder so ähnlich waren die Reaktionen, als am Montag offiziell wurde, dass die französische Gruppe PSA Peugeot Citroën etwa 1,3 Milliarden Euro für die Opel-Übernahme zahlen will.

Schnell kursierte in sozialen Medien ein Vergleich: Facebook zahlte für den Messaging-Dienst Whatsapp einen Preis von etwa 14 Milliarden Euro. Für eine Firma, die gerade mal 50 Mitarbeiter hatte - und am Ende war der Deal wegen der steigenden Aktienkurse sogar noch mehr wert.

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Doch der Vergleich zwischen Whatsapp und Opel trügt. Denn anders als Opel war Whatsapp ein junges Unternehmen mit enormer weltweiter Reichweite und dem Potenzial, noch sehr schnell weiter zu wachsen. Außerdem gab es mehrere Interessenten, die um den Kauf konkurrierten. "Wenn Sie ein Unternehmen wie Whatsapp kaufen, bezahlen Sie nicht den reellen Wert. Sie kaufen zunächst einmal die Fantasie, dass dieses Unternehmen bald viel Geld einbringt", sagt Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance and Management. Er ist Experte für Übernahmen und Fusionen von Unternehmen und rät dazu, den aktuell kursierenden Kaufpreis für Opel nicht mit dem geschätzten Wert des Unternehmens gleichzusetzen.

"Dieser Preis ist bei so einem Unternehmen nur die Spitze des Eisbergs", sagt Schalast. Unter der Oberfläche warteten möglicherweise versteckte Kosten: Opel ist ein klassisches Industrieunternehmen, sogenannte "Old Economy" mit Fabriken, Stahl und handfesten Produkte. Gerade solche Firmen haben aufgrund ihrer Historie oft viele Verpflichtungen, die den Kaufpreis drücken können - und die eine junge, aufstrebende Internetfirma wie Whatsapp meist nicht hat.

Das können je nach Unternehmen Pensionsverpflichtungen, Arbeitsplatzgarantien, Schulden, Verluste, Lizenzkosten oder bestehende Verträge mit Zulieferern sein. "All das muss ein Käufer in den Preis mit einkalkulieren, wenn er ein Unternehmen übernimmt", erklärt Schalast. Sind diese Faktoren mit einberechnet, steht am Ende eine Zahl als Kaufpreis, die aber nicht den tatsächlichen Wert des Unternehmens widerspiegelt. Im Fall Opel sind derzeit noch wenige Details zur Übernahme bekannt. Doch der Käufer PSA verkündete bereits, er plane mit der Übernahme insgesamt etwa 1,7 Milliarden Euro einzusparen, unter anderem weil doppelte Strukturen abgebaut werden könnten und beide Unternehmen vom Wissen des jeweils anderen profitieren sollen.

Auch ein negativer Kaufpreis ist bei Übernahmen möglich

Ein Extremfall solcher Übernahmen ist ein negativer Kaufpreis. Das klingt kurios, ist aber durchaus üblich: "Vor allem bei Restrukturierungskäufen kommt das häufiger vor", sagt Übernahme-Experte Schalast. Ein angeschlagenes Unternehmen wird dann aufgekauft, um zum Beispiel Prozesse zu optimieren, andere Märkte zu erschließen oder schlicht, um Wissen zu teilen und Kosten zu senken. Im Idealfall profitieren dann sowohl der Käufer als auch das übernommene Unternehmen davon.

Beispiele für so einen negativen Kaufpreis gibt es viele. Im Jahr 2014 wollten asiatische Interessenten zum Beispiel die angeschlagene deutsche Solarfirma Aleo übernehmen. Die gehörte damals zum Bosch-Konzern - und der legte sogar noch einen zweistelligen Millionenbetrag drauf, um Aleo endlich loszuwerden und zugleich möglichst einen Teil der Arbeitsplätze zu sichern. Für die Käuferfirma SAS aus Taiwan war der Kaufpreis also negativ, und Aleo erholte sich wieder, expandierte zuletzt sogar.

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