TÜV schlägt Alarm Jedes zweite mangelhafte Produkt aus China

Wenn der TÜV Süd ein fehlerhaftes Produkt anprangert, kommt es jedes zweite Mal aus China. Die größte Gefahr lauert bei Kinderspielzeug.

Von Silvia Liebrich

Jedes zweite fehlerhafte Produkt, das in Deutschland bei Qualitätsprüfungen beanstandet wird, kommt aus China. Darauf hat am Wochenende Joachim Birnthaler, Geschäftsführer der zuständigen Abteilung beim TÜV Süd hingewiesen.

Die Mängel bei importierten Spielwaren, Elektrogeräten und Werkzeugen hätten 2006 stark zugenommen, sagte er der Süddeutschen Zeitung. "Ein hoher Anteil der gefährlichen Produkte stammt aus Nicht-EU-Ländern, besonders aus China.'' Damit habe sich der Trend der vergangenen Jahre fortgesetzt.

Weitere 21 Prozent der beanstandeten Produkte stammten demnach aus dem europäischen Raum. Bei 17 Prozent war die Herkunft nicht eindeutig zu klären; aber auch hier vermuten die Experten in den meisten Fällen China als Ursprungsland. Der TÜV Süd ist eine der größten deutschen Prüfstellen für Waren. Produkte, die die Qualitätskriterien erfüllen, erhalten ein Prüfsiegel.

"Hauptrisiko ist das Ersticken"

Ganz oben auf der Mängelliste der Prüfer standen 2006 erstmals Spielzeuge für Kinder, noch vor elektrischen Geräten, die noch in den Jahren davor am häufigsten beanstandet wurden. "Das Hauptrisiko beim Spielen mit unsicheren Spielwaren ist das Ersticken'', ergänzte der TÜV-Experte.

Ursache dafür seien meist kleine Bauteile, die von Kleinkindern leicht verschluckt werden können. Gesundheitsschädliche Spielwaren aus China waren in den vergangenen Wochen in Deutschland in die Kritik geraten. Für negative Schlagzeilen sorgten beispielsweise Spielzeugautos mit Bleifarbe.

Birnthaler wies darauf hin, dass es sich bei den meisten Beanstandungen nicht nur um Bagatellfälle gehandelt habe. Dies gelte für alle Produktgruppen. Von 25 Prozent aller Gegenstände sei ein Verletzungsrisiko ausgegangen.

Gefahr eines Stromschlages

Bei 24 Prozent der aus dem Verkehr gezogenen Waren habe die Gefahr eines Stromschlages bestanden, weil Schutzvorrichtungen nicht vorhanden oder fehlerhaft waren. Bei 18 Prozent sei ein erhöhtes Brandrisiko festgestellt worden.

"In manchen Fällen musste zehn Mal nachgebessert werden, bis die Fehler beseitigt waren'', ergänzte er. Besonders problematisch ist nach seinen Angaben, dass viele Billighersteller auch nach der Ersteinführung eines Produkts noch Veränderungen im Produktionsprozess vornehmen.

Dabei werden bestimmte Materialien durch andere, billigere ersetzt oder es werden sogar ganze Bauteile weggelassen. Die Folge seien enorme Qualitätsschwankungen. Diese Risiken seien nur durch ständige Kontrollen beherrschbar.

Die Qualitätsprobleme werden nach Einschätzung des TÜV Süd in den nächsten Jahren noch zunehmen. Grund dafür seien die weiter steigenden Importquoten von Billigprodukten.

Inzwischen stammen zwei Drittel der in Deutschland verkauften Artikel, außer Lebensmitteln, aus Asien. Größter Lieferant ist hier mit Abstand China, gefolgt von Indien, Vietnam und Bangladesh.