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Überfischung in Spanien:Kampf um den Roten Thunfisch

Der Rote Thun ist ein beliebter Speisefisch - vor allem in Japan. Das heizt das Gerangel um die Delikatesse an. Darunter leiden nicht nur die Fischer in Südspanien.

Eine Almadraba ist der Kampfplatz für die Jagd auf die Thunfisch-Schwärme. Es gibt einen Kult um das Kräftemessen zwischen Mensch und Tier.

(Foto: AFP)

Natürlich seien hier alle stolz darauf, dass ihr Heimatort Schauplatz eines Spielfilms geworden ist, sagt der Mann im Taucheranzug. Dass es in der Komödie "Thunfisch und Schokolade" von Pablo Carbonell, die vor genau einem Jahrzehnt in die Kinos gekommen ist, vor allem um Diebstahl, Betrügereien und Schmuggel geht, stört ihn nicht dabei. Denn der Film habe auch etwas anderes gezeigt: Die Gemeinschaft der Fischer hält zusammen.

Ort des Gesprächs ist ein Fischkutter auf dem Weg vom Hafen Barbate an der Costa de la Luz - der "Küste des Lichts" am Atlantik nordwestlich der Straße von Gibraltar - zu einem drei Kilometer entfernt auf dem Meeresgrund verankerten Almadraba-Netz. Das arabische Wort bezeichnet die traditionelle Fangtechnik für den Blauflossenthunfisch, den größten Vertreter der Gattung, den die Spanier wegen der Farbe seines Fleisches Roten Thun (atún rojo) nennen.

Thunfisch soll Hochzeit ermöglichen

Die Filmkomödie voller deftigen Humors, aber auch zarter, bewegender Momente handelt davon, dass die Mitglieder einer andalusischen Familie ein Prachtexemplar von Thunfisch aus dem Kühlhaus stehlen wollen, um die Hochzeitsfeier eines bislang ohne Trauschein zusammenlebenden Paares zu finanzieren.

Die kirchliche Trauung ist nötig, weil die Tochter des Paares darauf besteht, wie auch die anderen Kinder ihrer Klasse im weißen Kleid zur Erstkommunion zu gehen; doch der Pfarrer darf ein Kommunionkind aus einer wilden Ehe nicht akzeptieren. Die Nachbarn und Kollegen helfen bei der Planung des Fischdiebstahls, Gewissensbisse plagen sie dabei nicht, denn der Prachtthun war bereits an "die Japaner" verkauft.

Sushi-Boom blieb aus

Um "die Japaner" drehen sich viele Gespräche. "Sie sind unsere besten Kunden", sagt Emilio Vargas, der Kapitän des Kutters mit dem schönen Namen Enseñada - die Gelehrige. "Aber ihre große Nachfrage nach dem Roten Thun ist auch zu unserem Fluch geworden."

Zunächst hatten sich die Thunfischer nicht nur an der Costa de la Luz, sondern auch an den Küsten des Mittelmeeres die Hände gerieben, als vor drei Jahrzehnten der große Sushi-Boom einsetzte, von Japan aus vor allem die USA und dann auch die Länder nördlich der Alpen erfasste. Sie waren nun nicht mehr nur auf den kleinen einheimischen Markt mit ihren Launen und Schwankungen angewiesen. Doch das große Geschäft machten dann andere, nämlich die Zwischenhändler. So ist es bis heute geblieben.

Das Kilogramm roten Thunfischs bester Qualität kostet bei der Versteigerung in Barbate etwa fünf Euro, auf dem berühmten Fischmarkt von Tokio aber klettern die Preise schon mal über 500 Dollar.

"Es ehrt uns, dass in japanischen Spitzenrestaurants sogar Barbate als Herkunftsort ausgewiesen ist, doch viel haben wir davon nicht", sagt denn auch Nicolas Fernández Muñoz, Präsident der Vereinigung "Tausendjährige Route des Thunfischs" (Ruta milenaria del atún), die die Traditionen verteidigt, aber gleichzeitig den Fischern ihr wirtschaftliches Überleben sichern will. Denn die riesigen Gewinnspannen haben auch Unternehmen angelockt, die mit schwimmenden Fischfabriken die Bestände des Blauflossenthuns innerhalb von einem Vierteljahrhundert um mehr als 90 Prozent reduziert haben.