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U-Boote:Airbus der Meere

French industrial group DCNS wins contract to build Australia's s

Große U-Boote der Barracuda-Klasse sind die Spezialität der Franzosen. Das sicherte ihnen vor Kurzem eine Bestellung aus Australien.

(Foto: dpa)

Der französische Schiffbauer DCNS hat Thyssen-Krupp einen Auftrag weggeschnappt. Nun bietet er den Deutschen eine Fusion an.

Andreas Loewenstein war einmal Deutscher. Heute ist er französischer Staatsbürger. Und wenn der Strategievorstand des französischen Kampfschiffbauers DCNS in Paris zum Frühstück empfängt, dann gibt es das Beste aus beiden Ländern: Croissants und Vollkornbrötchen. Ähnlich gut, findet der Rüstungsmanager, wäre eine Kombination seines Konzerns mit dem deutschen Dauerrivalen, dem militärischen Schiffbau von Thyssen-Krupp - obgleich DCNS den gerade erst in einem heftigen Bieterkampf um einen U-Boot-Auftrag in Australien besiegt hat.

Loewenstein macht Avancen, die auf eine Allianz abzielen: "Wir sind bereit für Gespräche, sobald die deutsche Seite den Verlust überwunden hat", sagt er im Gespräch mit deutschen Journalisten. "Wir haben keinen hegemonialen Anspruch. Wir sind bereit, der deutschen Seite eine strategische Position zu garantieren." Loewenstein zufolge könnte eine Annäherung sachte beginnen, etwa mit einer Gemeinschaftsfirma zum Bau von kleinen Serviceschiffen. Ohne dass er es explizit ausspricht, wird aber auch klar: Bei DCNS kann man sich noch viel mehr vorstellen - also eine Fusion oder eine Übernahme.

"Ziel muss sein, eine langfristig lebensfähige europäische Industrie zu bauen", so Loewenstein. Eine Art Airbus der Meere. Loewenstein weiß, wovon er spricht: Er hat einst bei EADS die Fusion europäischer Unternehmen zu dem Luftfahrtfahrtkonzern betreut. Seit 2010 ist er bei DCNS - wo er, wie er sagt, als gebürtiger Deutscher genau dafür eingestellt wurde, um auch bei den Kampfschiff-Herstellern die europäische Einigung voranzutreiben.

So ein Marinebündnis ist schon seit Jahren immer wieder ein Thema. Es würde auf deutscher Seite auch die Interessen kleinerer Werften wie Lürssen berühren. Im Mittelpunkt steht aber der Geschäftsbereich Marine Systems von Thyssen-Krupp. Der Ruhrkonzern leidet im angestammten Stahlgeschäft unter einer heftigen Krise. Für Unternehmenschef Heinrich Hiesinger stellt sich da die Frage, ob er die Werften in Kiel, Hamburg und Emden zum Kerngeschäft zählt.

Russische und asiatische Wettbewerber verdrängen die Europäer

Bedeutung für eine deutsch-französische Allianz hat auch die Branchensituation bei Kriegsschiffen: Europas Werften können angesichts knapper Verteidigungsbudgets immer weniger mit Aufträgen der eigenen Regierungen rechnen. Am Weltmarkt haben Rüstungsgüter in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen zwar Hochkonjunktur. Davon profitieren jedoch andere. So ist etwa der DCNS-Konzern - der größer ist als das Pendant bei Thyssen-Krupp - Loewenstein zufolge trotz einer Umsatzsteigerung von zwei auf drei Milliarden Euro in der Rangliste der Kampfschiffbauer zuletzt vom fünften auf den achten Platz abgerutscht. Russische und asiatische Wettbewerber verdrängen die Europäer. Zugleich wächst der Kapitalbedarf für die von den Kunden geforderte Hightech-Elektronik. "Die Frage ist angesichts hoher Investitionen in Technologie, wie viele von uns überleben", sagt Loewenstein. "Es kann gut sein, dass die Kleinen verschwinden." Zusammen aber hätten DCNS und Thyssen-Krupp Marine Systems ein "starkes Produktportfolio" - wobei die deutsche Stärke bei kleinen, konventionellen U-Booten liegt. DCNS baut dagegen auch große U-Boote und bemüht sich um weitere Ertragsquellen, so im Geschäft mit Gezeitenkraftwerken. Der Konzern, der mehrheitlich dem Staat gehört, wurde seit 2003 von 30 000 auf 12 800 Mitarbeiter verkleinert und ist profitabel.

Loewensteins Zusicherung einer "strategischen Position" für die Deutschen dürfte darauf abzielen, Ängste um Standorte und Arbeitsplätze zu dämpfen und die Versuchung einer rein deutschen Lösung zu konterkarieren: Seit einigen Jahren bemüht sich Rheinmetall um den Kauf der Thyssen-Krupp-Tochter. Bisher vergebens.

Doch auch die Gespräche mit den Franzosen ruhten zuletzt. DCNS sei ein "nicht besonders einfacher Gesprächspartner", heißt es bei Thyssen-Krupp. Und es fehle derzeit die politische Unterstützung, die für ein Rüstungsbündnis unabdingbar ist. Also betreibe Thyssen-Krupp das kleine Marinegeschäft, von dem es heißt, es verdiene noch gut, einfach weiter. Sollte sich wirklich die Option eines Gemeinschaftsunternehmens eröffnen, wäre Hiesinger aber mit großer Wahrscheinlichkeit dabei. Rüstungsprojekte hängen - anders als Anlagenbau und Aufzüge - von der Politik ab und laufen über Jahrzehnte. Das passt auf die Dauer nicht in Hiesingers Konzept.

Deutsch-französische Rüstungsdeals sind schwierig, wenngleich Loewenstein beteuert, er habe viel aus der konfliktbeladenen Anfangsphase bei EADS gelernt. Frankreich hat weniger strenge Regeln für die Ausfuhr von Kriegsgerät. Das stellt die Bundesregierung bei Allianzen, die gerade auf eine stärkere Stellung am Weltmarkt zielen, vor heikle Fragen, wie sich zuletzt bei der deutsch-französischen Panzerfusion von Krauss-Maffei-Wegmann und Nexter zeigte. Zudem haben die Streitkräfte beider Länder unterschiedliche Anforderungen an Schiffe: Die Franzosen müssen riesige Seegebiete im Pazifik schützen und nutzen dazu auch Atom-U-Boote.

Just diese U-Boote der Barracuda-Klasse verursachten Ärger zwischen Deutschen und Franzosen, als sie sich um den 34 Milliarden Euro großen Auftrag in Australien stritten: In deutschen Medien wurde kolportiert, die Franzosen hätten den Zuschlag erhalten, weil sie unaufgefordert eine Option eingeräumt hätten, die U-Boote ebenfalls mit Nuklearantrieb auszustatten. Loewenstein dementiert: "Die Option ist nicht angeboten worden." Dagegen bestätigt er, dass DCNS aus dem Bieterprozess ausgestiegen ist, in dem der Konzern mit Thyssen-Krupp um einen Milliardenauftrag der Bundeswehr konkurrierte. Die Ausschreibung, heißt es bei DCNS, sei zu komplex gewesen, um in kurzer Frist ein seriöses Angebot zu unterbreiten. Und: Die Unterlagen waren auf Deutsch. Auch dieses Problem hätten die Franzosen in einem Bündnis mit Thyssen-Krupp nicht mehr.