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Fahrdienstleister:Uber stemmt Mega-Börsengang - und enttäuscht trotzdem

Uber-Logo am Hauptquartier in San Francisco

Uber hat einen der größten Börsengänge der Geschichte gestemmt - mit dem Schönheitsfehler, dass das Unternehmen vor ein paar Wochen noch deutlich mehr Geld eingenommen hätte.

(Foto: dpa)
  • Der Fahrdienstvermittler Uber hat seine Aktien weniger erfolgreich bei Investoren platziert als erhofft.
  • Die Firma erlöst bei ihrem Börsengang etwa 8,1 Milliarden Dollar - fast eine Milliarde weniger als erwartet.
  • Trotz allem ist es der wohl größte Börsengang es Jahres - und einer der größten der Geschichte.

Am Ende war es einfach Pech, doch dieses Pech wird Uber wohl die eine oder andere Milliarde kosten. Das Unternehmen hat seine Aktien nicht so erfolgreich wie erhofft bei Investoren losschlagen können. Uber setzte den Ausgabepreis je Aktie auf 45 Dollar fest und bewegt sich damit am unteren Ende der anvisierten Preisspanne von 44 bis 50 Dollar. Mit 8,1 Milliarden Dollar (7,2 Milliarden Euro) erlöst die Firma damit fast eine Milliarde weniger als erhofft. Mit Spannung wird nun erwartet, wie die Aktien sich am Freitag beim ersten Handelstag an der New York Stock Exchange schlagen.

Trotz allem ist es immer noch einer der größten Börsengänge der bisherigen Geschichte und voraussichtlich der größte des Jahres 2019. Mit dem Schönheitsfehler, dass das Unternehmen vor ein paar Wochen eben noch mehr Geld eingenommen hätte. Angesichts der schlechten Stimmung am Markt hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Nachfrage nach den Papieren eher verhalten sein dürfte. Zu Handelsbeginn am Freitag ist das Unternehmen 75,5 Milliarden Dollar wert - ein enormer Wert für ein zehn Jahre altes Unternehmen, aber eben auch weit entfernt von den 120 Milliarden Dollar, von denen die beteiligten Investmentbanker noch vor wenigen Monaten sprachen.

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Wichtigster Grund für die Preisreduktion war wohl ausgerechnet das Abschneiden von Ubers stärkstem Konkurrenten Lyft. Das ebenfalls aus San Francisco stammende Unternehmen war Uber beim Börsengang um ein paar Wochen zuvorgekommen - und hat nach starkem Start seither nur verloren. Die Aktien waren zuletzt fast ein Viertel weniger wert als am ersten Handelstag. Kein gutes Omen für Uber, das zwar viel größer ist als Lyft, aber eben auch ein identisches Geschäftsmodell verfolgt.

Hinzu kommt Pech beim Timing, da seit einigen Tagen auch noch eine generell schlechte Stimmung an den Börsen herrscht, ausgelöst durch US-Präsident Trumps Verschärfung des Handelskriegs mit China.

Aber es gibt auch hausgemachte Probleme, die den Börsenstart erschwerten. Vor zehn Tagen legte Uber vorläufige Zahlen fürs erste Quartal vor. Und die waren nicht gut. So stieg der Umsatz um 20 Prozent, ein Traum für die allermeisten Unternehmen, aber eine Enttäuschung im Vergleich zu den 42 Prozent, um die Ubers Umsatz im Jahr 2018 gewachsen war. Und dann machte das Unternehmen in der ersten drei Monaten des Jahres auch noch einen Verlust von einer Milliarde Dollar.

Wird Uber jemals profitabel?

Bei Uber wie auch bei Lyft bestehen anhaltende Zweifel, ob ihre Geschäfte überhaupt jemals profitabel laufen können. Jedenfalls, solange Menschen die Autos steuern und nicht Roboter. Und wann das Wirklichkeit wird, vermag niemand zu sagen.

Zu allem Überfluss streikten am vergangenen Mittwoch auch noch Uber-Fahrer in mehreren Städten rund um die Erde. Die Aktion wird Uber finanziell kaum geschmerzt haben, aber sie lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit einmal mehr auf ein strukturelles Problem in Ubers Geschäftsmodell: Die etwa drei Millionen Menschen nämlich, die für Uber die Arbeit verrichten und mit ihren eigenen Autos Chauffeurdienste leisten, sind nicht angestellt, sondern selbständig. Eine Konstruktion, die für Uber sehr vorteilhaft sein mag, von Gewerkschaftern und Arbeitsrechtlern aber immer wieder kritisiert wird. Zumindest dürfte der Druck auf Uber, seinen Fahrern einen höheren Anteil an den Umsätzen zuzugestehen, nun eher noch wachsen.

In den kommenden Tagen werden viele Menschen den Aktienkurs von Uber genau beobachten. Denn im Silicon Valley wartet eine ganze Generation von Tech-Unternehmen auf ein Signal durch diesen lang erwarteten Mega-Börsengang: Läuft es gut für Uber, dürften in den kommenden Monaten viele weitere Firmen an die Börse gehen. Läuft es schlecht, werden viele ihre Pläne erst mal auf Eis legen.

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