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Uber:Kampf gegen Sexismus

Erst vergangene Woche hat Bozoma Saint John bei Apple gekündigt. Sie macht künftig Marketing für Uber.

(Foto: oh)

Apples frühere Marketing-Chefin Bozoma Saint John soll das ramponierte Image von Uber aufpolieren. Jetzt gibt es erste Konsequenzen: 20 Mitarbeiter müssen gehen.

Von Kathrin Werner, New York

Bozoma Saint John hat keine leichte Aufgabe vor sich. Erst in der vergangenen Woche hat sie ihren Posten als Marketing-Managerin bei Apple gekündigt - also bei einem großen Konzern, den die Menschheit im Schnitt eher liebt als hasst. Jetzt wechselt sie zu Uber, dem genauen Gegenteil. Der Fahrdienstvermittler hat sich binnen weniger Monate vom heißesten und meistbeachteten Start-up San Franciscos zu einem PR-Desaster von globalem Ausmaß entwickelt. Saint John soll es nun richten, die 40-Jährige übernimmt den neu geschaffenen Posten der Markenchefin. "Ich weiß, worauf ich mich einlasse", sagte sie dem Magazin Recode. Es sei eine spannende Herausforderung, in dieser Zeit die Wahrnehmung von Uber zu formen. "An den Dingen, die bereits bei Uber passiert sind, kann ich nicht viel ändern."

Uber steckt mitten in einem großen Umbau, der in erster Linie die Kultur ändern und damit das ramponierte Image retten soll, bevor es zu spät ist. Seit eine ehemalige Programmiererin des Fahrdienstvermittlers einen Blogeintrag über systematische Diskriminierung und Missmanagement verfasst hat, der viel Aufmerksamkeit erregte, hat Uber geschworen, sich zu ändern. Uber heuerte den ehemaligen US-Justizminister Eric Holder und dessen Kanzlei Covington & Burling an, um die Vorwürfe von einer unabhängigen Instanz untersuchen zu lassen.

Jetzt gibt es erste offizielle Konsequenzen: 20 Mitarbeiter, denen Belästigung, Diskriminierung und unangemessenes Verhalten vorgeworfen wurden, müssen gehen. Sieben weitere Angestellte haben "letzte Warnungen" erhalten, teilte Uber mit. 31 Mitarbeiter seien außerdem in Schulungen geschickt worden. In 57 Fällen seien die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Bei der Anwaltskanzlei sind mehr als 200 Beschwerden eingegangen, die bis in das Jahr 2012 zurückreichten.

Die sexistische Unternehmenskultur ist eines von mehreren Problemen, mit denen das Start-up gerade ringt. Uber-Chef Travis Kalanick wurde heftig kritisiert, weil er sich in ein Beratergremium für US-Präsident Donald Trump berufen ließ. Viele Kunden kündigten außerdem ihre Konten, weil die Uber-Fahrer angeblich einen Streik der New Yorker Taxi-Fahrer brachen, die gegen Trumps Einreiseverbot für Menschen aus muslimischen Ländern protestierten. Uber hat außerdem einige wichtige Manager verloren, weil sie gekündigt haben oder Uber ihnen kündigen musste, darunter auch Finanzvorstand Gautam Gupta. Die Google-Schwesterfirma Waymo klagt außerdem gegen das Unternehmen, weil es von ihr gestohlene Technologie für selbstfahrende Autos nutze. Ubers Umsatz wächst trotzdem weiter rasant, allerdings schreibt das Unternehmen Verluste.

© SZ vom 08.06.2017

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