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Übernahme von E-Plus durch O2 genehmigt:Ökonomen fürchten höhere Preise für Mobilfunk-Kunden

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Mobil telefonieren könnte durch die Übernahme von E-Plus durch den O2-Mutterkonzern Telefónica in Deutschland deutlich teurer werden.

(Foto: Bloomberg)

Bisher kämpfen vier Konzerne um die Kunden. Nun hat die Europäische Kommission entschieden, dass O2 und E-Plus künftig zusammenarbeiten dürfen. Was bedeutet das für die Kunden?

Was haben die Deutschen zu erwarten, wenn sie sich in Zukunft nach einem Mobilfunkvertrag umsehen? Wer das wissen will, sollte nach Österreich blicken. Denn die Nachbarn sind bereits etwas weiter: Vor eineinhalb Jahren haben sich dort zwei kleinere Anbieter zusammengeschlossen - so wie nun in Deutschland O2 und E-Plus fusionieren dürfen, wie die Europäische Kommission beschlossen hat. Die schlechte Nachricht für die Verbraucher: In Österreich nutzten die drei verbliebenen Anbieter die neue Lage, um den Kunden stärker zur Kasse zu bitten.

Bereits im ersten Jahr nach der Fusion kam es im Mobilfunk zu deutlichen Preissteigerungen, heißt es im Jahresbericht der österreichischen Regulierungsbehörde ( hier als PDF). Allein von September bis Dezember sind die Tarife teilweise um mehr als zehn Prozent in die Höhe geschossen. Nicht nur Kunden, die ein Smartphone nutzen und deshalb die teureren Tarife für eine Internetverbindung buchen, müssen mehr zahlen. Auch Telefonate und SMS sind nun teurer.

Die Monopolkommission ist ein wissenschaftliches Gremium, das die Bundesregierung bei Fragen des Wettbewerbs berät. Die Ökonomen fürchten, dass sich die Situation hierzulande ähnlich entwickelt wie in Österreich. Dabei kosten Mobilfunkverträge in Deutschland ohnehin schon ein Vielfaches von dem, was in Österreich anfällt. "Mit E-Plus verschwindet ausgerechnet der Anbieter, der in der Vergangenheit oft als Preisbrecher aufgefallen ist", hatte Daniel Zimmer, der Vorsitzende der Monopolkommission, einige Tage vor der Entscheidung in Brüssel gesagt.

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Preiserhöhungen sind aber erst möglich, wenn die Verträge ausgelaufen sind. Zunächst werden die Kunden beider Anbieter zu den in ihren Verträgen festgeschriebenen Bedingungen telefonieren und surfen können. Hierzulande ist eine Laufzeit von zwei Jahren üblich.

Auflagen sollen Wettbewerb sicherstellen

Die Europäische Kommission dagegen sieht keine Gefahr, dass die Preise steigen. "Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Dafür würden die Auflagen sorgen, zu denen sich Telefónica verpflichtet habe ( dazu hier mehr ...). Den Wettbewerb sollen vor allem die sogenannten virtuellen Netzbetreiber ankurbeln. Das sind kleinere Firmen ohne eigene Netzinfrastruktur. Telefónica muss ihnen bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten des fusionierten Unternehmens überlassen.

Doch Branchenbeobachter sind skeptisch, ob diese Wette aufgeht. Die Mobilfunkanbieter würden schon sicherstellen, dass sich die virtuellen Konkurrenten nicht mit schnelleren Übertragungsgeschwindigkeiten oder günstigeren Preisen abheben können. "Damit können die Anbieter ohne eigenes Netz kaum einen Druck ausüben, von dem auch der Verbraucher profitieren würde", sagt Daniel Richter von der Monopolkommission. In Österreich hatten die Wettbewerbshüter ebenfalls darauf gesetzt, dass virtuelle Netzbetreiber die drei großen Anbieter im Zaum halten würden. "Aber diese Erwartungen haben sich nicht erfüllt."