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Übernahme durch Facebook:Der humorlose WhatsApp-Gründer

Jan Koum

WhatsApp-Gründer Jan Koum auf der DLD-Konferenz in München

(Foto: dpa)

Früher stand er dort für Essensmarken an. An dieser Stelle unterschreibt WhatsApp-Gründer Jan Koum den Vertrag mit Facebook. Jetzt ist er Milliardär.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Jan Koum wollte diesen bedeutsamen Vertrag keinesfalls im Hauptquartier von WhatsApp unterzeichnen. An diesem Gebäude in Mountain View im Silicon Valley gibt es noch nicht einmal ein Firmenlogo. "Ich sehe keinen Sinn, dass da ein Zeichen sein muss", sagt der bekanntermaßen humorlose Koum: "Wir wissen doch alle, wo wir arbeiten."

Koum, WhatsApp-Mitbegründer Brian Acton und Jim Goetz von der Investmentfirma Sequoia fuhren also ein paar Kilometer zu dem Haus, in dem sich einst die North County Social Services befanden. Hier stand Koum vor weniger als 20 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter für Lebensmittelmarken an, ein paar Meter entfernt schrubbte er den Fußboden eines Supermarktes für ein paar Dollar pro Stunde. Das Magazin Forbes war bei der Vertragsunterzeichnung dabei. Nun, nachdem er WhatsApp für insgesamt 19 Milliarden US-Dollar an Facebook verkauft hat, dürfte sich sein Vermögen auf beinahe sieben Milliarden Dollar belaufen.

Kein Talent zum Rumalbern

Vom Bodenschrubber und Essensmarkenempfänger zum Milliardär - solche Geschichten lieben sie natürlich im Silicon Valley. Die von Koum ist aber noch beeindruckender: Er wuchs in einem Kaff in der Nähe von Kiew auf, sein Vater war Bauleiter, seine Mutter Hausfrau. In dem Haus, in dem die Familie lebte, gab es kein Warmwasser*, seine Eltern telefonierten kaum, aus Angst, von den staatlichen Behörden abgehört zu werden.

Im Jahr 1992 flüchtete der damals 16 Jahre alte Koum mit Mutter und Oma nach Mountain View an die Westküste der USA, weil sie befürchteten, als jüdische Familie von Antisemiten verfolgt zu werden. Der Vater blieb in der Ukraine. Mit dem kalifornischen Lifestyle und der Oberflächlichkeit amerikanischer Teenager konnte der Außenseiter und Störenfried nicht viel anfangen. "In Russland lernt man seine Mitmenschen wenigstens richtig kennen", sagt er. Nach der Highschool schrieb er sich an der San José State University ein und trat dem Hacker-Klub w00w00 bei.

Sein Vater starb 1997, seine Mutter erlag drei Jahre später einer Krebserkrankung. Brian Acton, den er als Werksstudent bei Ernst & Young kennengelernt hatte, kümmerte sich um den einsamen Koum. Die beiden verband eine Vorliebe für Fußball und Ultimate Frisbee sowie eine Abneigung gegen jede Form von Unsinn. "Keiner von uns hat das Talent zum Rumalbern", sagt Koum.

Was WhatsApp ganz am Anfang konnte

Beide waren bei Yahoo angestellt, beide bewarben sich bei Facebook und wurden abgelehnt. Als Koum sich im Januar 2009 ein iPhone kaufte, fand er, dass es cool sein würde, wenn hinter den Kontakten im Telefonbuch angezeigt würde, was die gerade täten. Er wählte den Namen "WhatsApp", weil es wie die amerikanische Begrüßung "What's up?" klang. Weil die Applikation zunächst dauernd abstürzte, wollte Koum aufgeben und sich wieder einen Job suchen - doch Acton hielt ihn davon ab.

Aus den Statusmeldungen seiner Freunde - er wurde stets informiert, wenn sie etwas änderten - ergab sich quasi ein Chat. Koum implementierte in der folgenden Version eine Messenger-Komponente. Plötzlich gab es 250 000 Nutzer. Dann eine Million. Die Nutzerzahlen stiegen sogar an, als WhatsApp nach einem Upgrade - man konnte nun Fotos verschicken - einen Dollar pro Jahr vom zweiten Nutzungsjahr an kosten sollte. Mittlerweile gibt es 450 Millionen aktive Nutzer, 70 Prozent davon schauen täglich vorbei.

Koum sah sein Unternehmen stets als Antithese zum Silicon Valley. Er sträubte sich gegen Werbeflächen, er wollte die Zahl der Nutzer nicht um jeden Preis erhöhen, um die Firma dann zu verkaufen. In einem der wenigen Interviews sagte er im vergangenen Jahr: "Verkaufen ist einfach, das passiert im Silicon Valley andauernd. Jeder kann eine Firma gründen und sie dann am nächsten Tag verkaufen. Das macht dich nicht besonders, das macht dich nicht einzigartig, das macht dich nicht großartig."

Er ist immer noch ein recht humorloser Typ, dieser Jan Koum. Er traf sich in den vergangenen 18 Monaten immer wieder mit Mark Zuckerberg, am 9. Februar dann machte ihm der Facebook-Chef das Angebot, WhatsApp zu übernehmen und Koum in den Facebook-Verwaltungsrat aufzunehmen. Koum kam dann am Valentinstag zu Zuckerberg nach Hause und wollte verhandeln. Er aß dabei die Erdbeeren mit Schokolade, die eigentlich für Zuckerbergs Frau Priscilla Chan vorgesehen waren.

*Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle stand früher, das Haus in der Ukraine habe weder Wasser noch Strom gehabt. So stand es zunächst auch bei Forbes - das Magazin hat diesen Satz mittlerweile geändert.

© Süddeutsche.de/maj/bbr/rus
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