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Übernahme-Kampf:Siemens beschwert sich - und bietet U-Bahnen

Turbinenwerk von Alstom: Bieterwettbewerb von Siemens und GE

(Foto: AFP)

Alstom verhandelt mit GE, aber Siemens bleibt im Rennen. Die Amerikaner bieten verbindlich mehr als zwölf Milliarden Euro für die Energiesparte der Franzosen. Währenddessen präzisiert Siemens in einem Brief, wie ein alternativer Deal aussehen könnte.

Der französische Industriekonzern Alstom hat vom US-Konkurrenten General Electric (GE) ein Übernahmeangebot über 12,35 Milliarden Euro für seine Energietechniksparte erhalten. Der deutsche Rivale Siemens solle allerdings dennoch die Gelegenheit bekommen, ebenfalls ein konkretes Angebot abzugeben, teilte das Unternehmen mit. Siemens solle "fairen Zugang" zu Konzerndaten von Alstom bekommen, um ein verbindliches Angebot abzugeben. Auch GE bestätigte das Angebot.

Aus München liegt bereits eine Antwort vor. Siemens hat noch am Dienstag einen Brief an den Vorstand von Alstom geschickt. Darin beschwert sich der Konzern nach SZ-Informationen über die fehlende Kommunikation vonseiten der Franzosen. "Unglücklicherweise haben wir keine Antwort auf unseren Brief vom 26. April bekommen", heißt es in dem Brief.

Am Wochenende hatte Siemens-Chef Joe Kaeser in einem ersten Schreiben Interesse an einer Übernahme des Energiegeschäfts von Alstom angemeldet. Im Gegenzug schlug er vor, die ICE-Sparte und das Lokomotivengeschäft an die Franzosen zu geben.

In dem aktuellen Brief konkretisiert Siemens nun sein mögliches Angebot. Das Alstom-Energiegeschäft taxieren die Münchner auf 10,5 bis 11 Milliarden Euro, also etwas weniger als GE inzwischen bietet. Allerdings offeriert Siemens jetzt auch das gesamte Bahngeschäft - also den Hochgeschwindigkeitszug ICE, die Lokomotiven, die Nahverkehrszüge, die U-Bahnen und die Trams. Laut Brief hat diese Sparte Aufträge im Wert von etwa 16 Milliarden Euro in den Büchern.

Alstom ist einer der wichtigsten Zulieferer für Atomkraftwerke - Siemens hat sich aus dem Geschäft eigentlich zurückgezogen. In dem Brief bekennt sich der Münchner Konzern nun ausdrücklich dazu, das Nukleargeschäft von Alstom im Falle einer Übernahme weiterzuentwickeln.

Verhandlungen zwischen GE und Alstom

Alstom gibt eine unabhängige Expertise zu dem GE-Angebot in Auftrag, um es zu prüfen. Während eines Monats sei General Electric damit an sein Angebot gebunden, während Alstom nicht mit anderen Interessenten verhandeln dürfe, wohl aber andere Angebote prüfen könne, berichtet Le Figaro.

Siemens hatte erst am Dienstag entschieden, Alstom ebenfalls ein Angebot machen zu wollen. Als Bedingung wurde genannt, vier Wochen lang Zugang zu Daten des französischen Unternehmens zu bekommen. Zudem müssten Managementinterviews geführt werden können, teilte Siemens mit.

Alstom hatte in den vergangenen Monaten heimlich mit General Electric über eine Übernahme verhandelt. Die in Industriefragen traditionell nationalistische französische Regierung hatte mit Empörung darauf reagiert. Sie fürchtet eine Verlagerung von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren, sollte GE den Zugriff auf Alstom bekommen. Von einem Zusammenschluss mit Siemens dagegen erhofft sich die Regierung, dass zwei europäische Weltmarktführer entstehen könnten - einer im Bereich Bahntechnik, der andere im Bereich Energie.

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg rechtfertigte am Dienstag die Einmischung der Regierung in die Verhandlungen vor der Nationalversammlung in Paris. Kein Staat auf der Welt würde es akzeptieren, wenn ein von öffentlichen Aufträgen lebendes Aushängeschild der nationalen Industrie innerhalb kürzester Zeit verkauft würde, sagte der Minister.

Mountebourg warf Alstom-Chef Kron zudem vor, ihn in den vergangenen Monaten über seine Allianz-Pläne mit General Electric offen belogen zu haben. "Muss der Wirtschaftsminister in seinem Büro einen Lügendetektor installieren?", fragte Montebourg.