Reisekonzern:Tui will mit Kapitalerhöhung Staatshilfen zurückzahlen

Lesezeit: 2 min

Reisekonzern: Ein Tui-Partnerhotel auf Rhodos: Griechenland ist derzeit laut Tui-Chef Fritz Joussen bei Reisenden sehr gefragt.

Ein Tui-Partnerhotel auf Rhodos: Griechenland ist derzeit laut Tui-Chef Fritz Joussen bei Reisenden sehr gefragt.

(Foto: Louiza Vradi/Reuters)

Der deutsch-britische Reisekonzern hat über Nacht 425 Millionen Euro bei Aktionären eingesammelt. Damit will das hochverschuldete Unternehmen einen Teil seiner Corona-Schulden begleichen.

Von Sonja Salzburger

Der Reisekonzern Tui will den Umfang seiner Corona-Staatshilfen zügig weiter verringern. In der Nacht zum Mittwoch hat das Unternehmen mit einer Kapitalerhöhung 425 Millionen Euro frisches Geld eingesammelt. Es ist die dritte Kapitalerhöhung seit Januar 2021. 162,3 Millionen neue Aktien seien zum Preis von 2,62 Euro platziert worden, teilte Tui mit. Mit dem Erlös und mit vorhandenen Barmitteln soll nun eine der beiden Stillen Einlagen des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Volumen von 671 Millionen Euro zurückgezahlt werden.

Bei einer Kapitalerhöhung gibt ein Unternehmen neue Aktien aus. Dafür braucht es die Erlaubnis seiner bisherigen Aktionäre. Die hatte sich Tui bereits auf der Hauptversammlung im Februar mit einem Vorratsbeschluss eingeholt. Um zu verhindern, dass ihre Firmenanteile verwässert werden, haben Aktionäre in der Regel ein Bezugsrecht. Das bedeutet, sie dürfen einem ihrem Anteil am Grundkapital entsprechenden Anteil der frischen Papiere bevorzugt kaufen. Alternativ können Aktionäre ihr Bezugsrecht auch an der Börse veräußern.

Tuis wichtigster Investor kann nicht mitziehen

Beobachter hatten vorab gerätselt, wie Tui damit umgehen würde, dass der russische Großinvestor Alexej Mordaschow derzeit keine Möglichkeit hat, bei einer Kapitalerhöhung mitzuziehen. Ihm gehören gut 30 Prozent am Unternehmen. Ende Februar landete er auf der Sanktionsliste der EU, sein Aktienpaket ist derzeit gesperrt.

Der Reisekonzern hat einen Weg gefunden, dieses Problem zu umgehen. "Weil die Kapitalerhöhung in diesem Fall zehn Prozent des Grundkapitals nicht übersteigt, darf Tui das Bezugsrecht für seine bisherigen Aktionäre ausschließen", erklärt Josef Gemmeke, der als Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger die Interessen der Tui-Aktionäre vertritt. Auch wenn Anleger normalerweise weder Vorratsbeschlüsse mögen, noch begeistert sind, wenn ihnen ihr Bezugsrecht vorenthalten wird, bewertet Gemmeke den Schritt in diesem Fall als positiv: "Tui braucht dringend frisches Kapital", sagt der Aktionärsvertreter. "Trotz der Verwässerungsproblematik ist es ein gutes Signal, dass der Konzern Geld am Kapitalmarkt bekommen hat." Nach Angaben der Tui wurden die neuen Aktien ausschließlich institutionellen Investoren zum Kauf angeboten.

In der Corona-Pandemie hatte der deutsche Staat das Unternehmen mit insgesamt 4,3 Milliarden Euro Finanzhilfen vor der Insolvenz gerettet. Neben der Tilgung der Stillen Einlage soll nun die Kreditlinie der Staatsbank KfW um 336 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Daneben steht noch eine weitere Stille Einlage des WSF über 420 Millionen Euro und eine Optionsanleihe über 59 Millionen Euro aus.

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