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Übernahmekampf um Hochtief:Die Spanier kommen

ACS überspringt die wichtige 30-Prozent-Hürde bei Hochtief. Warum wollen die Spanier unbedingt einsteigen? Warum wehren sich die Deutschen so heftig dagegen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Übernahmekampf.

Mit dem Überspringen der 30-Prozent-Hürde bei Hochtief hat der spanische Baukonzern ACS die vielleicht wichtigste Hürde im Übernahmekampf genommen. Das Unternehmen des Real-Madrid-Präsidenten Florentino Perez hat nun gute Chancen, in absehbarer Zeit die Mehrheit am größten deutschen Baukonzern zu erwerben. Doch was wollen die Spanier eigentlich? Und warum wehren sich die Deutschen so vehement? Einige Fragen und Antworten.

Hochtief

Gelbe Schutzweste eines Hochtief-Bauarbeiters: Der deutsche Baukonzern ist im Übernahmekampf mit ACS nun nur noch wenig abgeschirmt. 

(Foto: dpa)

Was will ACS mit Hochtief?

Der spanische Baukonzern will mit der Übernahme des deutschen Marktführers nach eigenen Angaben seine Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Heimatmarkt verringern. Während ACS derzeit noch den größten Teil seines Geschäfts in Spanien macht, ist Hochtief weltweit präsent und verfügt über starke Standbeine in Asien und Nordamerika. Außerdem ist ACS hochverschuldet und kann durch die Konsolidierung des grundsoliden Essener Unternehmens seine eigene Bilanz deutlich verbessern.

Warum war es für die Spanier so wichtig, ihren Anteil an Hochtief auf über 30 Prozent aufzustocken?

Der Grund liegt im deutschen Übernahmerecht. ACS ist mit dem Sprung über die 30-Prozent-Hürde künftig von teueren Pflichtangeboten an die anderen Hochtief-Aktionäre befreit. Jetzt kann der Konzern in aller Ruhe über Zukäufe an der Börse oder bei institutionellen Anlegern sein eigentliches Ziel verfolgen: die Mehrheitsübernahme bei Hochtief.

Wie groß sind die Aussichten von Hochtief, doch noch seine Unabhängigkeit zu bewahren?

Wohl eher gering. Bisher hatten die meisten Abwehrmaßnahmen des Konzerns nur wenig Erfolg. Sowohl bei der deutschen Bundesregierung als auch bei der australischen Börsenaufsicht blitzte der Konzern bei der Suche nach Unterstützung ab. Hoffnungen könnten sich allenfalls noch auf den neuen Großaktionär, das Emirat Katar, richten, sagt Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Katar war bei seinem Einstieg bei Hochtief vor wenigen Wochen von vielen als "weißer Ritter" begrüßt worden, der ACS in die Schranken weisen könnte. Doch blieb es danach still um die Ölmilliardäre. Außerdem läuft in Spanien noch eine Klage von Aktionärsschützern gegen die von ACS zur Finanzierung der Hochtief-Übernahme beschlossene Kapitalerhöhung. Doch beides seien nur "Mini-Strohhalme", an die sich Hochtief noch klammern könne, betont Tüngler.

Wie sähe die Zukunft von Hochtief unter Führung von ACS aus?

Das ist schwer zu sagen. Glaubt man ACS, dann würde sich für den deutschen Konzern wohl gar nicht so viel ändern. Die Spanier haben beteuert, sie wollten Hochtief nicht zerschlagen, sondern als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen weiterführen. Firmensitz soll Essen bleiben, und auch an der Strategie werde festgehalten. Das hatte ACS auch in seinem Übernahmeangebot noch einmal versichert. Bei Hochtief herrscht allerdings tiefes Misstrauen gegenüber diesen Versprechungen. In einer Stellungnahme zum Übernahmeangebot betonten Vorstand und Aufsichtsrat, dass es sich dabei lediglich um mehr oder weniger unverbindliche Absichtserklärungen handele. Es gebe keine rechtliche Pflicht für ACS, sie am Ende auch einzuhalten. Bei Hochtief befürchtet man eine Zerschlagung des Konzerns durch die Spanier. So könnten die australische Tochter Leighton und die US-Firmen Turner und Flatiron verkauft werden.

Wie geht es nun im Kampf um Hochtief weiter?

Schon auf der Hauptversammlung von Hochtief am 12. Mai dieses Jahres könnte es nach Einschätzung von DSW-Geschäftsführer Tüngler zum Showdown kommen. Denn auf deutschen Hauptversammlungen sind meist nur rund 60 Prozent des Aktienkapitals vertreten. ACS könnte sich deshalb schon mit geringen weiteren Aktienzukäufen eine sogenannte Hauptversammlungsmehrheit sichern. Auf diese Weise könnten die Spanier den Aufsichtsrat von Hochtief weitgehend nach ihren Wünschen neu besetzen und damit im nächsten Schritt auch Einfluss auf die Zusammensetzung des bislang widerspenstigen Konzernvorstands nehmen. "Dann wird ACS-Chef Florentino Perez sein wahres Gesicht zeigen. Ob er wie angekündigt nichts ändert, oder ob er durchregiert und den Aufsichtsrat neu besetzt", sagt Tüngler.