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Fahrdienst:Die Amazon-Lehre: Wenn man groß genug ist, kommt der Profit von alleine

Uber unveils details about its flying taxi project and the future of urban transportation at a two-day conference

"Autos sind für uns, was Bücher für Amazon waren“, sagt Uber-Chef Dara Khosrowshahi. Das Unternehmen arbeitet auch an Flugtaxis.

(Foto: Robyn Beck/AFP)

In all den Jahren formte Bezos aus dem Buchhändler, als der Amazon anfing, eine Plattform, die praktisch alles verkauft und zum Synonym wurde fürs Einkaufen im Internet. Heute, so scheint es, ist Amazon unangreifbar. Und jetzt wird kassiert.

Es ist eine Geschichte, die gut klingt in den Ohren von Investoren. Die Amazon-Aktie ist heute fast hundert Mal so viel wert wie bei ihrem Start 1997.

Und tatsächlich ist der Vergleich mit Amazon mehr als nur das Wedeln mit einem großen Namen. Khosrowshahi hat seit seinem Amtsantritt vor bald zwei Jahren das Angebot von Uber massiv ausgeweitet. Sehr erfolgreich mit einem Umsatz von fast 1,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist schon heute Uber Eats, ein Service, bei dem die Fahrer nicht die Kunden kutschieren, sondern ihnen Essen aus Restaurants liefern. Überrascht waren die Fondsmanager bei Ubers Roadshow von Khosrowshahis Ausführungen zu Uber Freight. Das ist eine Plattform, die den Kontakt zwischen Firmen und Truckern herstellt. Obwohl gerade einmal zwei Jahre alt, machte Uber Freight im letzten Quartal 2018 schon einen Umsatz von 125 Millionen Dollar und erreichte etwa 400 000 Fahrer. 2018 dann kaufte Uber Jump, einen jungen Anbieter von Elektro-Rollern und Fahrrädern.

Schon im vergangenen Herbst sprach Khosrowshahi auf einer Konferenz davon, Uber von einem Fahrdienstleister zu einer Mobilitätsplattform umzumodeln. Denn nicht immer sei es sinnvoll, in ein Auto zu steigen. "Autos sind für uns, was Bücher für Amazon waren", sagte er. Das Uber, wie wir es kennen, soll also nichts als der Anfang einer viel größeren Sache sein. Das klingt nach Wachstum, einem Zauberwort für Investoren.

Der Traum hat einen Namen: Uber Everything

Künftig sollen Nutzer ihr Anliegen in die Uber-App tippen, um vom Fahrrad über den E-Roller bis hin zum Mietwagen die besten Lösungen angeboten zu bekommen. Wer oder was auch immer transportiert werden muss: Uber soll der Partner dafür sein. Die Branche hat für diesen Traum schon einen Namen: Uber Everything.

Und wenn die Firma damit möglicherweise eigene Angebote kannibalisiert? Völlig egal, sagt Khosrowshahi: "Uber muss sogar erfolgreiche eigene Sparten schädigen, wenn es dem Kunden dient, der dadurch ein besseres Angebot erhält". Alles für den Kunden, und wenn man groß genug ist, kommt der Profit von alleine: Es ist die reine Amazon-Lehre.

Was diese Erzählung elegant unterschlägt: Ubers Verluste betragen ein Vielfaches dessen, was Amazon jemals an Minus erwirtschaftet hat. Und wer die Unterlagen genau studiert, die Uber bei der Börsenaufsicht eingereicht hat, der findet nicht nur eine deutliche Warnung vor diesen "bedeutsamen Verlusten seit der Gründung", sondern auch diesen Hinweis: "Möglicherweise erreichen wir in der absehbaren Zukunft keine Profitabilität."

Man kann das als Kleingedrucktes abtun. Oder als Hinweis darauf, dass nicht einmal Uber selbst eine klare Vorstellung davon hat, wie es einmal Gewinn machen könnte. Denn noch ist es völlig unklar, wann in nennenswertem Umfang autonome Autos die Uber-Fahrer überflüssig machen. Bislang ist es deren Verdienst, der Uber zu einem Verlustgeschäft macht. Bei vielen Fahrten nämlich erhält der Fahrer mehr, als der Kunde zahlt. Selbstlenkende Fahrzeuge würden das auf einen Schlag ändern.

Die meisten Beobachter erwarten, dass Uber den endgültigen Ausgabepreis seiner Aktien an diesem Donnerstag bekanntgibt und die Papiere am Freitag zum ersten Mal an der Börse gehandelt werden. An diesem Tag werden Anleger wohl etwa weitere neun Milliarden Dollar in das Unternehmen stecken.

Es dürfte eine enorme Wette darauf werden, dass Uber irgendwann durch seine schiere Größe aus dem menschlichen Bedürfnis nach Mobilität und Transport Profit schlägt.

© SZ vom 02.05.2019/vwu
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