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Schweizer Großbanken:UBS und Credit Suisse sprechen angeblich über eine Fusion

Weltwirtschaftsforum in Davos

Skeptischer Blick: Offiziell bestätigt Axel Weber nichts. Der Verwaltungsratspräsident der UBS soll die treibende Kraft hinter den Plänen sein.

(Foto: Gian Ehrenzeller/dpa)

Es wäre ein Geheimprojekt mit Signalwirkung: Ein Zusammenschluss der beiden Schweizer Großbanken würde den europäischen Finanzmarkt verändern.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Das Projekt nennt sich wohl Signal, und wenn es stimmt, was das Schweizer Portal Inside Paradeplatz am Montag schreibt, dann wäre es nicht nur ein Signal für die Schweizer Finanzwelt, sondern auch eines für alle Banken Europas. Angeblich sprechen die Verwaltungsratschefs der Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse (CS) über eine Fusion. Käme es dazu, entstünde die größte Bank Kontinentaleuropas, wohl auf Augenhöhe mit amerikanischen Geldhäusern oder der britisch-asiatischen HSBC. Axel Weber, früher einmal Präsident der Bundesbank in Frankfurt und seit vielen Jahren Verwaltungsratschef der UBS, sei die treibende Kraft, schreibt das Portal. Weber habe sogar mit dem Schweizer Finanzminister Ueli Maurer darüber gesprochen. Auch die Schweizer Bankenaufsicht Finma sei im Bild über Webers Pläne, die laut dem Bericht bereits 2021 realisiert werden könnten.

Die beiden Banken wollten den Bericht am Montag nicht kommentieren. Weil das Schweizer Portal aber bereits einen Projektnamen und Details nannte, genügte die Nachricht, um die Aktienkurse beider Banken um zeitweise jeweils rund drei Prozent steigen zu lassen. Schließlich wäre nach einer Fusion mit einem Abbau von zehn bis zwanzig Prozent der Arbeitsplätze zu rechnen, also mit rund 15 000 oder mehr weltweit. Beide Banken sind zum Beispiel in der Schweiz stark im Geschäft mit Privatkunden vertreten, entsprechend überlappen sich die Geschäfte und entsprechend könnten auch gespart werden.

Damit wäre das Vorhaben dann auch ein Signal für den gesamten europäischen Bankenmarkt. Keines der großen Geldhäuser in Italien, Frankreich, Spanien oder Deutschland kann wirklich mit den Banken an der Wall Street mithalten. Amerikanische Geldhäuser haben zum Beispiel im Geschäft mit europäischen Konzernen teils fast schon beherrschende Marktanteile, während Europas Banken in den USA eigentlich keine wesentliche Rolle mehr spielen. Viele Finanzexperten (allerdings vor allem jene, die daran verdienen) fordern daher schon lange mehr Fusionen unter Europas Banken, am besten grenzüberschreitend.

Nachdem lange Zeiten nichts passierte, gaben nun in Spanien die beiden großen Institute Caixabank und Bankia ihre Fusionspläne bekannt. Rückstellungen für die Folgen der Corona-Pandemie hatten dort den Druck erhöht. Auch die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank hatten unlängst signalisiert, die Bedingungen für Bankfusionen zu lockern. In Deutschland war ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank gescheitert.

Weber könnte länger bleiben

Die Fusion in der Schweiz käme nur ein Jahr nachdem die UBS Iqbal Khan, einen der zuvor aussichtsreichsten Anwärter für den Chefposten bei der Credit Suisse abwerben konnte. Daraufhin hatte die Credit Suisse ihren früheren Top-Manager beschatten lassen - ein Krimi, der den Schweizer Finanzplatz wochenlang in Atem gehalten hatte. Khan dürfte nun wertvolle Einblicke in die Bücher seines alten Arbeitgebers zu seinem neuen mitgenommen haben. Angenehmer Nebeneffekt der Fusion für Axel Weber: Er könnte länger als 2022 Präsident der neuen Schweizer Superbank bleiben, wie Inside Paradeplatz schreibt. Eigentlich hatte Weber spätestens in zwei Jahren abtreten wollen.

Fraglich ist allerdings, ob die Schweizer Kartellbehörde das Vorhaben akzeptiert. Gemeinsam hätten UBS und CS auf den Massenkundenmarkt der Schweiz eine dominante Stellung. Die Raiffeisenbanken sind in der Schweiz zwar ebenfalls gut vertreten, aber längst nicht so marktbeherrschend wie Sparkassen und Volksbanken in Deutschland. Auch die Schweizer Finanzaufsicht muss ihr Placet geben, was ebenfalls kein Selbstgänger sein dürfte. Im Falle einer Pleite müsste das Rieseninstitut wohl mit horrenden Beträgen staatlich gerettet werden - womit die Schweizer in der Finanzkrise bereits leidvolle Erfahrung gemacht haben.

© SZ vom 15.09.2020

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