Kurznachrichtendienst:Musk will Twitter doch nicht kaufen - aber das Unternehmen besteht darauf

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Kurznachrichtendienst: Schon seit Wochen gab es zwischen Twitter und Elon Musk Unstimmigkeiten.

Schon seit Wochen gab es zwischen Twitter und Elon Musk Unstimmigkeiten.

(Foto: Dado Ruvic/Reuters)

Die Firma habe mehrere Punkte der Übernahme-Vereinbarung gebrochen, schreibt der Milliardär. Doch der Kurznachrichtendienst will ihn nicht aus dem Deal entlassen. Nun könnte ein langwieriger Rechtsstreit folgen.

Tech-Milliardär Elon Musk hat seine Vereinbarung zum Kauf des Kurznachrichtendiensts Twitter für aufgelöst erklärt. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervor. Die Firma habe mehrere Punkte der Übernahme-Vereinbarung gebrochen, erklärte Musk. Seine Anwälte verwiesen zur Begründung auf angeblich unzureichende Angaben zur Zahl von Fake-Accounts. Twitter hingegen will Musks Ausstieg aus dem Vertrag nicht akzeptieren, weshalb ein langwieriger Rechtsstreit droht.

Musk zweifelt die Twitter-Zahlen schon seit Wochen öffentlich an, was von Beobachtern als Versuch interpretiert wurde, zumindest den Preis zu drücken. Ursprünglich hatte der Milliardär 54,20 Dollar pro Aktie geboten. Das wäre für die Aktionäre ein guter Deal. Das Gesamtvolumen des Vorhabens hätte sich auf etwa 44 Milliarden Dollar belaufen.

Musk hatte wiederholt betont, es gehe ihm bei einem Twitter-Kauf nicht um Geld, sondern vor allem darum, die Redefreiheit auf der Plattform zu stärken. So sagte Musk, er würde den von Twitter verbannten ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wieder zurück auf die Plattform lassen.

Kurz nach Musks Ankündigung schrieb Twitter-Verwaltungsratschef Bret Taylor, man wolle den Verkauf zum mit Musk vereinbarten Preis durchsetzen und dafür auch vor Gericht ziehen. Das Unternehmen wollte für die kommenden Monate eine Abstimmung von Aktionären über den Verkauf der Anteile an Musk ansetzen.

Musk ist bereits Großaktionär mit einem Anteil von gut neun Prozent, den er vor Ankündigung der Übernahmepläne an der Börse zusammenkaufte. Auch hier gab es Ärger. So hielt Musk die Frist nicht ein, in der das Überschreiten der Beteiligung von fünf Prozent öffentlich gemacht werden muss. Da nach dieser Mitteilung der Aktienpreis sprunghaft stieg, wird Musk in einer Anlegerklage vorgeworfen, er habe mit der Verzögerung viel Geld beim Kauf weiterer Aktien gespart.

So einfach dürfte Musk nicht aus dem Schneider sein

Schon vor Musks Mitteilung am Freitag ging die Twitter-Aktie bei nur 36,81 Dollar aus dem US-Handel. Beobachter hatten spekuliert, dass Musk angesichts der Preisdifferenz nicht mehr gewillt sei, an seinem ursprünglichen Gebot festzuhalten. Nach der Veröffentlichung der Mitteilung fiel ihr Preis erneut um mehrere Prozentpunkte auf 34,05 Dollar.

Der Tesla-Gründer versuchte bereits seit Mitte Mai, angeblich falsche Schätzungen von Twitter zur Zahl der Spam- und Fake-Accounts zum Thema zu machen. So erklärte er den Übernahmedeal deswegen für ausgesetzt. Twitter schätzt - und zwar schon seit einiger Zeit -, dass die Zahl der gefälschten Accounts bei weniger als fünf Prozent liegt. Musk zweifelte das an - nachdem er die Übernahme-Vereinbarung unterschrieben hatte.

Musks Anwälte erklärten nun, Twitter habe es seit fast zwei Monaten versäumt, Musk und seinem Beraterstab die nötigen Datenzugänge zur Verifizierung der Angaben zu Fake-Accounts bereitzustellen. Sie bezeichneten das als einen derart schweren Bruch der Vertragsbedingungen, dass die Kaufvereinbarung aufgelöst werden könne.

Doch so einfach dürfte Musk nicht aus dem Schneider sein. Weil der Kurznachrichtendienst auf Vollzug pocht, könnte der 51-Jährige bald juristische Probleme bekommen. Er hatte mit Twitter eine Strafe von einer Milliarde Dollar vereinbart, falls eine Partei vom Deal zurücktritt. Dabei geht es aber eher um Probleme wie eine gescheiterte Finanzierung als eine Kehrtwende wie nun von Musk.

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