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Übernahme:Nestlé setzt ganz auf Starbucks-Kaffee

Starbucks

Von dem Deal ausgenommen sind die Starbucks-Cafés. Es geht nur um das sogenannte Außer-Haus-Geschäft von Starbucks.

(Foto: dpa)
  • Der Jahresumsatz der übernommenen Sparte soll zwei Milliarden US-Dollar betragen. Nestlé könnte also schon in wenigen Jahren Gewinn einfahren.
  • Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider sieht den Deal als einen wichtigen Schritt, um in Nordamerika weiter zu wachsen und sich im Kaffeegeschäft stärker zu positionieren.

Von Charlotte Theile, Zürich

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern ist dabei, sich neu zu erfinden. Der weltweit größte Lebensmittelproduzent setzt seit einigen Jahren verstärkt auf gesunde Produkte, Gesundheit und Lifestyle. Süßes und Fettiges dagegen will Nestlé eher loswerden - Anfang des Jahres verkauften die Schweizer etwa ihr US-Süßwarengeschäft an Ferrero.

In diese Reihe passt auch der Milliardendeal, der am Montagmorgen bekannt wurde. Starbucks, die größte Kaffeekette der Welt, hat einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts an Nestlé verkauft. Die Schweizer übernehmen die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte des Unternehmens aus Seattle. 500 Angestellte werden von Nestlé übernommen. Der Jahresumsatz der Sparte soll zwei Milliarden US-Dollar betragen. Nestlé, das für die Rechte 7,15 Milliarden Dollar in bar zahlte, könnte also schon in wenigen Jahren einigen Gewinn einfahren.

"Mit Starbucks, Nescafé und Nespresso führen wir drei herausragende Marken der Kaffeewelt zusammen"

Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider ist begeistert. Er sieht den Deal als einen wichtigen Schritt, um in Nordamerika weiter zu wachsen und sich im Kaffeegeschäft stärker zu positionieren: "Mit Starbucks, Nescafé und Nespresso führen wir drei herausragende Marken der Kaffeewelt zusammen.

Wir sind hocherfreut über diese Partnerschaft mit Starbucks; beide Unternehmen zeichnet eine wahre Leidenschaft für ausgezeichneten Kaffee aus und beide genießen weltweite Anerkennung für ihre verantwortungsbewusste und nachhaltige Beschaffung von Kaffee." Schneider ging sogar noch weiter: "Das ist ein großer Tag für Kaffeeliebhaber auf der ganzen Welt", heißt es in der Pressemitteilung des Konzerns.

Von dem Deal ausgenommen sind die Starbucks-Cafés. Es geht also um das sogenannte Außer-Haus-Geschäft von Starbucks. Der 1971 gegründete Konzern hat in den 1990er Jahren ein dichtes Netz an Filialen in Nordamerika ausgebreitet und ist heute in vielen Ländern der Welt aktiv. Starbucks, das stets für hochwertigen, fair gehandelten Kaffee stand, ist in den vergangenen Jahren wiederholt in die Kritik geraten - etwa weil es seinen Angestellten Trinkgelder vorenthielt oder versuchte, Steuerzahlungen in der Europäischen Union zu vermeiden.

Für Nestlé ist die Übernahme auch deshalb bemerkenswert, weil sie früheren Aussagen des Konzerns entgegensteht: So erklärte der damalige Nestlé-Chef Peter Brabeck noch 2004, Fairtrade-Kaffee sei nur ein Nischengeschäft. Es könne den Kaffeebauern sogar langfristig schaden, wenn ihnen höhere Löhne gezahlt würden, befand der Nestlé-Chef damals.

Heute, wo sich Kaffeeliebhaber auf der ganzen Welt über einen großen Tag für verantwortungsbewussten und nachhaltigen Kaffee freuen sollen, scheinen diese Worte weit weg. Die Vereinbarungen zwischen den beiden Unternehmen sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

© SZ.de/hgn
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