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Übernahme:Auf Kredit gekauft

Scout24

Die 24 gehört eigentlich immer dazu bei der Scout24-Gruppe. Nur der Zukauf wird sich nicht daran halten.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Scout24 kauft für 285 Millionen Euro das Kreditvergleichsportal Finanzcheck.de. Verbraucher könnten profitieren.

Die Firmen, die bislang zu Scout24 gehörten, waren relativ leicht an der Zahl zu erkennen: Autoscout24, Immobilienscout24 oder auch Financescout24, sie alle tragen am Ende die Zahl. Seit gut einem Tag nun stört der neueste Zukauf von Scout24 das altbekannte Muster. Am späten Dienstagabend und bereits nach Börsenschluss gab die Gruppe bekannt, dass man das Kreditvergleichsportal Finanzcheck.de übernehmen werde. Für das Hamburger Start-up, das 2010 gegründet wurde, zahlt das Münchner Unternehmen eigenen Angaben zufolge insgesamt 285 Millionen Euro, die größtenteils an die Gründer und einige Investoren fließen. Finanziert wird der Kauf über einen Kredit. Es ist die wohl größte Übernahme, die der deutsche Fintech-Sektor bisher gesehen hat.

Umbenennen in Finanzcheck24.de werde man das Vergleichsportal nicht, heißt es. Dafür sei die Marke zu stark. Generell bleibe das ehemalige Start-up auch in Zukunft selbständig in seiner Arbeit.

Der Portalbetreiber Scout24 verspricht sich von dem Zukauf des Start-ups, künftig mehr mit Krediten zu verdienen. Gerade der Kauf eines Autos sei zu 40 Prozent kreditfinanziert, heißt es bei Scout24. An diesem Geschäft wolle man künftig mitverdienen. Bisher arbeitet das Münchner Unternehmen im Kreditgeschäft bereits teilweise mit Finanzcheck.de

Zwar schreibt der Zukauf bisher noch Verluste, doch dürfte das Scout24 nicht stören. Sie glauben mit dem Deal einen zusätzlichen Service für den Kunden anbieten zu können. Wenn dieser schon ein Auto bei Autoscout24 kaufen will, sollte er über das Portal auch möglichst schnell an einen Kredit kommen. Weil Scout24 davon ausgeht, dass immer Menschen im Internet ihre Kreditkonditionen vergleichen, wolle man einen solchen Service direkt anbieten.

Die Übernahme bedeutet auch, dass die Konkurrenz unter den Vergleichsportalen schärfer wird. Mit einem Umsatz von etwa 35 Millionen Euro ist Finanzcheck.de immerhin eines der drei großen Kreditvergleichsportale im Internet. Die beiden größten Rivalen sind Smava und Check24, das verwirrenderweise überhaupt nichts mit Scout24 oder einem anderen 24er-Portal zu tun hat.

Für die Verbraucher dürfte der Zukauf in der ersten Zeit einige Vorteile bringen. Die Kreditvergleichsportale Smava und Check24 bekriegen sich seit Monaten gegenseitig und verschenken gar Geld, indem sie Kredite mit Minuszinsen ausgeben, um an neue Kunden zu kommen. Mit dem neuen starken Spieler auf dem Markt, könnte der Streit weiter eskalieren. Finanzcheck.de will sich allerdings aus dem Krieg heraushalten. Ein solches Geschäft sei nicht sinnvoll, sagte ein Sprecher.

Mit Blick auf die Arbeitsweise der Vergleichsportale muss sich die Situation für die Verbraucher nicht unbedingt verschlechtern. Denn im Normalfall bezahlen Kreditanbieter dafür Geld, in den Listen und Rankings der Portale besonders weit oben zu landen - oder sie bieten besonders günstige Konditionen an. Das könnte den Kunden zu Gute kommen.

Auf der anderen Seite dürften sich Verbraucher nicht zu 100 Prozent darauf verlassen, dass die Portale tatsächlich den günstigsten Kredit anbieten, sagt Niels Nauhauser, Experte für Finanzthemen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Vergleichsportale zeigen nie den ganzen Markt, sondern nur das beste Angebot der Kooperationspartner. Und auch da sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Portale auf Provisionsbasis arbeiten und nicht für den guten Zweck. "Vergleichsportale bieten niemals einen vollständigen Marktüberblick, sie sind maximal eine Krücke zur Entscheidungsfindung", sagt Nauhauser und fügt hinzu: "Aber besser eine Krücke als gar keinen Überblick." Immerhin gebe es gerade bei Krediten eine Vielzahl an Angeboten am Markt, die niemand ganz durchblicken könne.

Einen Marktvergleich, der frei vom Einfluss durch Provisionen und Werbeanzeigen ist, bietet Nauhauser zufolge nur die Stiftung Warentest.