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Twitter-Fragestunde von JP Morgan:"Warum hielten Sie das für eine gute Idee?"

Junge Kunden wollte man gewinnen. Stattdessen geriet die Fragestunde, zu der die Investmentbanker von JP Morgan unter dem Twitter-Hashtag #AskJPM aufriefen, zum peinlichen Social-Media-Desaster. Bis ein User die alles entscheidende Frage stellt.

Als der Pressesprecher von JP Morgan am Mittwochmorgen einen ersten kurzen Blick auf den Twitter-Account seiner Firma warf, wird er im ersten Moment vielleicht noch gelächelt haben. Er wird gedacht haben: Na, da hat sich aber jemand ganz schön vertan. "Mögen Sie Welpen? Wenn Sie einen hätten, wie würden Sie ihn nennen?", hatte ein User auf der Pinnwand gefragt. Das klang eher, als habe er mit einer Auffangstation für Hunde Kontakt aufnehmen wollen - und nicht mit der größten Bank Amerikas. Aber es war kein Versehen. Und mit dem Lächeln war es dann auch ganz schnell vorbei.

Eine Fragestunde unter dem Hashtag #AskJPM wollte JP Morgan den Usern auf Twitter anbieten. Der Ruf des Geldhauses ist derzeit miserabel, es soll Kunden bei dem Verkauf von Wertpapieren nur unzureichend über die Risiken aufgeklärt haben. Gerade hat die Bank einen Vergleich mit dem Justizministerium geschlossen, 13 Milliarden Dollar soll sie zahlen und sich von ihrer Schuld freikaufen. Also muss ein neues Image her.

Twitter als Plattform für eine erste Strategie schien den Bankern offenbar eine gute Idee. Schließlich erreicht man über das Netzwerk möglichst viele Kunden - und solche, die es noch werden könnten, vor allem Studenten sollten die Zielgruppe sein. Um sie anzulocken, wollte Investmentbanker Jimmy Lee den jungen Leuten Tipps für ihre Karriere geben. Aber dazu kam es nicht.

Nicht etwa, weil niemand Fragen stellte, vielmehr fielen diese einfach nur anders aus als gewünscht: "Wie kann ich als junger Soziopath auf dem Finanzmarkt erfolgreich sein?", fragte ein User. Andere interessierten sich vor allem für die ausgeklügelten Geschäftspraktiken des Bankhauses und das Ethos seiner Mitarbeiter: "Wie fühlt es sich an, mit mexikanischen Drogenkartellen zusammenzuarbeiten? Geben die Trinkgeld?", wollte einer der User wissen, ein anderer twitterte: "Es ist wahr, JPM steht für: Just Pay More".

Die entscheidende Frage allerdings stellte Alex Pareene:"Warum denken Sie ist das hier ist eine gute Idee?" Genau das wird sich JP Morgan auch gefragt haben. "Keine gute Idee. Nochmal von vorne", twitterte der Konzern am Donnerstag. Die geplante Fragestunde wurde abgesagt.