Börsengang Uber hat's versemmelt

Vor ein paar Monaten noch hatte es geheißen, dass der Ausgabekurs bei 75 Dollar liegen könnte, Uber war als einzigartiges Unternehmen gefeiert worden. Doch der Börsengang endete desaströs.

(Foto: Josh Edelson/AFP)

Das Timing des Börsengangs war schrecklich, die Botschaft unrealistisch optimistisch und die Geschäftszahlen ernüchternd. Da hilft Uber selbst der grenzenlose Silicon-Valley-Optimismus nichts.

Kommentar von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Dara Khosrowshahi hat eine E-Mail verschickt am Montagmorgen. Sie klingt wie die Durchsage eines Kapitäns an seine verzweifelten Seeleute, dass die Risse im Rumpf des Schiffes so schlimm nicht seien. Klar, den einen Eisberg habe man unterschätzt und den anderen noch nicht einmal gesehen, aber sinken, nein, sinken werde dieses Schiff auf gar keinen Fall. Der Chef des Fahrdienstvermittlers Uber musste die Mitarbeiter offensichtlich beruhigen nach dem desaströsen Börsengang am Freitag, der einen Absturz der Aktie am Montag auf fast 19 Prozent unter dem Ausgabepreis von 45 Dollar nach sich gezogen hatte. Und er tat es, wie sie das in Kalifornien immer tun: mit grenzenlosem Optimismus.

"Wenn die Stimmung auf dem Markt negativ ist, dann werden die pessimistischen Stimmen stets lauter, die Optimisten halten sich zurück", heißt es in der Mail, die der New York Times zugespielt wurde. "Denkt daran, dass sich Facebook und Amazon nach ihren Börsengängen auch schwer getan haben - und schaut euch an, wie die seitdem abgeliefert haben. Unser Weg wird der gleiche sein."

Wäre Khosrowshahi ehrlich gewesen, dann hätte er geschrieben: Diesen Börsengang haben wir so versemmelt, dass es jeder Beschreibung spottet.

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Das Desaster beginnt mit dem Börsengang selbst, der hastig und offenbar unter dem Druck der Investoren vorbereitet worden war. Vor ein paar Monaten noch hatte es geheißen, dass der Ausgabekurs bei 75 Dollar liegen könnte, Uber war als einzigartiges Unternehmen gefeiert worden. Die misogyne Firmenkultur, das freche Umgehen von Verboten, das rücksichtslose Abwerben von Experten und das Ausspähen von Konkurrenten waren nicht besonders problematisch, weil die Grundbotschaft zum grenzenlosen Optimismus im Silicon Valley passte: Wir haben mit unserer Idee den Personentransport revolutioniert, mit der Vision von fahrerlosen Taxis werden wir die Welt verändern und damit viel Geld verdienen.

Was nicht passte, das waren die Zahlen, die während der Vorbereitungen auf den Börsengang öffentlich wurden: In den vergangenen drei Jahren hat Uber Verluste in Höhe von mehr als zehn Milliarden Dollar eingefahren. Es hieß, dass Uber frisches Kapital ganz gut gebrauchen könne, und dass wegen der Furcht vor einem Crash ein rascher Börsengang ratsam wäre. Vor der sogenannten Roadshow, dem Werben um mögliche Investoren, wurde ein Ausgabekurs von 60 Dollar für möglich gehalten. Immerhin.

Bei den Gesprächen mit Investoren soll Khosrowshahi selbstbewusst aufgetreten sein, genau wie in der E-Mail an die Mitarbeiter soll er Uber mit Facebook und Amazon verglichen haben. Es soll ihm allerdings nicht wirklich gelungen sein, die durchaus berechtigten Fragen zu beantworten: Ob das mit den fahrerlosen Taxis in urbanen Gegenden tatsächlich so rasch möglich sein würde, woher Uber eigentlich seine Taxiflotte bekommen würde (derzeit stellen die selbständigen Fahrer ihre eigenen Autos zur Verfügung), und wie es denn bitteschön den Konkurrenten Lyft loswerden wolle - der bei seinem Börsengang Ende März ebenfalls einen Absturz erlebt hatte.

Was die Firma nun bräuchte, wäre eine kurz- und mittelfristige Strategie

Natürlich kann die Firma nichts dafür, dass die ohnehin nervösen Anleger durch die Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA noch ein bisschen nervöser geworden sind, und dass der Index Dow Jones am Montag den heftigsten Rückgang seit vier Monaten erlebte. Der holprige Start an der Börse muss auch nicht unbedingt ein Indikator für die langfristige Entwicklung des Unternehmens sein - es sind ja wirklich nur ein paar Risse im Rumpf und keine gefluteten Decks.

Uber hat diesen Börsengang dennoch ordentlich versemmelt: Das Timing war schrecklich, die Botschaft unrealistisch optimistisch, die Geschäftszahlen ernüchternd. Was die Firma nun bräuchte, wäre eine Strategie, wie sich die langfristige Vision über kurz- und mittelfristige Erfolge realisieren lässt - so, wie es die Vorbilder Facebook und Amazon getan hatten. Wer die Mail von Khosrowshahi liest, der bemerkt jedoch, und das ist das wirklich Beunruhigende an der ganzen Sache: Es gibt zwar viele inspirierende Worte - doch ein strategischer Ansatz fehlt.

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Uber hat diesen Börsengang ordentlich versemmelt: Das Timing war schrecklich, die Botschaft unrealistisch optimistisch, die Geschäftszahlen ernüchternd, kommentiert SZ-Autor Jürgen Schmieder.