Twitter:Es kommt, wie es kommen musste

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Twitter: Er dürfte darauf hoffen, mit einer Vertragsstrafe davonzukommen, selbst wenn die eine Milliarde Dollar beträgt: Elon Musk.

Er dürfte darauf hoffen, mit einer Vertragsstrafe davonzukommen, selbst wenn die eine Milliarde Dollar beträgt: Elon Musk.

(Foto: Joe Skipper/REUTERS)

Twitter verklagt Elon Musk. Und argumentiert: Auch ein Milliardär und Tesla-Chef kann sich nicht alles erlauben.

Von Jannis Brühl

So einfach lässt Twitter Elon Musk nicht davonkommen. Der Tesla-Chef und Milliardär versucht seit einigen Tagen ebenso vehement wie öffentlichkeitswirksam, vom Kauf des sozialen Netzwerks Twitter zurückzutreten. Und das, obwohl seit April eine Vereinbarung zwischen Musk und Twitter besteht, nach der Musk das Unternehmen für 44 Milliarden Dollar kauft. Und obwohl er ohnehin schon 9,1 Prozent an Twitter hält.

Nun hat Twitters Verwaltungsratschef Bret Taylor in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mitgeteilt, dass das Unternehmen offiziell Klage eingereicht habe. In einer 60-seitigen Klageschrift fordern die Twitter-Anwälte, das zuständige Gericht solle den Vollzug der Übernahme anordnen. Musk glaube wohl, dass er es sich erlauben könne, von einem geschlossenen Vertrag einfach so zurückzutreten, das Unternehmen zu verunglimpfen, dessen Geschäft durcheinanderzubringen und Werte von Aktionären zu zerstören. Aber da habe er sich geirrt.

Twitter führt Musks Vorgehen auf den Abschwung am Aktienmarkt zurück, durch den sowohl der Wert von Twitter als auch Musks Vermögen geschrumpft sei. Die Kaufvereinbarung halte aber fest, dass eine solche Entwicklung ein von Musk zu tragendes Risiko und kein Grund für einen Ausstieg sei.

Die Juristen des Tesla-Chefs wiederum begründen den angestrebten Rücktritt vom Kauf vor allem das vor allem damit, dass Twitter die Zahl sogenannter Spam-Bots als zu niedrig angegeben habe. Als Spam-Bots bezeichnet man Nutzerkonten, die automatisiert halbseidene Werbung oder Propaganda verbreiten. Das Argument lautet also, die Twitter-Chefs hätten Musk getäuscht, der Kurznachrichtendienst hätte viel weniger echte menschliche Nutzer als behauptet.

Das Anzweifeln der Schätzungen zur Zahl der Spam-Bots und Forderungen nach mehr Daten dazu stellt Twitter in der Klageschrift als Versuch dar, einen Vorwand zur Aufkündigung des Deals zu schaffen. So habe Musk eingeräumt, er habe eine ausführliche Erklärung von Twitter zur Methode der Schätzung nie gelesen. Und auch Musks wortloser Tweet mit einem Kothaufen-Emoji, mit dem er auf öffentliche Erläuterungen von Twitter-Chef Parag Agrawal reagierte, schaffte es als Beleg für Musks problematisches Verhalten in die Klageschrift. Das Unternehmen bat das Gericht, den Fall beschleunigt zu prüfen.

Das setzt nun ein kompliziertes Verfahren in Gang, in dem es um richtig viel Geld gehen dürfte - am Schauplatz Delaware. In dem kleinen Bundesstaat an der Ostküste haben mehr als die Hälfte der großen US-Unternehmen ihren formellen Sitz, so auch Twitter. Die Steuern sind niedrig, die Richter auf Unternehmensrecht spezialisiert. Sie werden entscheiden, ob Musk den Kauf ohne Konsequenzen platzen lassen darf; ob er mit einer Strafe von einer Milliarde Dollar davonkommt; oder ob er Twitter tatsächlich für 44 Milliarden Dollar kaufen muss.

Tatsächlich stehen Twitters Chancen gar nicht mal so schlecht. Denn so absurd es auch klingen mag, dass jemand gezwungen werden kann, einen Milliardendeal durchzuziehen, den er gar nicht mehr will: Gerichte verdonnern Unwillige immer wieder dazu. So zwangen die Richter in Delaware etwa den Luxusgüterhersteller LVMH, das Juwelier-Unternehmen Tiffany zu kaufen, obwohl Branchenführer LVMH das zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr wollte.

Möglich ist aber auch, dass es aus der verfahrenen Situation selbst nach Twitters Einreichung der Klage nur einen Ausweg gibt: Dass Musk das Unternehmen einfach für deutlich weniger Geld kauft. Genau auf so einen Deal könnte der Milliardär spekulieren.

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