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Twitter:Auf die Kuh gekommen

Auf dem Twitter-Konto "Devin Nunes' cow" wird der stramme Trump-Unterstützer Devin Nunes regelmäßig parodiert.

(Foto: Twitter)

Der US-Abgeordnete und Trump-Fan Devin Nunes verklagt Twitter - und hat nun mehr Schaden als zuvor.

Devin Nunes gilt als großer Unterstützer des US-Präsidenten Donald Trump. Die Erderwärmung hält er ebenso wie der Präsident für Blödsinn, das FBI verdächtigte er einer Verschwörung bei den Ermittlungen zu Russlands Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf 2016. Was der Präsident und der US-Kongress-Abgeordnete Nunes allerdings nicht gemeinsam haben, ist die Liebe zum Kurznachrichtendienst Twitter. Während Trump jeden auch nur halbgaren Gedanken in Tweets fasst, hat Nunes, 45, vergangene Woche Twitter verklagt - auf ein Schmerzens- und Bußgeld von 250 Millionen Dollar.

Genauer besehen stört sich der studierte Landwirt aus Kalifornien auch an dem Twitter-Profil einer Kuh. Unter dem Namen "Devin Nunes' Cow" (@DevinCow) wird der Politiker regelmäßig parodiert - eine Anspielung auf den Milchhof, den Nunes' Eltern in Iowa betreiben. Die Klage, eingereicht bei einem Gericht im Bundesstaat Virginia, ist allerdings etwas widersprüchlich: Nunes ärgert sich über Zensur, fordert sie aber zugleich ein. In der Klageschrift beschuldigt er Twitter, Ansichten, die der Kurznachrichtendienst nicht teile, zu zensieren und Profile von Konservativen wie ihm in der Reichweite zu beschränken. Zugleich profitiere Twitter von Inhalten, die beleidigend und verleumderisch seien. Während der Kampagne zu seiner Wiederwahl 2018 habe er, Nunes, eine "orchestrierte Verleumdungskampagne" von solchem Umfang aushalten müssen, die "kein Mensch jemals in seinem ganzen Leben erleiden sollte", klagt der Republikaner. Neben dem Kuh-Account sind auch noch die Twitter-Konten "Devin Nunes' Mom" und der von Liz Mair genannt, einer Beraterin republikanischer Politiker.

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Nur wenige Tage später steht fest, dass Nunes' Schuss nach hinten los-, oder besser gesagt: an der Kuh vorbei ging. Hatte @DevinCow vor der Klage noch 1200 Follower, waren es zum Wochenende schon mehr als 600 000 Anhänger. Und wie so häufig, wenn jemand Twitter-Nutzer herausfordert, werden die erst recht kreativ. Filmchen, in denen jemand mit Nunes' Gesicht von einer Kuh getreten wird. Aufrufe, Kuhglocken und anderes Zubehör an Nunes' Büro zu schicken. Eine Website bietet T-Shirts mit DevinCow-Aufdrucken für 19,95 Dollar pro Stück.

Der Politiker erlebt damit, was seit 2005 als "Streisand-Effekt" bekannt ist. Damit wird das Phänomen bezeichnet, dass eine Information, die eigentlich verborgen oder zensiert werden soll, noch mehr verbreitet wird. Die US-Schauspielerin Barbra Streisand hatte damals geklagt, um eine Aufnahme ihres Anwesens aus einer öffentlichen Fotosammlung entfernen zu lassen - und damit erst recht Aufmerksamkeit auf das Bild gezogen. Das Internet und gerade die sozialen Netzwerke sind dafür hervorragende Plattformen.

Meinungen und Satire sind rechtlich auch in den USA geschützt

Die Cowboys auf Twitter und das Netzwerk selbst haben aber wohl nichts zu befürchten. Meinungen und Satire sind rechtlich auch in den USA geschützt. Andere, vergleichbare Verfahren waren erfolglos. Im vergangenen Jahr etwa verlor die Pornodarstellerin Stormy Daniels vor Gericht, nachdem sie sich in einem Tweet der Lüge bezichtigt fühlte. Die Richter sahen darin aber eine "rhetorische Überspitzung", die von der Meinungsfreiheit abgedeckt sei. Ähnlich ging es der Politikberaterin Cheryl Jacobus, die ebenfalls wegen Verleumdung klagte und verlor. Der Beklagte in beiden Fällen: Donald Trump.

Devin Nunes' Klage jedenfalls bekommt nun mehr Aufmerksamkeit, als dem Abgeordneten lieb sein kann. Nachdem das Twitter-Konto "Devin Nunes' Mom" eigentlich schon seit einem Jahr stillgelegt ist, legte ein Nutzer am 19. März ein neues Profil mit dem Namen "Devin Nunes Alt-Mom" an. Schon jetzt hat der Account mehr als 38 000 Follower. Das Hintergrundbild zum Profil zeigt: Barbra Streisands Haus.

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