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Übernachtungs-Plattform:Airbnb lockt Profis sogar ausdrücklich an

Die Daten erzählen eine andere Geschichte. Demnach gehören etwa 18 Prozent der auf Airbnb inserierten Wohnungen in den zehn größten deutschen Städten zu einem Vermieter, der noch mindestens eine weitere Wohnung im Angebot hat. Etwa 1290 solcher Multi-Anbieter gibt es in den zehn größten deutschen Städten, sie kommen zusammen auf mehr als 4000 Mietangebote. Mindestens 34 Anbieter auf dem deutschen Markt vermieten zehn oder mehr Wohnungen über Airbnb. Die weltweit größten Anbieter haben nach Recherchen von Buzzfeed mehr als 1000 Angebote online. Das sind womöglich Appartementhäuser, die speziell für Kurzzeitvermietungen gebaut wurden.

Airbnb lockt auf der eigenen Webseite ausdrücklich Profis an. Sie gibt Tipps "für Anbieter von professionell verwalteten Unterkünften". Diese sollen beispielsweise einen Manager ständig verfügbar halten. Auch Hotels sind ausdrücklich erwünscht, nur mehr als 25 Zimmer sollten sie nicht haben. Ebenfalls auf der Seite findet sich ein Werkzeug, mit dem interessierte Anbieter ihre möglichen Einnahmen ausrechnen können. Wer in Berlin eine Wohnung mit Platz für vier Personen vermietet, kann demnach mit 632 Euro pro Woche rechnen. Das ist deutlich mehr als ein angenehmer Nebenverdienst. Die großen Anbieter kommen geschätzt auf sechsstellige Umsätze im Jahr, wenn man die Anzahl der Bewertungen hochrechnet.

Airbnb empfiehlt Hotel-typische Zeitfenster

Mittlerweile wollen sogar Start-ups am Airbnb-Boom mitverdienen, zum Beispiel Airgreets. Für 25 Prozent Provision übernehmen die Mitarbeiter alles, was zu einer Airbnb-Vermietung gehört: Sie stellen das Inserat ein, übergeben den Schlüssel und reinigen nach der Abreise die Wohnung. Gründer Sebastian Drescher ist es wichtig zu betonen, dass sich ihr Service gerade nicht an professionelle Anbieter richtet: "Unsere Kunden wohnen auch wirklich in der Wohnung."

Airbnb empfiehlt seinen Vermietern inzwischen, Hotel-typische Zeitfenster zum Ein- und Auschecken anzubieten. In den USA steht laut der Nachrichtenagentur Bloomberg außerdem die Einführung einer Premium-Sparte kurz bevor. Wer dort inserieren möchte, muss sich zuvor von einem Airbnb-Mitarbeiter besuchen lassen, der mittels einer Checkliste die Einführung von Qualitätsstandards überprüft.

Einerseits will Airbnb der nette Nachbar sein, der nur coole Zimmer vermittelt, die eh leer stehen - und andererseits immer professioneller werden. Der Spagat wird immer größer.

© SZ vom 04.08.2017/vit

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