bedeckt München 22°

Twitter:Hit the road, Jack

Jack Dorsey, 43, zeigte schon früh Interesse am Programmieren. Vor 14 Jahren gründete er mit Biz Stone und Evan Williams den Kurnachrichtendienst Twitter. Davor verdiente er sich unter anderem auch als Mannequin Geld.

(Foto: Francois Mori/AP)

Ein Investor und Trump-Unterstützer will Twitter-Chef Dorsey loswerden. Der ist umstritten, möglicherweise spielt aber auch Politik mit.

Wozu Pressekonferenzen mit Journalisten, die einem nicht alle gewogen sind? Warum sich diesen Tort antun, wenn man seine Botschaften auch ungefiltert raushauen kann? Und das, ohne dass der Pressesprecher mäßigend oder möglicherweise auch sachkundig eingreifen kann. So funktioniert die Twitterkratie des amerikanischen Präsidenten Trump - Regieren mithilfe des Kurznachrichtendienstes. Und man kann sagen: So wichtig war Twitter noch nie. Auch geschäftlich lief es besser im vergangenen Quartal.

Alles gute Gründe dafür, dass der Hedgefonds Elliott des Milliardärs Paul Singer in großem Stil bei Twitter eingestiegen ist. Singer wird im Börsenjargon als aktivistischer Investor bezeichnet, er steckt also nicht bloß Geld in eine Firma und sieht dann zu, was deren Management damit macht. Er mischt sich ein, und das nicht zu knapp. Gerüchte, dass er es darauf anlegt, Jack Dorsey, Gründer und Chef von Twitter, aus der Firma zu drängen, klingen da durchaus plausibel.

Die Frage ist eher, warum. Dorsey ist bekanntermaßen nicht unumstritten. Häufig gesehen wurde er in der Firmenzentrale in San Francisco zuletzt nicht. Er jettete stattdessen durch die Welt, besuchte die Niederlassungen von Twitter in verschiedenen Regionen der Erde. Twitter, rechtfertigte er seine Reisetätigkeit, sei schließlich eine global operierende Firma, da müsse er auch gucken, wie es so läuft. Und zu allem Überfluss hat er nun auch noch angekündigt, er werde demnächst für drei bis sechs Monate nach Afrika ziehen.

Dabei hat Dorsey ja nicht bloß Twitter am Hals, sondern leitet auch noch eine zweite Firma: Den Online-Bezahldienst Square. Diese Doppelrolle, die auch eine doppelte Belastung mit sich bringt, ist schon in der Vergangenheit häufiger kritisiert worden. Sie könnte nun auch ein weiterer Grund sein für Singer zu versuchen, ihn als Chef loszuwerden und jemanden zu installieren, der imstande wäre, mit Twitter auch Geld zu verdienen und den Dienst weiterzuentwickeln.

Doch Paul Singer ist nicht bloß Investor und Milliardär, sondern auch Großspender der Republikaner. Zunächst gehörte er zwar zu denen, die verhindern wollten, dass der Immobilien-Mann und TV-Star Trump Präsident wird. Doch schwenkte er um, als es auf Trump zulief. Daher gibt es auch Mutmaßungen, der Versuch, Einfluss auf Twitter zu gewinnen, habe politische Hintergründe.

© SZ vom 05.03.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite