Twitter vor Gericht:Musk feuert wie wild - doch in Irland ist das nicht so einfach

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Twitter vor Gericht: Das Logo von Twitter an der Fassade der Zentrale in New York.

Das Logo von Twitter an der Fassade der Zentrale in New York.

(Foto: IMAGO/John Nacion/IMAGO/ZUMA Wire)

Der neue Twitter-Eigentümer hatte seine Angestellten in der Dubliner Europazentrale vor die Wahl gestellt: entweder mehr arbeiten oder Abfindung. Eine Mitarbeiterin ließ sich das nicht gefallen.

Von Alexander Mühlauer, London

Am 16. November stellte Elon Musk seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Dublin vor die Wahl. In einer E-Mail schrieb der neue Twitter-Eigentümer, dass sie bis zum nächsten Tag Zeit hätten, sich zu entscheiden: entweder für "lange und intensive Arbeitsstunden" in der Europazentrale des US-Techkonzerns oder für eine Abfindung von drei Monatsgehältern. Sinead McSweeney, damals Global Vice President for Public Policy bei Twitter in Dublin, entschied sich für eine dritte Variante: Sie antwortete Musk einfach nicht.

Kurz darauf bekam McSweeney nach eigener Darstellung eine weitere E-Mail, in der ihr Twitter bestätigte, das Abfindungsangebot akzeptiert zu haben. Was gleichzeitig bedeutete, dass nicht nur ihr E-Mail-Konto gesperrt wurde, sondern auch ihr Zugang zu den internen IT-Systemen des Unternehmens. In ihr Büro ist McSweeney auch nicht mehr gekommen. Das war der Moment, in dem sie sich einen Anwalt nahm und gegen Twitter vor Gericht zog. Mit Erfolg.

Zunächst hatte McSweeney vor Gericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, die Twitter daran hinderte, ihr zu kündigen. In dieser Woche teilten die Anwälte des Konzerns nun dem High Court in Dublin mit, dass McSweeney wieder ihre Position im Unternehmen innehabe. Twitter habe sich verpflichtet, der leitenden Angestellten wieder Zugang zu den IT-Systemen und zu den Räumlichkeiten des Unternehmens am George's Quay in Dublin zu ermöglichen.

Etwa 500 Angestellte arbeiteten einst in der Twitter-Europazentrale. Nun sind es 140 weniger

Die Anwälte von Twitter erklärten, dass es das Bestreben des Unternehmens sei, den entstandenen Lärm ein wenig zu dämpfen, wörtlich: "turn the noise down". Man sei daran interessiert, dass die Personalabteilung des Unternehmens nun in Verhandlungen mit der Mitarbeiterin treten könne, um den Streit beizulegen.

Der Anwalt von McSweeney begrüßte die Entscheidung von Twitter, machte aber klar, dass sich seine Mandantin weiter Sorgen um ihren Arbeitsplatz mache. Sie habe sowohl von Elon Musk als auch von leitenden Angestellten in den USA "gemischte Botschaften" erhalten. Musk führe Twitter "auf unorthodoxe Weise", er entlasse Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "ohne erkennbare Logik". Sie habe deshalb kein Vertrauen mehr in das Unternehmen, ließ McSweeney über ihren Anwalt ausrichten.

Der Richter sagte, er selbst sei zwar kein Personaler, aber er empfahl beiden Parteien, offen in Gespräche einzutreten. Sollte dies nicht geschehen, werde man sich Anfang nächsten Jahres wieder vor Gericht sehen. Er werde die Angelegenheit jedenfalls im Einklang mit dem Gesetz behandeln. Was das genau bedeutet, lässt sich bereits an der einstweiligen Verfügung erkennen, die der Richter erlassen hat. Demnach wurde Twitter untersagt, die Bedingungen, die Musk in seiner E-Mail vom 16. November formuliert hatte, auf den Arbeitsvertrag von McSweeney anzuwenden.

Da die Mitarbeiterin wohl nicht die einzige in der Twitter-Europazentrale ist, die auf Musks E-Mail nicht geantwortet hat, dürfte es durchaus Angestellte geben, die ihrem Beispiel folgen werden. Wobei natürlich die Grundsatzfrage bleibt, ob man überhaupt weiter für Twitter arbeiten möchte. Bevor Musk den Konzern übernommen hat, arbeiteten in Dublin etwa 500 Angestellte bei Twitter. Seit Musks Kahlschlag haben gut 140 ihren Job aufgegeben.

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