UberWenn der Ruf ruiniert ist

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Die Journalistin und Gründerin Arianna Huffington ist seit dem vergangenen Frühjahr auch Mitglied des Verwaltungsrats bei Uber.
Die Journalistin und Gründerin Arianna Huffington ist seit dem vergangenen Frühjahr auch Mitglied des Verwaltungsrats bei Uber.
Slaven Vlasic/Getty

Der Taxi-Konkurrent hat bereits ein miserables Image, jetzt wirft eine ehemalige Mitarbeiterin der Firma Sexismus vor. Uber verspricht Aufklärung. Helfen soll dabei Arianna Huffington.

Von Caspar Busse, München

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Im vergangenen Sommer hatte sie ihren Rücktritt als Chefredakteurin der Onlinezeitung Huffington Post bekannt gegeben. Ihrer Popularität tat das keinen Abbruch: Arianna Huffington, 66, sucht noch immer die große Bühne. Die Journalistin wurde in Athen geboren, wuchs dort in ärmlichen Verhältnissen auf, ging dann für das Studium in die USA und machte Karriere - als Zeitungsgründerin, Buchautorin und Talkshow-Gast. Jetzt hat sie eine ziemlich heikle Aufgabe übernommen. Sie soll bei der Aufklärung von massiven Sexismus-Vorwürfen bei Uber helfen.

Seit nicht mal einem Jahr ist Huffington auch Mitglied des Verwaltungsrates bei dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler im Silicon Valley. Sie werde eine unabhängige Untersuchung der gesamten Affäre leiten, schrieb Huffington bei Twitter. Und dann teilte sie ihren rund 2,6 Millionen Followern am Sonntagabend sogar ihre E-Mail-Adresse mit, damit sich Betroffene melden können. Man könne sie direkt anschreiben, so Huffington. Uber-Gründer und -Chef Travis Kalanick teilte mit, Huffington habe dabei seine volle Unterstützung.

Die Personalabteilung soll alle Beschwerden ignoriert haben

Die Vorwürfe sind durchaus massiv, eine frühere Mitarbeiterin wirft dem Unternehmen eine "Kultur voller Sexismus" vor. Das Image von Uber ist ohnehin ziemlich ruiniert. Immer wieder wird das doch rabiate Vorgehen der Amerikaner bei ihrer weltweiten Expansion kritisiert, vor allem gegen andere Taxifahrer. Gesetzliche Regelungen wurden bewusst missachtet, die Uber-Fahrer arbeiten unter harten Bedingungen. In Deutschland gab es juristische Auseinandersetzungen. Auch die Uber-Führungskräfte fielen durch ungebührliches Verhalten auf. Top-Manager Emil Michael etwa hatte vor gut zwei Jahren öffentlich überlegt, man könne kritische Journalisten ausforschen, um Material gegen sie in der Hand zu haben. Kalanick selbst bezeichnete die Konkurrenz mal öffentlich als "ein Arschloch namens Taxi".

Zudem stand der Uber-Chef in der Kritik, weil er im Wirtschaftsrat des neuen US-Präsidenten Donald Trump saß. Daraufhin meldeten sich geschätzt 200 000 Uber-Kunden ab. Kalanick gab den Posten schließlich auf. "Der Gruppe anzugehören, sollte nicht bedeuten, Unterstützer des Präsidenten oder seiner Agenda zu sein", schrieb Kalanick danach in einer E-Mail an seine Belegschaft.

Nun also die Vorwürfe über sexuelle Belästigung. Die Software-Entwicklerin Susan Fowler beschrieb in einem Blogeintrag am Wochenende unter anderem, wie ihr Vorgesetzter sie am ersten Arbeitstag mit einem Sex-Angebot angeschrieben habe. Als sie sich bei der Personalabteilung beschwert habe, sei ihr angeboten worden, in einen anderen Bereich zu wechseln, weil der Manager zu wertvoll sei, um ihn zu bestrafen oder zu entlassen. Dabei hätten auch andere Frauen diese Erfahrung gemacht. Auch später sei sie immer wieder auf Sexismus gestoßen, zum Beispiel, als für 120 Männer in einem Team Lederjacken bestellt worden seien, aber nicht für die sechs Frauen, weil es dafür keinen Mengenrabatt gegeben habe. Die Personalabteilung habe ihre Beschwerden über Benachteiligungen ignoriert und erklärt, sie sei das eigentliche Problem. Man habe ihr auch erklärt, Vorgesetzte nicht für etwas belangen zu wollen, was vielleicht nur ein "unschuldiger Fehltritt" gewesen sei.

Fowler schrieb weiter, während ihres Jahres bei Uber sei der Anteil von Frauen in ihrem Bereich mit 150 Mitarbeitern von 25 Prozent auf drei Prozent gesunken. Neben den Sexismus-Beispielen schilderte sie auch, wie Manager einander bewusst schadeten, um schnell Karriere zu machen. Das habe für Chaos gesorgt und die Arbeit behindert. Fowler wechselte Anfang des Jahres zum Bezahldienst Stripe.

"Was hier beschrieben wurde, ist abscheulich und widerspricht allem, woran wir glauben. Jeder, der sich so verhält oder glaubt, dass es okay ist, wird gefeuert", schrieb Kalanick. Er beauftragte die neue Personalchefin Liane Hornsey, die Vorwürfe zu prüfen. In der von Männern dominierten Technologie-Branche, vor allem in den USA, klagen viele Frauen über Belästigung und Frauenfeindlichkeit. Zugleich wächst aber der Druck auf Firmen im Silicon Valley, für mehr Vielfalt in ihren Belegschaften zu sorgen. In den vergangenen Jahren sorgte unter anderem die Klage von Ellen Pao gegen ihren früheren Arbeitgeber, die Risikokapital-Firma Kleiner Perkins, für Aufsehen. Pao konnte die Geschworenen jedoch nicht davon überzeugen, dass sie in ihrer Karriere benachteiligt wurde, weil sie eine Frau ist. Die neuen Vorwürfe gegen Uber sind aber drastischer als bisherige Fälle, weil sie das Bild von einem Unternehmen zeichnen, in dem Sexismus zum System gehört. Bei Twitter formiert sich unter #DeleteUber ("lösche Uber" ) schon länger Widerstand gegen das Unternehmen

© SZ vom 21.02.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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